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Fünf Millionen Euro sollen in Morbach bleiben

Fünf Millionen Euro sollen in Morbach bleiben

Der Bau eines Drogeriemarktes der Kette Rossmann rückt ein Stück näher. Der Morbacher Gemeinderat hat der Änderung des Bebauungsplans zugestimmt. Die Ratsmehrheit glaubt, dass dies zusätzliche Kaufkraft bindet. Es gibt aber auch andere Stimmen.

Morbach. Nach dem Morbacher Ortsbeirat hat sich auch der Gemeinderat für die Ansiedlung eines Drogeriemarktes in Morbach ausgesprochen. Die Ratsmitglieder haben die dazu notwendige Änderung des Bebauungsplanes Dhröner Weg mit 24 Ja-, drei Neinstimmen und einer Enthaltung gebilligt. Die Drogeriekette Rossmann hat Interesse an einer Ansiedlung.
Die Verwaltung bezieht sich in auf ein Einzelhandelsgutachten aus dem Jahr 2010. Darin wird darauf hingewiesen, dass jährlich bis zu 57,1 Prozent der Kaufkraft in der Warengruppe Gesundheits- und Körperpflege, und damit bis zu 4,67 Millionen Euro, zu Anbietern außerhalb von Morbach abfließen.
Seitdem seien weitere Flächen durch die Schlecker-Insolvenz weggefallen. Wegen des hohen Kaufkraftabflusses ergebe sich eindeutig Handlungsbedarf, da eine hohe Kaufkraftbindung gerade bei Sortimenten des täglichen und kurzfristigen Bedarfs für ein Grundzentrum von besonderer Bedeutung sei, heißt es.
"Wir haben nichts gegen einen solchen Markt, aber wir haben was dagegen, dass der nach draußen kommt", sagt das FDP-Ratsmitglied Kurt Müllers, gleichzeitig Mitglied im Vorstand des Morbacher Gewerbe- und Verkehrsvereins. Die Frequenz im Ortszentrum sei rückläufig, der neue Markt ziehe die Kunden noch mehr heraus. Müllers: "Ich bezweifle, dass der Ortskern künftig noch seiner Versorgungsfunktion gerecht wird."
Bürgermeister Andreas Hackethal (CDU) bestätigt, dass er von Sorgen gehört habe, die nicht von der Hand zu weisen seien. Doch wer wegen der Drogerie komme, besorge auch andere Sachen in Morbach, sagt er. "Wir wollen keine Schwerpunktverlagerung", sagt der Bürgermeister.
Deshalb sollen ortskernrelevante Sortimente im Zentrum bleiben. Lediglich Sortimente, die relevant für die Nahversorgung sind wie Nahrungs- und Genussmittel, Gesundheits- und Körperpflege sowie Blumen und Waren des zoologischen Bedarfes sollen am Ortsrand behutsam ausgebaut werden.
Theo Wagner von der SPD sagt, seine Fraktion nehme die Bedenken ernst, doch "die Leute wünschen den Markt." Er will nicht darüber urteilen, ob ein Drogeriemarkt am Ortsrand die Geschäfte im Zentrum beeinträchtigt.
Hugo Bader (Freie Wähler) lehnt den Drogeriemarkt wegen Bedenken für die Entwicklung des Morbacher Ortskerns ab. Uwe Andretta (Bündnis 90/Die Grünen) schaut auf eine ähnliche Diskussion vor einigen Jahren zurück: "Bei der Lidl-Ansiedlung habe ich die negativen Auswirkungen auf den Ortskern schon vorhergesehen."
Rainer Stablo von der Linken fordert Konsequenzen aus der Diskussion: "Ein Städtebaukonzept muss her."