"Freiluft"-Kunst für Zuhause

WITTLICH. Was haben Stadtpark, Burg-, Himmeroder- und Feldstraße sowie die Trierer Landstraße gemeinsam? Stadtkundige wissen: Dort sind die Arbeiten der Teilnehmer des zweiten Wittlicher Bildhauer(innen)-Symposiums 2002 zu bewundern. Jetzt ist ein Kunst-Katalog dazu erschienen.

Im Mai 2002 beschlugen sie ihre Steine und setzten mit ihrer Kunst im öffentlichen Raum seither Akzente. Christoph Anders ("Passage"), Barbara Baumann ("Handtasche - Naturkultur"), Sebstian Langner ("Säule"), Christine Nicolay ("Der Stadtstuhl") und Jügern Waxweiler ("Großer Kopf Wittlich - Schöne Aussichten") wurden bei ihrer bildhauerischen Arbeit von vielen Neugierigen begleitet und sind mit der Platzierung ihrer Arbeiten eine "orts-bezogene, narrative Interaktion zu den Vorgaben der städtischen Plätze" eingegangen, wie es Kulturamtsleiter Justinus Maria Calleen im Katalog formuliert, den er vier Jahre später herausgegeben hat. Warum das so lange gedauert hat? "Noch im Jahr 2002 wurden Außenaufnahmen von den Kunststandorten gefertigt, die aber nicht unseren Ansprüchen und denen der Künstler gerecht wurden. Erst im Herbst 2004 waren alle Fotoarbeiten abgeschlossen", erklärt Justinus Maria Calleen. "Danach galt es, die Fotos und Materialien zu sichten und zu entscheiden, was für den Katalog genommen werden kann. Alleine diese Arbeit nimmt einige Monate in Anspruch, weil fortwährend auch an der Konzeption modifiziert werden muss. Dazu kommt, dass ein solcher Katalog nebenher, das heißt neben der täglichen Arbeit, bearbeitet werden muss. Gute Arbeit braucht eben Zeit!" Mitfinanziert haben die Publikation die fünf Bildhauer, die mit den Steinlieferanten verhandelt hatten, um Kosten zu sparen. In der hochwertigen Publikationhat ein 1913 von Willy Küsters erstmals veröffentliches Gedicht über "Die Kleinstadt" manchen irritiert, das in expressionistischer Manier das Kleinbürgerturm (Philisterreich) in damals durchaus üblicher Form thematisiert, nämlich dumpfe Biederkeit anprangernd. Ausgewählt hat es Jürgen Waxweiler damals zur vorbereitenden Symposiums-Gruppenausstellung. Inhaltlich steht es konträr zum Loblied auf die Kunstförderung Wittlichs in Calleens Texten, die das Symposium und seine Hintergründe dokumentieren. Wie passt das zu seinem herausgeberischen Konzept? Der Kulturamtsleiter erklärt, dass das Gedicht acht Monate aushing, ohne dass sich nur einer beschwert hätte. Aufgabe des Herausgebers sei zu entscheiden, welche Texte an welcher Stelle verwendet werden. Das Gedicht sei einfach "eine literarische Abhandlung, die Bezug zu dem zentralen Aufhänger und Titel des Symposiums ,Ort-Bezüge'" nehme. Justinus Maria Calleen: "Das Gedicht greift die allgemeine Menschheitserfahrung auf, dass es das Phänomen der Provinz gibt - aber bei der Provinz oder Provinzialität handelt es sich bekanntermaßen nicht um eine topografische, sondern um eine mentale Beschreibung." So sei der Küsterssche Text - er bezieht sich übrigens auf Konstanz - "als eindeutige, dialektische Gegenposition zur Kulturarbeit in der Stadt Wittlich zu verstehen." Er stellt fest: "Was in Wittlich geschieht, steht doch hoffentlich auch für andere im Gegensatz zur der beschriebenen Provinzialität des Gedichtes? Wer das anders sieht, muss sich den Schuh selber anziehen!" Mit den Emotionen, die dieser Text ausgelöst habe, sei das Ziel erreicht, "nicht nur eine Dokumentation mit bleibendem Wert vorzulegen, sondern vor allem auch Diskussionen über den Inhalt" auszulösen. Der Herausgeber abschließend: "Offene Diskussionen, die keine Denkverbote und Ängste vor Kontroversen kennen, sind nun einmal der entscheidende, geistige Rohstoff, womit wir aktiv unsere Zukunft gestalten können!" Der Katalog "Orts-Bezüge" hat eine Auflage von 620 Stück , kostet 13.50 Euro und ist erhältlich im Georg-Meistermann-Museum am Wittlicher Marktplatz.