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Freundesgruppe aus Reil sitzt während Corona in Saigon in Vietnam fest

Kostenpflichtiger Inhalt: Aufenthaltsgenehmigung läuft ab : Zwangsquarantäne - Drei Moselaner sitzen wegen Corona in Vietnam fest

Eine Freundesgruppe aus Reil sitzt bei Saigon in Vietnam fest. Ausreisewillige Touristen werden dort unter Quarantäne gestellt. Derweil kämpft eine ihrer Mütter verzweifelt um ihre Freilassung. Sie hat sich an Europa-Abgeordnete Katarina Barley und das Auswärtige Amt gewandt.

So hatten sich Hans-Leon Roth, Hendrik Schmitz und Christopher Siweris aus Reil ihren Asien-Urlaub nicht vorgestellt. Sie sind derzeit in einem Quarantänte-Krankenhaus in Saigon. Ursprünglich wollten die drei jungen Männer mit dem Rucksack durch Vietnam reisen. Nun sitzen sie in der Nähe der südvietnamesischen Metropole Ho Chi Minh City (Saigon) mit mehr als 60 weiteren Touristen fest – voraussichtlich für weitere eineinhalb Wochen bei 34 Grad Celsius, hoher Luftfeuchtigkeit, ohne Klimaanlage. Ein Rückflug ist noch nicht in Sicht.

Wie es dazu kam, erzählt Roth über eine Whatsapp-Verbindung, denn seine derzeitige Unterkunft bietet WLan – zumindest zeitweise. Roth und seine Freunde entschieden sich vor zwei Wochen, die lang geplante Asien-Reise anzutreten. „Wir sind am 11./12. März erst mal geflogen, als die Situation in Deutschland noch überschaubar war. Wir hatten lange darüber nachgedacht, sind von Frankfurt nach Dubai und dann weiter nach Saigon. Wir wollten mit dem Rucksack durchs Land bis nach Hanoi im Norden reisen und dann zurück. Dann überschlugen sich aber die Ereignisse, und  wir beschlossen, früher nach Hause zu fliegen“,  erzählt Roth.

Die Unterkunft im Can Gio Hospital. Foto: Hans-Leon Roth. Foto: TV/Hans-Leon Roth

Und tatsächlich fanden sie noch die Möglichkeit, umzubuchen, auch wenn schon viele Flüge abgesagt waren. Roth: „Wir hatten einen Puffer von zwei Tagen und sind deshalb von Saigon nach Nha Trang gefahren, um die letzten Tage dort am Strand zu verbringen. Unser Rückflug war ja bestätigt.“ Im Grunde genommen hätte nichts mehr passieren können, dachten sich Roth und seine Freunde, die am Tag der Rückreise einen Inlandsflug von Nha Trang in das etwa 500 Kilometer und damit eine Flugstunde entfernte Saigon nahmen.

Die Homepage des Krankenhauses in Vietnam. Foto: TV/Selfie

Aber da wendete sich das Blatt. „Als wir gelandet waren, wurde mein Freund direkt aus dem Flieger von Sicherheitsleuten abgeführt. Alle anderen mussten 20 Minuten sitzen bleiben, erst dann konnten sie das Flugzeug verlassen. Als wir ihn wieder am Flughafen trafen, erzählte er uns, dass bei ihm Fieber gemessen wurde. Die Sicherheitsleute erklärten, dass auf unserem Hinflug von Dubai nach Saigon eine Person mit Covid 19 infiziert war. Diese Info ging dann an die Airline, deshalb wurde er kontrolliert. Wir wurden in blauen Isolieranzügen durch den Flughafen abgeführt. Die Leute sind von uns regelrecht ,weggesprintet’“, sagt Roth. Dann ging es mit Blaulicht in ein Tropen-Hospital in Saigon, wo schließlich alle drei auf Covid 19 getestet wurden. Am nächsten Tag kam das Ergebnis: negativ.

