Freude am Singen seit 175 Jahren

Traben-Trarbach · Ein stolzes Jubiläum feiert der Gesangverein 1837 Traben-Trarbach: Er wird in diesem Jahr 175 Jahre alt und gehört damit zu den ältesten Chören in Deutschland. Am 6. Mai wird der Geburtstag bei einem Konzert im evangelischen Altenwohnzentrum Ida-Becker-Haus gebührend gefeiert.

 Seit 175 Jahren gibt es den Gesangverein 1837 Traben-Trarbach. Geprobt wird jeden Donnerstag um 19.30 Uhr im Trabener Bürgersaal, und neue Sänger sind immer herzlich willkommen. Hinten links im Bild: Chorleiter Albert Sonntag. TV-Foto: Gerda Knorrn-Belitz

Seit 175 Jahren gibt es den Gesangverein 1837 Traben-Trarbach. Geprobt wird jeden Donnerstag um 19.30 Uhr im Trabener Bürgersaal, und neue Sänger sind immer herzlich willkommen. Hinten links im Bild: Chorleiter Albert Sonntag. TV-Foto: Gerda Knorrn-Belitz

Traben-Trarbach. Man schreibt das Jahr 1837: In England besteigt die 18-jährige Prinzessin Viktoria den Thron, in Spanien tobt ein Bürgerkrieg, und in St. Petersburg stirbt der russische Dichter Alexander Puschkin bei einem Duell. Im beschaulichen Moselort Traben treffen sich indes 20 wackere Herren, um einen Gesangverein zu gründen. Mit Sang und Klang bereichern sie fortan das kulturelle Leben, und 16 Jahre später tun es ihnen die Herren von der anderen Moselseite nach und gründen in Trarbach ebenfalls einen Männer-Gesangverein. Beim guten Moselwein lässt es sich trefflich singen, und auch die Damen erheben schließlich ihre Stimmen. 1866 gründet sich mit dem Trarbacher Gesangverein der erste gemischte Chor, der allerdings nur bis 1909 besteht. Ein dritter Männerchor gründet sich 1880 in Traben unter dem Namen Frohsinn.
Vielen Chorproben folgen viele Konzerte und Veranstaltungen. Die Chronik berichtet von einem großen Wohltätigkeitskonzert 1868, um die Not nach einer Missernte in Ostpreußen zu lindern. Sommer- und Sängerfeste werden ebenso gefeiert wie die runden Jubiläen, die mit zahlreichen Gastvereinen, Feuerwerk und Fahnenweihe über mehrere Tage festlich begangen werden.
Die Konzerte haben ein beachtliches Niveau, es wird A-capella gesungen, mit Begleitung von Klavier oder anderen Instrumenten. Das Repertoire reicht vom alten Volkslied über Chorwerke, Oper, Operette, Musical bis zu modernen Tanzrhythmen. In den Folgejahren des 20. Jahrhunderts wird eifrig fusioniert, gemeinsam konzertiert, und die Namen der Chorgemeinschaften ändern sich, bis 1966 der endgültige Name Gesangverein 1837 Traben-Trarbach alle Sängerinnen und Sänger vereint. Als Chorleiter gibt Willi Schmidt den Ton an. Nach seinem plötzlichen Tod im Jahr 1987 übernimmt Albert Sonntag die Leitung des Chores.
Der Gesangverein 1837 pflegt das alte Liedgut und widmet sich auch neueren Liedern. Besonderen Anklang findet er bei seinen Auftritten im Ida-Becker-Haus, wo die alten Herrschaften bei jedem Konzert viele Lieder mitsingen dürfen und damit auch Erinnerungen an längst vergangene Zeiten aufleben lassen.
Dass Singen gesund und belebend ist, das Immunsystem stärkt, wohltut und befreit, haben Wissenschaftler längst nachgewiesen. Die Schar um Albert Sonntag ist ein geselliger Kreis fröhlicher Menschen, der nach der Chorprobe noch das gemütliche Beisammensein schätzt und mit manchem Gläschen Wein auf den Gesang anstößt. GKB
Extra

Albert Sonntag, seit 1967 Vorsitzender des Gesangvereins, feiert in diesem Jahr sein 25-jähriges Jubiläum als Chorleiter. Der 84-Jährige verfügt über eine lange sängerische Erfahrung: Als Junge von 13 Jahren schließt er sich dem katholischen Kirchenchor Cäcilia Traben-Trarbach an, und die Freude am Gesang ist bei ihm auch nach sieben Jahrzehnten noch ungebrochen. Mit vielen Auszeichnungen wird Albert Sonntag geehrt. 1994 erhält er das Verdienstkreuz am Bande der Bundesrepublik Deutschland für sein engagiertes Wirken um die Förderung des Gesangs. Unermüdlich ist er auch noch im hohen Alter tätig und trommelt jeden Donnerstag um 19.30 Uhr seine Truppe im Trabener Bürgersaal zusammen. Auf 24 Sängerinnen und Sänger ist der einstmals stattliche Verein zusammengeschrumpft, und die Jüngsten unter ihnen gehen auf die 60 zu. Eine bedauerliche Entwicklung, die allerorten festzustellen ist und auch vor Traben-Trarbach nicht haltmacht. GKB