Friedenscamp auf grüner Wiese

Das große, bundesweite Aktionswochenende der Friedensbewegung gegen die am Fliegerhorst Büchel lagernden Atomwaffen wirft seine Schatten voraus: Rund 30 junge Leute aus aller Welt zelten bereits im Vorbereitungscamp auf einer Wiese zwischen Alflen und dem Fliegerhorst.

Büchel/Alflen. Acht kleine Iglu-Zelte, zwei Mannschaftszelte, ein Wohnwagen, vier Mobil-Klos, gelbe Tonnen mit dem Strahlungs-Logo und Transparente wie etwa "Bildung statt Aufrüstung": Das "Workcamp" der Atomwaffengegner auf der Wiese von Bauer Hans-Werner Hillesheim zwischen Alflen und dem Fliegerhorst Büchel nimmt im Vorfeld des bundesweiten Aktionstages am Samstag, 30. August, Gestalt an. Und gestern kam noch ein Bierwagen dazu. Rund 30 junge Leute aus Japan, Russland, Korea, Großbritannien, der Türkei und den USA kampieren bereits in der Eifel, um den Aktionstag gegen die letzten auf deutschem Boden lagernden Atomwaffen mit vorzubereiten, wie etwa die Aktion "Mayors for Peace" - Bürgermeister für den Frieden - die einst von Hiroshimas Bürgermeister ins Leben gerufen wurde und der inzwischen rund 300 Stadtchefs angehören. Dazu gehört etwa der Bürgermeister von Mutlangen, der laut Chef-Organisator Wolfgang Schlupp-Hauck ebenfalls am Montag erwartet wird.

Auch ein Training für gewaltfreie Aktionen steht auf dem Programm der jungen Leute im Alter von 20 bis 25 Jahren. Wie demonstriert man gewaltfrei? Wie wirkt man deeskalierend? Auch ein Straßentheater soll vorbereitet, Großpuppen sollen gebaut werden. Bis zum übernächsten Wochenende sollen es täglich mehr Camper aus Deutschland und aller Welt werden, unter anderem aus Frankreich, Belgien und Dänemark. "Wir erwarten in den kommenden Tagen noch über 200 weitere Workcamp-Teilnehmer", sagt Aktivist Wolfgang Hengster. Der Mannheimer kümmert sich um die Logistik des Lagers auf der Eifelwiese. Heute sollen weitere Zelte aufgebaut werden, erklärt die örtliche Anti-Atomwaffen-Aktivistin Elke Koller aus Leienkaul. Am Samstag, 23. August, soll das große, eigentliche "Aktionscamp" dann offiziell losgehen. Organisiert wird es von den alten Kämpen der Friedensbewegung der "Pressehütte Mutlangen". Anfeindungen? Dumme Sprüche gegenüber den Atomwaffengegnern? "Nein", sagt Elke Koller. "Die Leute sind neugierig und schauen auch mal vorbei. Natürlich gibt es aber auch manche Berührungsängste mit den Friedensaktivisten." Bei den jungen Teilnehmern kommt das Camp bestens an: "Es ist interessant, hier viele neue Dinge zu lernen", sagt Yakako aus Japan. "Ich möchte als Aktivitin von Nukewatch meinen Protest hier fortsetzen", erklärt Sarah aus den USA. Und Hyeyun aus Korea fühlt sich "motiviert, um mich weiter mit Nuklearwaffen zu beschäftigen".

Aber auch die Polizei ist bereits präsent und schaut nach dem Rechten. "Sollte es irgendwelche Übergriffe geben: sofort melden", empfahl einer der Beamten gestern gegenüber Camp-Mitorganisator Carsten Orth. Beamte der Polizeiinspektion Cochem fahren regelmäßig Streife, Kripoleute aus Koblenz passen auf, dass niemand Dummheiten macht - auf allen Seiten. Doch das Verhältnis ist partnerschaftlich und friedlich und natürlich buchstäblich gewaltfrei.

Bio-Bauer Hillesheim steht dazu, den Aktivisten seine Wiese kostenlos zur Verfügung gestellt zu haben, obwohl er im Gemeinderat nach eigenem Bekunden einen "gewissen Druck auszuhalten hatte" und einige "Stammtischsprüche" zu hören bekam. "Ich stehe zum Fliegerhorst Büchel, aber ich persönlich brauche keine Massenvernichtungswaffen", sagt er, hat aber Verständnis für die Menschen, die am Luftwaffenstandort beschäftigt sind.

Über Rüdiger Lancelle von den heimischen Organisatoren hatten die Aktivisten bei ihm angefragt, und er sagte spontan zu.