Frühe Hilfen bei Erziehungsfragen

Frühe Hilfen bei Erziehungsfragen

Bereits zum fünften Mal hat der Landkreis Bernkastel-Wittlich eine "Kinderschutz-Netzwerkkonferenz" organisiert. Themen waren unter anderem das Zusammenarbeiten mit den Eltern und das Verhalten bei Missbrauchsverdacht.

Bernkastel-Kues. Die Kinderstelle des Kreises Bernkastel-Wittlich blickt inzwischen auf fünf Jahre Arbeit zurück. Neue Impulse zur frühen Familienbildung initiiert das Netzwerk Kinderschutz etwa auch mit drei Familienbildungsfachkräften, die im Programm "Kita plus" Ansprechpartner vor Ort sein sollen.
Ein Fallbeispiel aus der Arbeit der Kinderstelle: Lisa (4) ist plötzlich "anders": War sie früher ruhig und zurückgezogen, geht sie jetzt aggressiv auf die Kinder in ihrer Kita-Gruppe los. Die Mutter bringt die Kleine unpünktlich oder gar nicht in die Einrichtung. "In dem Fall würde die Erzieherin zunächst das Gespräch mit den Eltern suchen", erläutert Stephan Rother, Fachbereich Jugend und Familie des Kreises. "In der Regel werden Probleme auf dieser Ebene geregelt. In Härtefällen, wo etwa ein Elternteil das Kind misshandelt oder seine Aufsichtspflicht verletzt, weil es trinkt und nicht mehr in der Lage ist, sich zu kümmern, würde der Kindergarten im Rahmen des Netzwerkes Hilfe anbieten."
Im Jahr 2012 seien es lediglich zehn Fälle gewesen, bei denen Ämter sich offiziell einschalten mussten. "Die meisten Fälle werden von den Kitas mit vernetzten Anlaufstellen wie Beratungsstellen geregelt." Um möglichst frühe Hilfen zu installieren, gibt es nun drei so genannte Familienbildungsfachkräfte in den Schwerpunktregionen Wittlich, Bernkastel-Kues und Traben-Trarbach. Andrea Praum aus dem Bereich Erziehungshilfe, Elena Schuh als Erzieherin und Diplom-Pädagogin Doris Singer-Wendhut sind in den Orten Ansprechpartner für Eltern. Im Rahmen von "Kita plus" stellt das Land hierfür 60 000 Euro zur Verfügung. "Wir setzen darauf, dass eine gute Familienbildung den Kindern guttut. Es ist wichtig, dass Eltern wissen, wie sie sich in unterschiedlichsten Situationen zu verhalten haben und an wen sie sich wenden können." "Aus dem Alltag als Erzieherin weiß ich, dass es oft Sprachbarrieren sind, Probleme mit dem Ausfüllen von Anträgen oder dem Anmelden in der Schule, die viele schon vor unlösbare Aufgaben stellen", so Schuh (Bernkastel-Kues). Doris Singer-Wendhut erarbeitet gerade mit einem Kindergarten in Traben-Trarbach ein Konzept zur Elternbildung. "Wir wollen feste Sprechstunden anbieten und einen Elternkaffee machen." Andrea Praum weiß, dass "es oft die alltäglichen Probleme sind, die viele verunsichern und überfordern." Fragen wie etwa nach einer Trennung: Kann ich das alleine schaffen? Bin ich zu streng, wenn ich auf die Einhaltung der Regeln bestehe? Wie reagiere ich, wenn mein Kind in der Schule abfällt? "Mit Kita plus haben wir die Möglichkeit, schon von klein auf, Kompetenz bei der Erziehung zu vermitteln."
"Das Herzstück des Kinderschutzes sind präventive Maßnahmen", so Maria Bernard, Geschäftsbereichsleiterin. Mit der Broschüre "Kinder", die jetzt in Russisch und Türkisch übersetzt wurde, und mit dem Heft "Familie Aktiv" gebe es zwei gute Ratgeber für Familien.

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