Die Freundesgruppe verpasste damit aber ihre vorläufig letzte Chance, nach Hause zu fliegen. „Wir sagten, dass wir noch am selben Tag einen Flug nach Hause gebucht hatten. Aber der Flug wurde uns verweigert. Wir sollten auf jeden Fall in Quarantäne in eine besondere Einrichtung“, sagt Roth.

Sie wurden daraufhin in ein andere Einrichtung verlegt, die zum Can Gio Hospital gejört, etwa zwei Autostunde außerhalb von Saigon. Die Verhältnisse seien bescheiden, erzählt der junge Reiler. „Wir haben einen Flur für uns, wo nur Touristen sind, wo nur negative Fälle sind. Die Zustände sind relativ bescheiden. Es gibt jeden Tag Reis, morgens, mittags, abends. Das Personal spricht kein Englisch, keine Kommunikation, wir sprechen über eine Whatsapp-Verbindung mit dem stellvertretenden Oberarzt, aber wir haben ihn noch nie zu sehen bekommen. Es ist sehr mühselig, hier Dinge aufzutreiben. Wir haben 41 Meter Flur, um uns zu bewegen. Wir hatten ja Zeit, das abzumessen. Die Einrichtung ist spartanisch: Feldbett, Dusche, WC, ein Fernseher, der nicht funktioniert. Etwa 60 Leute auf dem Flur. Heute kam noch eine weitere Ladung Leute dazu. Ich habe das Gefühl, die sind mit der Situation überfordert“, sagt Roth. Immerhin könne er mit Handy und WLan mit seiner Familie und Freunden in Deutschland in Verbindung bleiben.

Zwar erklärte Deutschlands Außenminister Heiko Maas erst kürzlich, dass im Ausland gestrandete Deutsche mit Extra-Flügen zurückgeholt werden sollen. Aber das gelte, so Roth, nur, wenn es keine regulären Flüge mehr gibt. Die es gibt es allerdings noch. „Aber das sind nur noch Stopover-Flüge, die bis zu 26 Stunden dauern – mit diversen Aufenthalten in Bangkog, Istanbul, Griechenland, Brüssel. Kurze Direktflüge gibt es nur noch in der teuren Business-Klasse“, erklärt er. Zudem ist fraglich, wann die Gruppe überhaupt aus der Quarantäne-Station entlassen wird.

Wie inzwischen die vietnamesische Zeitung Nahn Dhan in ihrer Online-Ausgabe berichtet, hat die Regierung für alle Ausländer, die das Land verlassen wollen, eine Quarantäne angesetzt, die ab dem  Tag der Ankunft in Vietnam gilt. Dies habe das Transportministerium am 17. März so verfügt. Zudem müssen Passagiere ihre Gesundheitszustände erläutern, und die Körpertemperatur wird gemessen. Das meldet auch die vietnamesische Botschaft in Berlin auf ihrer Internetseite. Dort ist zu lesen: „Einreisende, die aus Europa, den USA, China, Südkorea, Iran oder einem Asean-Staat kommen beziehungsweise die sich 14 Tage vor Einreise dort aufgehalten haben, müssen sich einer Quarantäne in einer staatlichen Einrichtung unterziehen.“

Inzwischen hat sich die Mutter von Hans-Leon Roth, Eleonore Roth, an die Europaabgeordnete Katarina Barley gewandt und bittet um die Freilassung der Gruppe – zumal offenbar in dem Gebäude auch ein an Covid-19-Infizierter untergebracht sein soll.

Im Krankenhaus in Can Gio werden derzeit 300 Betten für am Convid-19-Virus erkrankte bereit gestellt, wie das Gesundheitsamt in Saigon meldet. Dieses Krankenhaus soll, so Gesundheitsamtsdirektor Tang Chi Thuong, das Tropen-Krankenhaus in Saigon in der Behandlung von Covid-19-Fällen entlasten. Währenddessen müssen Roth und seine Freunde in einem separaten Gebäude auf diesem Krankenhausgelände mit den übrigen Touristen nun offenbar ihre Quarantäne-Zeit absitzen. Indes läuft die Vietnam-Aufenthaltsgenehmigung der drei Reiler am 10. April ab.