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Frei laufenden Katern droht die Kastration

Frei laufenden Katern droht die Kastration

Wild lebende Katzen verschmutzen Gärten und vermehren sich unkontrolliert. Das Ordnungsamt in Bernkastel-Kues erklärt sich bei einem konkreten Fall in Veldenz für nicht zuständig. Die Morbacher Kollegen erarbeiten eine Verordnung, um Katzenplagen zu verhindern.

"Die Katzen verursachen Dreck, Lärm und Gestank." Für Anwohnerin Sabine Ochs sind die wild lebenden Katzen rund um die Veldenzer Hintergasse ein Ärgernis. Zwischen zwölf und 18 Katzen laufen durch die Gärten, bringen in halb verfallenen Schuppen Junge zur Welt und zerreißen gelbe Säcke auf der Suche nach Essensresten. Sabine Ochs sorgt sich um die Gesundheit ihrer kleinen Kinder. Sie fürchtet die Verbreitung von Flöhen und anderen Parasiten.

Um der unkontrollierten Vermehrung Einhalt zu gebieten, hat Ruth Genheimer (Tierhilfe Thalfang) bereits einige Tiere eingefangen und auf eigene Kosten kastrieren lassen. Nur haben sich inzwischen andere Exemplare der wilden Horde angeschlossen, so dass doch wieder Jungtiere in der Veldenzer Hintergasse umherlaufen.

Ruth Genheimer füttert die Tiere seit einem halben Jahr zweimal die Woche. "Eine Anwohnerin, die das früher gemacht hat, hat das eingestellt." Die angesprochene Edith Bottler bestreitet eine regelmäßige Fütterung. Sie habe nur gelegentlich Essensreste für die Katzen rausgestellt.

Behörde kann sich nur an den Tierhalter wenden

Um das Problem zu lösen, hat sich Ruth Genheimer an das Ordnungsamt Bernkastel-Kues und das Veterinäramt gewandt. Monika Coen vom Ordnungsamt kann keine "Gefahr für die öffentliche Sicherheit und Ordnung" erkennen, so dass keine Zuständigkeit ihrer Behörde gegeben sei. Sie verweist auf das Veterinäramt bei der Kreisverwaltung. Deren Pressesprecher Alfons Kuhnen erklärt das Veterinäramt ebenfalls für nicht zuständig, weil sich diese Behörde immer nur an einen Tierhalter wenden kann. Bei wild lebenden Katzen gebe es den nicht. Kuhnen weist allerdings darauf hin, dass "Personen, die herrenlose Katzen regelmäßig mit Futter versorgen, als Halter der Tiere gelten" und diese dann tierschutzrechtlich für eine ordnungsgemäße Versorgung der Tiere verantwortlich sind. Ruth Genheimer wiederum fühlt sich von den Behörden im Stich gelassen. Ihre einzige Hoffnung ist, dass sie einige Katzen vermitteln kann. Speziell Jungtiere könne man leicht zähmen und an ein Haus gewöhnen.

Auch andernorts ist das Thema aktuell. Das Morbacher Ordnungsamt will sich unkontrollierter Katzenpopulationen annehmen. Der Leiter der Behörde, Axel Schmitt, arbeitet eine neue Gefahrenabwehrverordnung aus, da nach seiner Meinung frei lebende Katzen Gefahren wie gesundheitliche Gefährdung sowie eine Belästigung der Anwohner mit sich bringen. Zur Verordnung gehört ein generelles Fütterungsverbot wild lebender Tiere genauso wie die Kastrationspflicht von Katern, die von ihren Haltern Zugang ins Freie erhalten. Die neue Regelung soll im ersten Halbjahr fertiggestellt und dann vom Morbacher Gemeinderat beschlossen werden.

Meinung Verordnung kann nicht überwacht werden
Katzen und Hunde gelten ja gemeinhin als Freunde der Menschen, oft sind sie sogar deren einzige Begleiter. Das ändert nichts daran, dass die Hundehaufen auf Straßen und Plätzen genauso ein Ärgernis sind wie umherstreunende Katzen, die sich fortlaufend vermehren. Ob dem Katzenproblem mit einer Verordnung beizukommen ist? Die gibt es auch schon lange für Hunde, wird aber von vielen Tierhaltern wenig beachtet. Ihre Einhaltung ist auch nicht zu überwachen. Wie soll denn bitteschön herausgefunden werden, welcher Katzenbesitzer sein Tier frei herumlaufen lässt? Immerhin: Die Morbacher Verwaltung nimmt sich des Problems an. Andernorts ist das nicht so. Wenn an einer Verordnung gearbeitet wird, müsste sie aber zumindest kreisweit Gültigkeit haben. An einer Gemeindegrenze sollte sie nicht enden! c.beckmann@volksfreund.de