Frittenduft liegt in der Luft

ÜRZIG. (mü) Innovativ und sparsam zeigt sich Stephan Webering aus Ürzig. Er hat sein Dieselfahrzeug umgerüstet und tankt jetzt reines Pflanzenöl. Damit spart er nicht nur, sondern fährt auch umweltfreundlich.

Der Dieselpreis von derzeit 1,12 Euro je Liter interessiert Stephan Webering aus Ürzig nur am Rande. Er hat seinen 75 PS starken VW Passat Diesel vor einigen Wochen mittels eines Bausatzes umgerüstet und kann nun Pflanzenöl zu 0,75 Euro pro Liter tanken. In seinem Keller steht ein Tausendliterfass mit Pflanzenöl, sein Fahrzeug betankt er mit einer Dieselpumpe. Bei einer jährlichen Fahrleistung von 45 000 Kilometern haben sich seine Kosten von rund 1100 Euro für den Bausatz bald amortisiert. Im Handel werden auch günstigere Umbausätze ab zirka 500 Euro angeboten, geschätzte 2000 Euro hätte er investieren müssen, wenn eine Fachfirma das Fahrzeug umgerüstet hätte. Durch den Kühlkreislauf wird Öl mittels eines Wärmetauschers erhitzt. Eine Manschette um den Kraftstofffilter erhitzt kurzfristig das Öl während der Kaltstartphase. Unter der Motorhaube befinden sich jetzt andere Glühkerzen und Einspritzdüsen, dickere Kraftstoffleitungen, ein zusätzlicher Kraftstofffilter und eine Steuerung für die Vorglühzeiten. Durch die Heizung wird der Kraftstoff vorgewärmt, damit er die benötigte geringere Viskosität (Zähflüssigkeit) hat. Webering tankt reines Salatöl, sein Rapsöl erhält er von einer Ölmühle in Kenn. Da Salatöl ein Lebensmittel der der Wassergefährdungsklasse null ist, braucht er keine Sicherheitsausrüstung. Vor dem Fahrtende wird mit Diesel durchgespült

Webering rät Nachahmern, sich vor dem Einbau zu vergewissern, ob der Diesel mit Ein- oder Zwei-Tanksystem betrieben werden soll. Neuere Motoren sind meist Direkteinspritzer; der Kraftstoff wird direkt in den Brennraum gespritzt. Ältere Modelle mit Wirbel- oder Vorkammermotoren haben neben der Brennkammer noch eine kleine Wirbel- oder Vorkammer, in die der Brennstoff eingespritzt wird. In älteren Wirbel- oder Vorkammermotoren kann das Eintanksystem eingebaut werden. Auch wenn der Motor kalt ist, kann man mit Öl fahren. "Er läuft zwar nicht von Anfang an ganz rund", gibt er zu. "Aber er läuft!" Die neueren Diesel, meist Common Rail oder ähnlich arbeitende Direkteinspritzer, brauchen ein Zweitanksystem. In einem Tank im Radkasten sind kleinere Mengen Diesel. Das Pflanzenöl ist im normalen Tank. Der Diesel wird in den Motor eingespritzt, bis der Motor warm ist. Das Kühlwasser erhitzt das Öl, bis es ausreichend temperiert ist. Das Auto "erkennt" später selbstständig, wann die richtige Temperatur erreicht ist und schaltet automatisch auf Öl um. "Man muss aber annähernd zwei Kilometer vor Ankunft per Knopfdruck mit Diesel die Einspritzanlage durchspülen", sagt der Tüftler. Somit ist bei einem neuerlichen Start Diesel da. Kurze Strecken mit Pflanzenöl lohnen sich nicht und schaden eher dem Auto. Denn das Pflanzenöl kann sich in das Motorenöl eintragen, die Ölwechselintervalle werden dann annähernd halbiert. Zudem kann sich in kaltem Zustand der Kraftstofffilter zusetzen, oder der Kraftstoff geht nicht mehr ordentlich durch. Bis zum Gefrierpunkt springt das Auto relativ gut an. Beim Anlassen liegt ein Duft nach leicht angebratenem frischem Fett in der Luft. Bei geringeren Temperaturen ist für ein Ein-Tanksystem eine Beimischung von fünf bis zehn Prozent Diesel zum Pflanzenöl ratsam. Webering ist zufrieden. Seine Kosten haben sich stark verringert, sein Auto ist umweltfreundlich, und noch dazu fördert er die Umsätze in der Region. Denn der Raps wird hier angebaut, filtriert und gepresst, und "somit verdienen der Bauer und die Ölmühle vor Ort und nicht Mineralölfirmen von irgendwoher", freut sich Webering. Zur Information: Am 26. Januar wird eine Genossenschaft gegründet, eine Öl-Tankstelle soll in Erden installiert werden.