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Freie Wähler wollen Schneekanonen abschaffen

Freie Wähler wollen Schneekanonen abschaffen

Nicht einen einzigen Lifttag hat es im vergangenen Winter auf dem Erbeskopf gegeben. Hat die höchste rheinland-pfälzische Erhebung überhaupt noch eine Zukunft als Wintersportort? Darüber wird angesichts der Sparzwänge in der Verbandsgemeinde Thalfang im warmen Frühjahr heiß diskutiert.

Thalfang. In einem Frühling, der schon zu Beginn mit Temperaturen wie im Sommer aufwartet, von Schnee zu sprechen, ist auf den ersten Blick aberwitzig. In der Verbandsgemeinde Thalfang ist er trotzdem Thema - weil gespart werden muss und weil im vergangenen Winter im bis zu 816 Meter hohen Hunsrück nicht ein einziger richtiger Schneetag zu verzeichnen war. Obwohl fünf Kanonen bereitstehen, die bei entsprechenden Minustemperaturen die Pisten am Erbeskopf mit künstlichem Weiß besprühen können. Und so ist einigen Kommunalpolitikern die Idee gekommen, den Skibetrieb auf der höchsten rheinland-pfälzischen Erhebung einzustellen.
Es sei an der Zeit, über richtige Einsparungen zu reden, fordert Richard Pestemer (FWG). "Wir sollten die Schneekanonen verschrotten oder bei eBay verkaufen", sagt er. Von den Kosten einmal abgesehen, passe eine solche Art der Pistenpräparierung auch nicht zum Konzept des zukünftigen Nationalparks.
Der Tourismus, so Pestemers Parteikollege Hubert Schu, könne so auch nicht belebt werden. Nachhaltige Wirkung habe der Skibetrieb nicht. Es handele sich auch nicht um sanften Tourismus, wenn die Skifahrer für ein paar Stunden von weither anreisen.
Die beiden FWG-Leute stehen im VG-Rat mit ihrer Meinung weitgehend alleine da. "Wer den Erbeskopf zumacht, muss wissen, dass der Tourismus dann tot ist", sagt Burkhard Graul (SPD), der auch Thalfanger Ortsbürgermeister ist. "Es gibt ein Ganzjahreskonzept für den Erbeskopf.
Mit dem Wintersport wird Geld verdient. Nur in diesem Jahr nicht", pflichtet Bettina Brück (SPD) bei. "Die Schneekanonen sind sinnvoll", sagt Werner Breit (FDP). Ohne sie könne überhaupt kein Geld verdient werden. Ähnlich sieht es Winfried Welter (CDU). "Man kann nicht die Geräte verschrotten, die durch ihren Einsatz zwar Energie kosten, aber auch Geld bringen."
Klaus Hepp, seit 1997 Wintersportbetriebsleiter am Erbeskopf, drückt es so aus. "Die Saison 2013/14 war ein Extremfall. Ohne Schneekanonen gäbe es aber wesentlich weniger Schneetage" (siehe Extra).
Das Geld ist derzeit ein noch größeres Thema und Problem in der VG Thalfang als der fehlende Schnee. Einem Haushalt von etwa vier Millionen Euro, davon etwa die Hälfte Personalkosten, steht am Jahresende voraussichtlich eine Schuldenlast von 20 Millionen Euro gegenüber.
Diskutiert wird deshalb auch über Einsparungen beim Erholungs- und Gesundheitszentrum Thalfang (Hallenbad, Sauna, Solarium, Physiotherapie, Bistro). Zumindest dabei scheint Konsens über den Erhalt zu bestehen. Wo sonst, so der Tenor, sollten die Kinder schwimmen lernen? Eine Schließung gefährde sogar den Schulstandort, glaubt Werner Breit.
Derzeit werden Partner gesucht, die das Bad für ihre Zwecke mitnutzen können. Es habe beispielsweise schon Gespräche mit Leuten gegeben, die am Bau eines Hotels interessiert seien, sagt Burkhard Graul.
Der VG-Rat kann nicht über den Verkauf der Schneekanonen entscheiden. Zuständig wäre der Zweckverband Wintersport-, Natur- und Umweltbildungsstätte Erbeskopf. Ihm gehören die Verbandsgemeinde Thalfang, die Gemeinde Morbach, der Landkreis Bernkastel-Wittlich sowie die Ortsgemeinden Deuselbach, Gräfendhron, Hilscheid, Malborn und Thalfang an.
Verbandsvorsteher ist der Bürgermeister der Verbandsgemeinde Thalfang, Marc Hüllenkremer (parteilos). Der sieht das Thema auch im Zweckverband beheimatet und hat sich im VG-Rat nicht geäußert.Extra

Die derzeitig am Erbeskopf installierte Beschneiungsanlage (fünf mobile Schneekanonen, Pumpstation, Kühlungsanlage, Leitungsnetz) wurde 2003 angeschafft. 700 000 Euro investierte der Zweckverband Wintersport-, Natur- und Umweltbildungsstätte nach Angaben von Betriebsleiter Klaus Hepp dafür. Seither habe sich die Zahl der Tage, an denen die Lifte in Betrieb sind, im Durchschnitt verdoppelt. Für eine zehnstündige Beschneiung sei ein Aufwand von etwa 3000 Kilowattstunden notwendig. Die Kosten: circa 600 Euro. Eine Grundbeschneiung dauere 60 Stunden. Um den Schnee zu produzieren, werde kein Trinkwasser, sondern in einem Teich gesammeltes Sickerwasser verwendet. In Betrieb gehe die Anlage erst bei minus vier Grad (vorgeschrieben sind minus 0,5 Grad) und mit der Aussicht auf mehrtägigen Frost. Die Anlage habe eine Lebensdauer von bis zu 25 Jahren. In normalen Jahren belaufen sich die Einnahmen durch den Wintersport nach Hepps Angaben auf 200 000 Euro (Reingewinn 60 000 Euro). In sehr guten Jahren sei ein Gewinn von 100 000 Euro möglich. Vor dem vergangenen Winter, der bekanntlich keiner war, seien 18 000 Euro in die Wartung und 20 neue Schleppgehänge investiert worden. Die Wartung sei obligatorisch, den Kauf der Gehänge hätte man mit dem Wissen um die schneefreie Zeit auch verschieben können, sagt Hepp. Sollten die Schneekanonen und die Kühlanlage verkauft werden, sei höchstens ein Preis von 100 000 Euro zu erzielen, glaubt der Chef des Wintersportgebiets. cb