Für Moore und gegen einen Ferienpark an der Baldenau

Für Moore und gegen einen Ferienpark an der Baldenau

Sein Engagement für die Moore im Forstbezirk Hinzerath hat die 27-jährige Amtszeit von Förster Hans-Jörg Dröschel geprägt. Jetzt ist der 64-Jährige, der auch in der Morbacher Politik aktiv war, in den Ruhestand verabschiedet worden.

Hinzerath. 2000 Hektar Wald zwischen dem Grauen Kreuz bei Hinzerath und dem Erbeskopf mit vielen Moorbrüchern: Das war das Revier des Hinzerather Försters Hans-Jörg Dröschel. Nach 27 Jahren hat er sich jetzt in den Ruhestand begeben. Sein bisheriger Wirkungskreis wird zwischen vier angrenzenden Forstrevieren aufgeteilt.
"Ich habe mich in meinem Revier viel für den Naturschutz und die Moore eingesetzt", sagt der scheidende Förster zum Schwerpunkt seiner Arbeit. Denn gerade das 740 Hektar große Waldstück zwischen Hinzerath und dem Freizeitzentrum Idarwald sei mit seiner Menge an Mooren etwas Besonderes. Insgesamt 25 Quellmoore, die im Hunsrück Brücher genannt werden, seien ober- und unterhalb des sogenannten Hinüberwegs zu finden, sagt er. Dort seien seltene Pflanzen wie die Moosbeere und der Sonnentau zu Hause. Auch seltene Tiere wie der Moosbeerenscheckenfalter leben dort. 1985 sei dort ein Naturschutzgebiet installiert worden. Dröschel hat 1989 dieses Revier übernommen und die Brücher wieder renaturiert. "Die Menschen hatten früher nichts von Mooren und diese deshalb trockengelegt", sagt er. Die Wiederherstellung der Moore sei Dröschel ein besonderes Anliegen gewesen, sagt Forstdirektor Gerd Womelsdorf, Leiter des Forstamtes Idarwald.
Vorausdenkender Revierleiter


Das Naturschutzgebiet weise deutlich die ökologische Handschrift des "vorausdenkenden Forstmannes" auf, sagt Womelsdorf. Unter Dröschels Revierleitung seien zahlreiche Bruchwälder ökologisch aufgewertet worden. Der Forstamtsleiter nennt als weitere Merkmale des scheidenden Försters dessen "offenes, warmherziges und freundliches Wesen".
Die Stürme Vivian und Wiebke, die zu Beginn von Dröschels Zeit in Hinzerath aufgetreten waren, haben zur Renaturierung der Brücher erheblich beigetragen, sagt Dröschel. Denn die starken Stürme hätten in den Randbereichen der Moore die Fichten umgeworfen. Dabei seien diese Standorte für die Nadelbäume wegen des nassen Untergrundes ungeeignet gewesen. Sowieso habe sich die Zusammensetzung des Waldes geändert. 1989 habe der Fichtenanteil des Waldes noch bei 80 Prozent gelegen. "Jetzt ist er unter 60 Prozent", sagt der bisherige Förster.
Als Dröschel vor 27 Jahren das Revier in Hinzerath übernommen hatte, begann er gleichzeitig, sich politisch zu betätigen. Zwei Legislaturperioden saß er für die politische Gruppierung Lebendige Demokratie im Morbacher Gemeinderat. Der Anlass waren die damaligen Pläne, an der Burgruine Baldenau einen Ferienpark zu bauen. Doch Dröschel engagierte sich dagegen. "Das hätte auch Auswirkungen auf die Naturschutzgebiete gehabt", sagt er. Zudem hat sich seine Gruppierung damals mit einer Unterschriftenaktion gegen den Bau eines neuen Rathauses in der Birkenfelder Straße gewehrt. Von Haus zu Haus sei man gegangen, 5000 Menschen hätten damals unterschrieben. "Heute hätte ich für so etwas nicht mehr die Kraft" sagt der 64-Jährige.
Doch habe er aus dieser Zeit zwei Lehren gezogen. Zum einen müsse man am Ball bleiben, dann könne man mit harter Arbeit etwas erreichen. "Es muss keiner sagen, da kann man nichts machen", sagt er. Zudem: Wenn man gegen etwas sei, müsse man sagen, was man stattdessen machen wolle, so wie bei der Energielandschaft Morbach, wo er sich als vermeintlicher "grüner Spinner", wie Dröschel selbst sagt, für alternative Energien ausgesprochen habe.
Was will der Vater von zwei Kindern, der mit seiner Frau weiter im Hinzerather Forsthaus wohnen wird, denn künftig machen? Gesundheit und Fitness erhalten, vielleicht noch mal einen veritablen 3000er-Berg in den Alpen besteigen und mit seiner Frau auf dem Motorrad verreisen, sagt Dröschel. Zudem will er mehr Zeit mit seinen beiden Enkelkindern verbringen.

Mehr von Volksfreund