Fronten verhärten sich

THALFANG. Der Streit zwischen den Freien Wählern und der SPD in der Verbandsgemeinde (VG) Thalfang spitzt sich zu. Nach dem Nazi-Vergleich von Richard Pestemer in der jüngsten VG-Ratssitzung weigern sich die SPD-Ortsbürgermeister in der Verbandsgemeinde jetzt, sich mit dem Amtskollegen aus Neunkirchen an einen Tisch zu setzen.

Ein- oder zweimal im Jahr lädt Verbandsgemeinde-Bürgermeister Hans-Dieter Dellwo die Ortsbürgermeister zu einer Dienstbesprechung ein. Am heutigen Mittwoch wird die Runde im neuen Bürgerhaus in Thiergarten erheblich kleiner ausfallen als sonst. In einem Offenen Brief kündigen fünf SPD-Ortsbürgermeister und Burkhard Graul als Ortsvorsteher von Bäsch an, sich in der Dienstbesprechung in Thiergarten nicht mit Richard Pestemer an einen Tisch zu setzen. Sie fordern den Neunkirchener Ortsbürgermeister auf, sich für dessen "Entgleisung" in der jüngsten VG-Ratssitzung zu entschuldigen. Zur Erinnerung: In der Ratssitzung hat die FWG einen ebenfalls Offenen Brief an Dellwo verteilt, in dem von "eklatanter Günstlingswirtschaft" die Rede war und der VG-Bürgermeister aufgefordert wurde, sich der Parteien zu "entledigen". Mehrere SPD-Ratsmitglieder zerrissen den Brief. Daraufhin sprach Pestemer, auch Sprecher der FWG im VG-Rat, den Nazi-Vergleich aus. Die sechs Unterzeichner - neben Graul Detlef Haink (Hilscheid), Dietmar Jäger (Heidenburg), Detlef Jochem (Dhronecken), Hermann Klein (Rorodt) und Reinhard Manz (Deuselbach) seien dies - so ist es im Brief zu lesen - auch denen schuldig, die unter den Nazis verfolgt und ermordet wurden. "Viele Sozialdemokraten gehörten dazu." Die Unterzeichner bitten den VG-Bürgermeister um Verständnis und darum, sie anderweitig zu informieren. Auf der Tagesordnung der Dienstbesprechung stehen der Haushaltsplan für das kommende Jahr sowie die Terminierungen für die Haushaltssitzungen der einzelnen Ortsgemeinden. Als "Ungeheuerlichkeit" empfindet Detlef Haink, SPD-Ratsmitglied und Ortsbürgermeister von Hilscheid, nach wie vor den Nazi-Vergleich seines Neunkirchener Kollegen. "Jedem kann einmal etwas rausrutschen, aber nicht so und nicht das." Danach könne die SPD nicht einfach zur Tagesordnung zurückkehren. Und so sei auch keine Zusammenarbeit mehr möglich. "Dafür muss er sich entschuldigen", meint der Kommunalpolitiker, der übrigens wie seine Fraktionskollegen Bettina Brück und Dietmar Jäger zu denen gehört hatte, die den Offenen Brief der FWG zerrissen hatten. "Für den Nazi-Vergleich hat er sich zu entschuldigen", ist auch Jäger überzeugt. Auch andere Vorwürfe müsse man nicht akzeptieren, aber diese Äußerung habe eine andere Qualität. Sein Amtskollege Jochem aus Dhronecken stimmt ihm zu. Die Äußerung Pestemers habe nicht allein an Dietmar Jäger gegolten, sondern habe generell auf die SPD gezielt. Da müssten die Sozialdemokraten Flagge zeigen. Auch für Jochem steht fest, dass Pestemer sich entschuldigen müsse. Keinesfalls wollen die SPD-Ortsbürgermeister laut Jochem mit ihrem Verhalten allerdings Hans-Dieter Dellwo brüskieren, der zur Dienstbesprechung eingeladen hatte. Dellwo selbst, vom TV um eine Stellungnahme gebeten, enthält sich jeglichen Kommentars. Der VG-Bürgermeister macht lediglich darauf aufmerksam, dass er laut Gemeindeordnung die Verpflichtung habe, zu Ortsbürgermeister-Dienstbesprechungen einzuladen. Dem wäre er nachgekommen. Pestemer, der nach eigenen Angaben noch keine Kenntnis von dem Offenen Brief hat, wollte sich, ohne den Inhalt zu kennen, nicht zu den Vorgängen äußern.

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