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Freie Fahrt für Radfahrer nach Wengerohr

Wittlich. "Vorfahrt gewähren", "Radfahrer kreuzen": Diese Schilder will die Stadt bald am Kreisel St. Paul aufstellen. Dann werden auch die Erdhaufen verschwinden, und Radfahrer können auf der ehemaligen Bahntrasse von Wittlich nach Wengerohr in die Pedale treten. Ursula Quickert

Wittlich. "Das ist ja wunderbar!", freut sich Christel Braun (61) aus Wengerohr, als sie die frohe Kunde hört: Wenn sie künftig mit dem Fahrrad zur Arbeit nach Wittlich fährt, darf sie den neuen Wirtschaftsweg neben der B 50 nutzen. Der ist bislang für Radfahrer wie Spaziergänger in Höhe des Kreisels St. Paul tabu, weil es für sie aus Sicht einiger Behörden zu gefährlich ist, auf die andere Seite der L 53 zu gelangen (der TV berichtete). Dank Schildern und Drängelgittern soll damit bald Schluss sein. Das teilt die Stadt auf TV-Anfrage mit.
Der Wirtschaftsweg auf der ehemaligen Bahntrasse war zwischenzeitlich zum Streitthema zwischen Stadt, Landesbetrieb Mobilität (LBM), Kreisverwaltung und Polizei geworden. Letztere drei hatten Bedenken wegen der Verkehrssicherheit. Deshalb waren an den Anschlussstellen zum Kreisel Erdhügel aufgeschüttet worden, um Radfahrer und Spaziergänger davon abzuhalten, die Straße zu überqueren - mit mäßigem Erfolg. Mittlerweile führen Trampelpfade über und neben den beiden Erdhaufen entlang. Denn dieser Weg ist nicht nur weniger steil als der gegenüberliegende Mosel-Maare-Radweg, sondern auch schöner, weil er nicht direkt an der B 50 entlangführt. Er sehe dort viele Radfahrer, berichtet Wolfgang Rippinger (68) aus Lüxem.
Auf die andere Seite der B 50 müsse man ja so oder so kommen. Und die jetzige Querungsstelle kurz vor Wengerohr sei nicht ungefährlicher als in Höhe von St. Paul, findet er.
Entstanden ist der Wirtschaftsweg wegen der Flurbereinigung. Er wurde asphaltiert, damit die angrenzenden Felder besser zu erreichen sind. Die Stadt hatte sich von Beginn an dafür eingesetzt, dass auch Radfahrer ihn nutzen können.
Deshalb hat der LBM sich die Situation noch mal genauer angeschaut und Peter Gwiasda von der Forschungsgesellschaft für Straßen- und Verkehrswesen, Arbeitskreis Radverkehr, befragt. Unter der Voraussetzung, dass Radfahrer dort anhalten müssen, sieht dieser keinen Grund, den Weg nicht zu öffnen.
Die Kreisverwaltung steht dem Vorhaben nicht im Wege, ist als untere Straßenverkehrsbehörde aber weiter skeptisch und sieht ein "nicht unerhebliches Gefahrenpotenzial, das durch die Nutzung des Maare-Mosel-Radweges auf der gegenüberliegenden Straßenseite vermieden werden könnte", erklärt Sprecher Manuel Follmann.
Schilder sollen Sicherheit bringen


Im Sinne der Sicherheit sollen nach Auskunft von Stadtpressesprecher Ulrich Jacoby an den Querungsstellen Schilder den Radfahrern signalisieren: "Vorfahrt gewähren". Für Autos, LKW und Motorräder heiß es: "Radfahrer kreuzen". Damit beispielsweise Mofas nicht die gleichen Wege wie die Radfahrer nutzen, sollen an der Abzweigung der L 53, also in Richtung Altrich, Drängelgitter aufgebaut werden. "Jetzt müssen noch die zu beteiligenden Behörden gehört werden, anschließend wird die erforderliche Beschilderung beschafft und aufgestellt", erklärt Jacoby. Wann die Erdhügel verschwinden, sei also "noch nicht abzuschätzen". Der Maare-Mosel-Radweg verläuft weiter auf der gegenüberliegenden Seite der B 50. "Über diese Strecke soll der überörtliche Radfahrverkehr auch gezielt geführt werden."
Rippinger freut sich schon darauf, mit seinen beiden Enkeln auf dem neuen Radweg in die Pedale zu treten. Er wünscht sich, dass auch die Fortführung des Wegs in Richtung Dunlop geteert wird, um eine noch bessere Anbindung an Wittlich zu schaffen.