"Fremde Heimat"

Unter dem Motto "Fremde Heimat" stand das sechste Himmeroder Literaturkonzert. Die Mischung aus Klangerlebnis und Lesungen durch verschiedene Autoren begeisterte rund 60 Zuhörer.

Sie gestalteten das Literaturkonzert: Charlotte Ueckert, Elke Oertgen-Twiehaus, Wolfgang Valerius, Stephan Senge und Heide Rieck-Wotke (von links). TV-Foto: Gary Retterbush

Großlittgen. (red) Mittlerweile zum sechsten Mal veranstaltete die Europäische Autorenvereinigung "Die Kogge" (Sitz in Minden) ein Literaturkonzert im Kloster Himmerod. Mitglieder und andere interessierte Autoren nutzen die Zeit dort, um zu schreiben und zu diskutieren - und natürlich auch, um eine Auswahl ihrer Texte vor Publikum zu präsentieren. Dieses Jahr beschäftigten sich die Teilnehmer mit dem Thema "Fremde Heimat". Passend dazu setzte sich der Trierer Kantor Wolfgang Valerius auf der Orgel mit diesem Thema auseinander und spielte "An Wasserflüssen Babylon" von Johann Sebastian Bach, die "Fantasie opus 157" von Camille Saint Saëns und das "Largo aus der Sinfonie Nummer 9" von Antonín Dvorak..Der Konzertabend bot außer zahlreichen literarischen und musikalischen Anregungen eine Premiere der besonderen Art: Das neue Glockenspiel der Himmeroder Orgel wurde erstmalig zu Gehör gebracht, und zwar in dem Stück "Cortège et Litanies" von Marcel Dupré. Es bereicherte den Abend mit einem zusätzlichen, wunderbaren Klangerlebnis. In den literarischen Darbietungen spannte sich der Bogen von lyrischen Texten zu Kindheitserinnerungen, wie dem Verlust der Heimat und dem Aufwachsen in der Fremde (Elke Oertgen-Twiehaus), dem Reisen und Leben in fremden Ländern und Kulturen (Charlotte Ueckert) bis zum Thema "Migration und Entwurzelung des Menschen" (Heide Rieck-Wotke). Der Zisterziensermönch Stephan Reimund Senge, seit über 50 Jahren im Kloster Himmerod zu Hause, las Auszüge aus seinem umfassenden Lyrikwerk, das sich häufig mit Erlebnissen heimatloser, vertriebener und bedrohter Menschen im Sudan beschäftigt. Auch wenn das Seitenschiff der Abtei beim Literaturkonzert mit rund 60 Zuhörern zufriedenstellend besetzt war, möchte man diesen ungewöhnlichen Konzert-Lesungen, die durch ihre Kombination viele kreative Impulse geben, ein größeres Publikum wünschen.