Fronleichnam heute und vor 100 Jahren

Fronleichnam heute und vor 100 Jahren

Die Prozession zu Fronleichnam hat Tradition - auch in Wittlich. Anfang des 20. Jahrhunderts stand sogar ein Gendarm in Paradeuniform als Ordnungshüter bereit.

Wittlich. Der Wittlicher Verleger Georg Fischer (1881 bis 1962) hat eine Serie aufschlussreicher Fotos aus der Zeit des Beginn des 20. Jahrhunderts hinterlassen. Damals wurde das Fest Fronleichnam in feierlicher Prozession noch von der gesamten Stadtbevölkerung begangen. Das Dokument Fischers zeigt den Marktplatz sowie die Neu- und Burgstraße üppig geschmückt. Die Hausfassaden, auch die des noch nicht erweiterten Rathauses, verstecken sich hinter frisch geschlagenen Buchenstämmchen aus dem Stadtwald, den sogenannten "Maien". Fahnen, Blumen und Girlanden ergänzen den reichen Schmuck.
Stadt geschichte(n)


Ein dichtes Spalier festlich gekleideter Frauen erwartet die sich die Neustraße herunter bewegende Prozession. Ein Gendarm in Paradeuniform steht als Ordnungshüter bereit. Umgeben von großen Fichten ist ein Altar vor dem Rathaus aufgebaut.
Hier wird wohl Dechant Friedrich Stein (1858 bis 1920), dessen Grab sich noch heute auf dem Friedhof Burgstraße befindet, mit der Monstranz den vierten und letzten Segen spenden, ehe der Zug um die Mittagszeit durch die Burgstraße zur St.-Markus-Kirche zurückkehrt.
Auf der Treppe des Textilhauses Bender wollen vor allem junge Mütter mit ihren Kindern dem Geschehen möglichst nahe sein. Hocker zur Seite des Altares sollen Honoratioren eine kurze Entspannung ermöglichen.
Übrigens wurde der Segen nicht nur von feierlichem Glockengeläut begleitet, sondern auch vom dumpfen Getöse von fünf "Kaatzekepp" genannten Böllern, die die Gebrüder Hammann mit großer Kunst auf dem Schlossplatz sorgfältig luden und zündeten.
Das Vergleichsfoto von Werner Pelm, 2012 aufgenommen, zeigt zahlreiche Gläubige bei der Fronleichnamsprozession auf dem Wittlicher Marktplatz, aber kaum Fahnen- und Blumenschmuck.
Der damalige Pfarrer Rudolf Halffmann erteilte - umgeben von Messdienern und Kommunionkindern - den Segen nicht vor dem Rathaus, sondern vor dem Hotel Well, wo mittlerweile der Altar aufgebaut wird.
Im Hintergrund halten Mitglieder der Sebastianus-Bruderschaft den "Himmel" genannten Baldachin, unter dem der Priester mit dem Allerheiligsten über eine weitere Station an der Georg-Meistermann-Schule zur Pfarrkirche St. Bernhard schreitet.