Frauen- und Männerwelten damals und heute
In ihrer Examensarbeit hat sich die Trierer Germanistikstudentin Verena Schroden mit der Geschlechterrolle im Roman "Das Weiberdorf" beschäftigt. Darüber referierte sie nun in Eisenschmitt.
Eisenschmitt. (red) Das Clara-Viebig-Zentrum (CVZ) in Eisenschmitt entwickelt sich zur Schaltzentrale der Anhänger des realistischen Schreibstils. Auch der Vortrag "Frauenwelten - Männerwelten" der Germanistik-Studentin Verena Schroden fand großen Anklang.Es ging der in Trier geborenen Clara Viebig um die Wahrheit, akribisch beobachtet und ohne Weichzeichner. Manches hat sich geändert, aber vieles ist im Leben von Männern und Frauen auch gleich geblieben. So lautet das Fazit des Vortrags von Verena Schroden, das eigentlich ihre Staatsexamensarbeit in Germanistik war. Nun ließ sie ein aufmerksam lauschendes Publikum im Schmittner "Haus des Gastes" an ihren Erkenntnissen teilhaben. Als Protagonisten des zu seiner Zeit umstrittenen Viebig-Romans "Das Weiberdorf" eignen sich die Zey und das Pittchen in besonderer Weise zur Analyse unterschiedlicher Frauen- und Männerrealitäten der ländlichen Gesellschaft um die Jahrhundertwende. Männer, die nur zweimal im Jahr ihre Familien sahen und ansonsten im Ruhrgebiet ihr Geld verdienten, Frauen, die niemals aus der Enge ihres Tales herauskamen, die die Arbeit ihrer Männer mit erledigen mussten, die keine ärztliche Versorgung kannten, nichts von der Welt wussten und niemanden hatten, der ihre emotionalen und sexuellen Bedürfnisse stillen konnte. Oder teilten sie sich gar stillschweigend das Pittchen, das durch ein körperliches Gebrechen an die Heimat gebunden blieb? Erst seit kurzer Zeit haben die Nachfahren der im Weiberdorf beschriebenen Personen der Schriftstellerin ihre Ausführungen verziehen. Das "Haus des Gastes", das den Namen Clara Viebigs trägt, hilft diesen Prozess der Aussöhnung zu beschleunigen. Dahinter steckt das finanzielle und organisatorische Geschick des Ortsbürgermeisters. Das Zentrum mit der Dauerausstellung ist "das Kind" von Georg Fritzsche, dem Landrätin Beate Läsch-Weber anerkennend bescheinigt hatte: "Gut gehandelt, richtig gehandelt, vorausschauend gehandelt."