Fünf Tote auf dem Hahn: Alles nur Übung

Fünf Tote auf dem Hahn: Alles nur Übung

Platzwunden, blutige Knochenbrüche, Feuer: Auf dem Flughafen Hahn haben 500 Einsatzkräfte einen schweren Flugunfall simuliert. Größte Herausforderung war die Abstimmung der Einsatzkräfte untereinander, und das hat gut geklappt.

Flughafen Hahn. Eine Schreckensmeldung für den Flughafen Frankfurt-Hahn, die hoffentlich niemals Realität werden wird: Ein Flugzeug verunglückt, es gibt fünf Tote und von den 68 Passagieren und vier Besatzungsmitgliedern werden zahlreiche verletzt. Gott sei dank nur eine Übung.
500 Einsatzkräfte simulierten am Samstag den Ernstfall auf dem Hunsrück-Flughafen. Dabei stand vor allem das Zusammenwirken der verschiedenen Einheiten auf dem Prüfstand, Patientendokumentation und -registrierung und nicht zuletzt die Öffentlichkeitsarbeit. Die Internationale Zivile Luftfahrtorganisation (ICAO) schreibt alle zwei Jahre eine solche Übung vor. Die Flughafengesellschaft und der Rhein-Hunsrück-Kreis haben das Einsatzkonzept "Flugunfall Flughafen Frankfurt-Hahn" gemeinsam erarbeitet.
72 Menschen an Bord


Die Ausgangslage: Um 11.45 Uhr bricht bei einer Boeing 757-200 während der Landung das Bugrad, die Maschine schießt über die Landebahn hinaus, bricht auseinander und fängt Feuer. 72 Menschen sind an Bord, darunter vier Besatzungsmitglieder. Es gibt fünf Tote und viele Verletzte.
Und denen gilt das Hauptaugenmerk bei der Übung. Als äußerst realistische Statisten spielen Frauen und Männer von der Landespolizeischule ihre Rollen als traumatisierte, schwer verletzte und verwirrte Passagiere. Authentisch geschminkt weisen die Verletzten Platzwunden am Kopf, blutige Knochenbrüche und schwere Brandwunden auf. Unter dem Flugzeug lehnen die Verletzten am Fahrwerk, liegen auf dem Vorfeld und schreien um Hilfe. Auch aus dem Inneren des Flugzeugs dringen Hilferufe und Schmerzensschreie ins Freie.
Zunächst machen sich die Einsatzkräfte ein Bild von den Patienten und entscheiden, wer so schnell wie möglich in ärztliche Behandlung muss. Mit schwerem Atemschutz rücken Feuerwehrleute in die Flugzeugkabine vor und bergen Passagiere. Abseits des Flugzeugs warten die schweren und leichten Fälle auf Tragen auf ihren Abtransport in den Behandlungsbereich.
"Patient Numero zehn, männlich, circa 45 Jahre alt, Luftnot, Kreislauf stabil, keine weiteren Verletzungen erkennbar, Sauerstofftherapie, Triagekategorie rot", lauten die knappen und präzisen Kommandos des leitenden Notarztes Andreas Betzholz. Er arbeitet im Akkord: "Patient elf, weiblich, Kreislauf stabil, Verletzung rechte Gesichtshälfte, Triagekategorie gelb", befiehlt Betzholz. Er teilt die Verletzten in Kategorien ein.
Rot bedeutet Behandlung vor Ort, noch vor dem Abtransport ins Krankenhaus. Gelb: sofort mit dem Hubschrauber in die Klinik, wie zum Beispiel bei Brandverletzungen.
Übungsziel erreicht


Empfanden die Beobachter das Ganze draußen an der Maschine noch wie eine Inszenierung, so packt sie der schwitzende und unter Dampf stehende Notarzt sowie die beklemmende Atmosphäre in der Halle der Flughafenfeuerwehr mit 30 mobilen Behandlungsplätzen nun doch. Gut, dass alles nur eine Übung ist. Und die gelingt. "Übungsziel erreicht", meldet der technische Einsatzleiter, der Kreisfeuerwehrinspektor des Rhein-Hunsrück-Kreises, Stefan Bohnenberger. In den nächsten Wochen wird noch analysiert, was zu verbessern ist. "Nichts Gravierendes", sagt er.
Die Herausforderung bei 500 Einsatzkräften nahezu sämtlicher Hilfseinheiten aus Rheinland-Pfalz war die enge Abstimmung untereinander. Landrat Bertram Fleck, verantwortlicher Gesamtleiter, zieht ebenfalls ein positives Fazit: "Ich habe einen Riesenrespekt vor dem Ausbildungsstand der Einsatzkräfte, von denen ja viele ehrenamtlich tätig sind."
Christoph Semmelrogge, Polizeidirektor und Leiter des Führungsstabs beim Polizeipräsidium Koblenz, ist ebenfalls zufrieden mit dem Ablauf, dennoch: "Die Abstimmung zwischen den Einsatzkräften muss regelmäßig herbeigeführt werden."

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