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Für Moselfischer sind Artenschutz und ein gesundes Ökosystem existenziell

Natur : Ohne Nachhaltigkeit gibt es keine Fischerei an der Mosel

Für Moselfischer wie den Familienbetrieb Weber, der zwischen Wintrich und Detzem fischt, sind Artenschutz und ein gesundes Ökosystem von existenzieller Bedeutung.

  Die Gelegenheit, Berufsfischern an der Mosel  bei ihrer Arbeit zuzuschauen, bietet sich relativ selten. So etwa dann, wenn sie ihre Reusen im Fluss absetzen oder sie später samt den darin gefangenen Fischen heben. An der Mittelmosel sind das eher ungewohnte Bilder. Dabei wird entlang des Flusses wie eh und je Fischerei betrieben, wofür Berufsfischer Gewässerabschnitte, jeweils von Schleuse zu Schleuse, pachten.

 Pächter des Flussabschnitts zwischen Wintrich und Detzem ist die Fischerei Weber aus Butzweiler, Kreis Trier-Saarburg. Der Familienbetrieb beliefert Restaurants mit fangfrischem und geräuchertem Fisch und bietet einen Partyservice an. Thomas Weber, Moselfischer und Fischwirtschaftsmeister, plant zudem für nächstes Jahr die Eröffnung des Fischrestaurants „Zum Moselfischer“ in Trittenheim. Über das Leader-Programm der Europäischen Union wurden dafür 50 000 Euro Förderung bewilligt (der TV berichtete). Denn Gäste sollen dort nicht nur Fisch wie Wels, Lachs oder Forellen essen können. Sie werden nebenbei auch Wissenswertes über die Fischerei und die Arbeit eines Moselfischers erfahren.

 So will Weber beispielsweise ein Fischessen mit dem Titel „Ein Tag mit dem Moselfischer“ als Abschluss von  Erlebnistouren anbieten . Teilnehmer sollen dann auf Booten mit ihm rausfahren und selbst mit anpacken, Netze stellen und Reusen heben können.

Der Familienbetrieb hat etwa 130 Reusen mit einer Länge von 600 Metern ausliegen. Und die müssen beim Heben gegen die Strömung gezogen werden, eine anstrengende Arbeit. Auch dafür will Weber sensibilisieren, seit er Teile des Betriebs 2017 von seinem Vater Hans-Joachim übernahm. Denn er entschied sich damals ganz bewusst dafür, sein Studium zugunsten des Familienunternehmens, in dem er ab nächstem Jahr auch ausbilden will, abzubrechen.  Vor allem aber geht es ihm darum, mit Missverständnissen aufzuräumen. So etwa in Bezug aufs Elektrofischen, einer Fangmethode, bei der Fische leicht betäubt werden. Sie unterliegt strengen Vorschriften. Denn sie birgt bei nicht fachgerechter Anwendung Gefahren – für die Fische wie für den Fischer. „Man muss schon wissen, was man macht“, betont Weber.  Oft verkannt wird aber auch, dass Fischer schon aus Eigeninteresse konsequent auf Nachhaltigkeit setzen. Die „Hege und Pflege“ des Ökosystems steht für sie nicht nur ganz oben an, sondern sie ist von existenzieller Bedeutung. Arten, die andere zu verdrängen drohen, müssen beispielsweise ebenso im Blick behalten werden  wie die Blaualge, die sich auch an der Mosel auszubreiten beginnt. Darüber hinaus setzt sich der Fischereibetrieb seit Jahren für Artenschutzprojekte ein.

Die vor 25 Jahren gestartete Aalschutzinitiative Mosel, dank der gefangene Aale lebend im Rhein ausgesetzt werden, und ein Artenschutzprojekt in Luxemburg sind dafür nur zwei Beispiele. Dennoch hatte Weber schon lange keine Barben mehr im Netz. Und abgesehen von Schwarzmeergrundeln seien auch andere Grundeln und Hechte selten geworden. Das führt er das auf Schleusen und Kanäle, aber auch auf Umwelteinflüsse und klimatische Veränderungen zurück.