Fünfeinhalb Jahre Bauzeit

Wann wird Trarbach zur Großbaustelle? Diese Frage ist derzeit noch nicht zu beantworten. Das hängt davon ab, ob die Anwohner mitziehen. Läuft alles wie geplant, beginnt die Sanierung der Schottstraße noch 2015. Danach folgen weitere Straßen. Es kann aber auch noch mehrere Jahre dauern.

Traben-Trarbach. Kompromiss: Dieses Wort benutzt Edeltrud Bayer, Leiterin des Landesbetriebs Mobilität (LBM) Trier, immer wieder an diesem Abend. Normalerweise nehme sie an solchen Informationsveranstaltungen nicht teil, sagt sie. "Doch das hier ist ein spannendes Thema und keine gewöhnliche Ortsdurchfahrt", erläutert sie den etwa 180 Zuhörern in der Lorettahalle. Den Bewohnern des Stadtteils Trarbach stehen fünfeinhalb Jahre voller Lärm, Engpässe, Sperrungen, Umleitungen und Staub ins Haus. Fest steht: Zuerst wird die Schottstraße saniert (einschließlich Erneuerung der Versorgungsleitungen unter der Erde). Danach kommt die L 187 (Moselstraße, Grabenstraße und die diversen Verbindungen) im Stadtkern dran.
Die spannende Frage lautet: Wann geht es los? Stimmen alle 150 Anlieger der Schottstraße zu, kann noch in diesem Jahr begonnen werden. Denn dann muss das aufwendige und bürokratische Planfeststellungsverfahren, bei dem diverse Behörden ihre Stellungnahmen abgeben, nicht in Gang gesetzt werden. Gibt es diese Einigung nicht, wird sich, so Bayer, der Baubeginn um mindestens eineinhalb Jahre verzögern. Sollte es zudem noch eine gerichtliche Auseinandersetzung geben, könne ein weiteres Jahr ins Land ziehen. Ganz wichtig: Die Arbeiten an der L 187 können nicht vorgezogen werden, rücken also mit nach hinten.
Noch zwei Monate Zeit


Die bisherigen Versuche, alle Schottstraßen-Anlieger auf die Seite zu bekommen, blieben ohne den erhofften Erfolg. "Für den letzten Versuch bleiben jetzt noch zwei Monate", sagt Bayer. Dem Vernehmen nach gibt es Geschäftsleute, die Einbußen befürchten und deshalb ihre Zustimmung verweigern.
Zur Vorgeschichte: Die Planungen, die Straßen im eng bebauten Stadtteil Trarbach zu sanieren, laufen seit 2008. Durch die Gründung der Bürgerinitiative (BI) Lebenswertes Trarbach sind sie noch ein Stück mehr in die Öffentlichkeit gerückt. Die BI tritt unter anderem für weniger Schwerverkehr und mehr freie Flächen ein. Letztere sollen durch den Abriss maroder Gebäude geschaffen werden. Um es auf einen Nenner zu bringen: Die Lebensqualität soll steigen.
Egal wann die Arbeiten beginnen: Die 600 Meter lange Schottstraße zwischen Rathaus und Stadtausgang soll in vier Bauabschnitten saniert werden, für die 930 Meter der L 187 sind sogar acht Phasen geplant. Pausen im Winter und Sommer sind vorgesehen.
Die reinen Straßenbauarbeiten kosten etwa 1,7 Millionen Euro. Die Summen für die Erneuerung der Versorgungsleitungen sowie die Gehwege, an denen auch die Bürger beteiligt sind, stehen noch nicht fest. Während die Schottstraße komplett zu sein wird, wird an der anderen Großbaustelle der Verkehr über die freien Straßen beziehungsweise im Gegenverkehr fließen.
Sie wisse, dass ein Loch oder ein Bagger vor dem Haus keine Begeisterung hervorrufe, sagt Edeltrud Bayer. Wer drei Autos habe, wolle drei Parkplätze, wer zu Fuß unterwegs sei, wolle breite Gehwege. Es gehe aber nur über Kompromisse. Bayer: "Das ist eine große Chance für Trarbach. Es geht aber nicht ohne Beeinträchtigung, und es braucht Geduld. Dafür werbe ich."
Parkplätze sind Dauerthema


Unmut gibt es nur, als Bayer die Zahl der Lastwagen nennt, die pro Tag durchschnittlich über die Schottstraße rollen. 67 (Fahrzeuge insgesamt 2167). Die Bürger glauben, dass es mehr sind und dazu auch viele gehören, die den Stadtteil nicht als Zielort haben. Wie nicht anders zu erwarten, wird auch von den Bürgern mehrfach das Parkproblem angesprochen. Wenn weitere Stellplätze wegfallen, zum Beispiel in der Schottstraße und in der Moselstraße, werde sich die Situation verschärfen, auch für die auf Kurzparker angewiesenen Geschäftsleute, heißt es. "Dann haben wir schöne Straßen, aber verkommene Häuser", befürchtet Brigitte Mildenberger.
Keiner in der Halle weiß allerdings, wie viele offizielle Parkplätze es in Trarbach gibt. Die Zahl soll nun ermittelt werden. Nach Auskunft von Edeltrud Bayer gibt es Pläne, auf dem Gelände unterhalb der Enkircher Straße 85 Plätze anzulegen, die auch für das Anwohnerparken genutzt werden können.
Auch Peter Storck befürchtet Unannehmlichkeiten durch wegfallende Parkplätze. Doch für ihn ist klar: "Wir müssen diese Chance nutzen. Es ist unsere einzige Chance. Wir werden auch diese Zeit überstehen." Sven Weinmann sieht es ähnlich: "Wir überaltern", sagt er. Deshalb müsse etwas getan werden. "Auch wenn es fünfeinhalb Jahre dauert."Meinung

Bürger studieren die in der Lorettahalle aufgehängten Ausbaupläne. TV-Foto: Klaus Kimmling.

Auf den Fluch folgt oft Segen
Die Trarbacher sollten sich nichts vormachen. Wann auch immer es losgeht: Es wird keine schöne Zeit. Sie werden die Baustellen und die Arbeiter mehr als einmal verfluchen, im Sommer viel Staub schlucken und über die Parkplatzsuche verzweifeln. Der 80 Jahre alte Senior und seine Frau werden sagen: Das brauchen wir nicht mehr. Doch was ist mit den jungen Leuten, von denen es auch noch einige geben soll, und denjenigen, die mitten im Leben stehen? Manche von ihnen befürchten, dass es ganz schnell fünf nach zwölf ist. Es gibt keine Garantie für einen Aufschwung. Wer die Entwicklung sieht, erkennt aber, dass der Niedergang unaufhaltsam ist, wenn nichts passiert. c.beckmann@volksfreund.de

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