Fünf bei Hellertshausen geplante Windräder werden in Hinzerath mit Sorge betrachtet.

Verkehr : Viel Verkehr für fünf Windräder

Hinter dem Kamm des Idarwaldes will der  Energieversorger EnBW fünf Windräder errichten. Den damit verbundenen Baustellenverkehr betrachtet man in Hinzerath mit großer Sorge.

Bereits seit mehreren Jahren beabsichtigen der Projektentwickler Gaia aus Lambsheim (Pfalz) und der Energieversorger EnBW als Betreiber im sogenannten Vierherrenwald fünf Windräder von bis zu 230 Meter Höhe zu errichten. Der Windpark Vierherrenwald soll entstehen im Kreuzungsbereich der L 162, die von Stipshausen nach Schauren führt, und der sogenannten Gerstenmaierallee, einer Kreisstraße, die oberhalb von Hinzerath von der L 159 in Richtung Hellertshausen abzweigt und dort in die L 162 mündet.

Nach Ansicht von Mitgliedern der Bürgerinitiative Windkraftfreier Idarwald könnte der Bau der weißen Riesen erhebliche Auswirkungen auf den Morbacher Ortsteil Hinzerath haben. Denn die Anfahrt zu den künftigen Standflächen der Anlagen ist nur über die L 162 oder über die Gerstenmaier-Allee möglich. Da die Ortslagen Schauren und Stipshausen den Transport der 70 Meter langen Rotoren nicht zulassen, sollen diese nach den Vorstellungen von Gaia und EnBW aus Richtung Hinzerath her erfolgen. Dafür sollen die überlangen Schwertransporte an der Bahnstation Zoll­eiche von der Hunsrückhöhenstraße abbiegen und von dort aus über einen für diesen Zweck herzurichtenden Waldweg an Hinzerath vorbeigeführt werden.

Am Hinzerather Forsthaus treffen die Schwertransporte auf die L 159, von wo sie dann über die Gerstenmaierallee zu den Baustellen fahren. „Der Waldweg ist rund 2,20 Meter breit und führt durch ein Wasserschutzgebiet“, sagt Wolfgang Löber von der BI Windkraftfreier Idarwald. Unklar ist noch, wie der weitere Baustellenverkehr erfolgen soll. Der Wintricher Burkhardt Kullik, der sich gegen Windkraft in Wäldern engagiert und deshalb bei der BI aktiv ist, glaubt, dass diese Transporte die Ortslage Hinzerath passieren. Die abfahrenden Lastwagen fahren über Stipshausen und den Idarkopf und erreichen bei Hochscheid wieder die Hunsrückhöhenstraße. „Nur so macht das Sinn“, sagt er.

Was sagen die anderen Beteiligten dazu? Der Hinzerather Ortsvorsteher Hermann Moseler ist entsetzt, als er hört, dass der Baustellenverkehr durch die Ortslage Hinzerath erfolgen könnte. „Ich heiße das nicht für gut.“ Derzeit wird die 1,4 Kilometer lange Ortsdurchfahrt für 3,8 Millionen Euro inklusive der Erneuerung der Versorgungsleitungen auf kompletter Länge neu ausgebaut, mit zahlreichen Engstellen zur Verkehrsberuhigung. „Das ist von meiner Seite nicht nachvollziehbar“, sagt er und regt an, auch den Baustellenverkehr über die Zoll­eiche und die Trasse im Wald laufen zu lassen.

In der jüngsten Sitzung des Ortsbeirats im Oktober hatten sich die Mitglieder dafür ausgesprochen, den Schwerverkehr aus ihrem Dorf zu verbannen und einen entsprechenden Antrag beschlossen. Eine Entscheidung darüber liegt noch nicht vor.

Karl-August Piontek, Ortsbürgermeister von Hellertshausen, auf dessen Gemarkung vier der fünf Anlagen gebaut werden, fasst sich kurz: „Keine Auskunft.“ Auf Nachfragen sagt er: „Sie wissen schon fast alles.“

Gerd Womelsdorf, Leiter des Forstamtes Idarwald, erklärt, dass Verträge für die Großtransporte über die Bahnstation Zolleiche bereits abgeschlossen sind.

Silke Haller, Sprecherin der Kreisverwaltung Birkenfeld, die für die Genehmigung der Anlagen zuständig ist, sagt, dass für fünf Anlagen die sogenannte immissionsschutzrechtliche Genehmigung beantragt worden ist, die Unterlagen jedoch noch nicht vollständig eingereicht seien. Im Laufe der Genehmigung würde lediglich die Strecke von der letzten klassifizierten Straße in den Windpark geprüft. Für die Straßentransporte sei eine Genehmigung von der zuständigen Straßenverkehrsbehörde erforderlich, die von den Windkraftprojektierern in der Regel erst nach dem Erhalt der immissionsschutzrechtlichen Genehmigung eingeholt würden.

Jörg Busse, Pressesprecher des Unternehmens EnBW, bestätigt die Transporte über die Zolleiche. „Es werden nicht nur die Flügel, sondern sämtliche Großkomponenten, wie Turmteile oder Gondeln, transportiert“, sagt er. Dafür sei ein geringer Ausbau des befestigten Waldweges notwendig. Da für die Bauausführung vor Ort noch kein Unternehmen beauftragt sei, kann er zum jetzigen Zeitpunkt noch keine Angaben zum Baustellenverkehr machen. Bis Ende des Jahres sollen alle notwendigen Unterlagen für die Genehmigung eingereicht sein. Wegen der langen Genehmigungsdauer rechnet Busse mit einem Baubeginn nicht vor 2021.

Der Morbacher Bürgermeister Andreas Hackethal hat bisher keine Kenntnis von den beabsichtigten Transportwegen für die Windräder, sagt er dem Trierischen Volksfreund. Er steht dem Windkraft-Standort Idarwald aufgrund der sensiblen Fläche mit Wasserschutzgebiet, FFH-Gebiet und einer schutzwürdigen Flora und Fauna kritisch gegenüber.

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