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Für die Kirmes ist kein Weg zu weit

Für die Kirmes ist kein Weg zu weit

Viele einstige Wittlicher kommen zumindest einmal im Jahr zurück in ihre Heimatstadt: Man trifft sich mit alten Freunden auf der Säubrennerkirmes. Für Karin Brand-Picard, die mit Ehemann Jean-Jacques fast 40 Jahre in Paris lebte, war dies eine Selbstverständlichkeit. Ebenso für ihre beiden Söhne. Der Älteste reist sogar aus Kanada an.

Wittlich. Fast sah es so aus, dass ein jahrzehntelang gepflegter Brauch zu Ende geht. Seit seiner Geburt besucht Olivier Picard jedes Jahr die Säubrennerkirmes. Doch diesmal stand es auf der Kippe. Denn seit einem Jahr lebt der 50-Jährige in Kanada. "Naja, das wird diesmal wohl nichts", war sich bis vor Kurzem seine Mutter Karin Brand-Picard sicher.30 Stunden in Wittlich


Doch am Montag dieser Woche dann ein Anruf aus Montreal. Olivier Picard kündigte seinen Eltern an: "Ich komme." Gestern Abend ist er in Paris gelandet, heute macht er sich mit dem Auto, begleitet von einem Freund, auf den Weg nach Wittlich. Nur 30 Stunden kann er bleiben. Am Sonntag geht's wieder über den Atlantik zurück nach Kanada. Seine Mutter sagt: "Eigentlich ist er ein bisschen verrückt. Aber ich finde das gut."
Sie erinnert sich, als Olivier noch ein kleiner Junge war. Damals habe er schon geschworen: Ich werde in meinem Leben niemals eine Säubrennerkirmes auslassen.
Karin Brand hat 1962 - natürlich auf der Kirmes - ihren Mann Jean-Jacques kennengelernt. Er leistete seinerzeit in Wittlich seinen Militärdienst ab. 1965 war die Hochzeit, im gleichen Jahr zog das Paar nach Paris. Dort lebten beide bis 2003 - unweit vom Eiffelturm.Ein Sohn kommt etwas später


In all den Jahren versäumten sie nicht einmal die Kirmes, auch Sohn Olivier nicht, als er längst in Paris eine eigene Wohnung bezogen hatte. Der jüngere Sohn Sacha, hat es nicht in jedem Jahr geschafft. Auch diesmal kann er nicht pünktlich kommen, dafür aber eine Woche später.
Was zieht einen aus der Ferne jedes Jahr zur Wittlicher Kirmes? "Es war das elterliche Haus in der Altstadt und das Wiedersehen mit meinen beiden Schwestern, was mich nach Wittlich gezogen hat", sagt Karin Brand-Picard. Und sie hat festgestellt: "Erst wenn man die Heimat verlässt, merkt man, wie schön sie ist. Wittlich - auf der einen Seite die Eifel, auf der anderen die Mosel, das ist doch toll."