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Für Pilzsammler bleibt der große Genuss aus

Daun/Kradenbach : Für Pilzsammler bleibt der große Genuss aus

Es ist kalt und nass geworden. Was die einen sich den Sommer zurückwünschen lässt, bringt die Augen von Pilzfreunden zum Leuchten – die Saison hat begonnen.

Der trockene Sommer ist vorbei, mittlerweile regnet es auch wieder. Perfektes Pilzwetter. Bei den herbstlichen Temperaturen sprießen die verschiedensten Arten aus dem Waldboden. Höchste Zeit also für Pilzfreunde, in die Natur zu gehen und sich ans Sammeln zu machen – bevor der erste Frost kommt. Und wie läuft die Saison bis jetzt? Kann man zurzeit seine liebsten Speisepilze im Wald finden? Fragen, die Klaus Rödder, Leiter der Arbeitsgemeinschaft für Pilzkunde Vulkaneifel, beantworten kann.

Er scheint nicht zufrieden mit der diesjährigen Speisepilz-Beute: „Es ist durchwachsen und das kann lokal sehr unterschiedlich ausfallen. Aber hier gibt es dieses Jahr nur wenig Speisepilze.“ Woran genau das liegt, kann er nicht sagen. Doch die vergangenen drei trockenen Sommer und die Veränderung des Klimas hätten sicherlich auch mit reingespielt, vermutet der leidenschaftliche Pilzsammler. Es komme auf den Blickwinkel an, wie man die diesjährige Saison bewerten möchte. „Wenn man sich die Pilze allgemein anschaut, ist die Anzahl der unterschiedlichen Arten schon riesig. Aber für die Küche ist das meiste nicht geeignet.“ Denn: Nicht alles, was nicht giftig ist, schmeckt auch.Wie im vergangenen Jahr auch nimmt Rödder den TV mit auf einen seiner Rundgänge und gibt auch Tipps für Sammelanfänger. Zum Beispiel diesen: „Man sollte stets nur das sammeln, was man auch wirklich kennt und bestimmen kann. Manch einer überschätzt sich da“, weiß Rödder, der sich schon seit seiner Jugend für Pilze interessiert, aus Erfahrung.

Auf dem gemeinsamen Streifzug zeigt Rödder verschiedene Pilzarten, doch nur selten kommt einer mit in den Korb. Der erste Pilz ist der kahle Krempling. Er sei eigentlich wohlschmeckend und früher viel gegessen worden, doch habe man entdeckt, dass er langfristig  zu Allergien und sogar zu einer Hämolyse führen kann.

Kurze Zeit später findet er einen Goldröhrling, der stets in der Nähe einer Lärche wächst. Dieser sei zwar glitschig, doch ein guter Speisepilz. Man sollte die schmierige Haut des Hutes bereits im Wald abziehen.

Außerdem findet Rödder einen Pilz, der seinem Namen aller Ehre macht und nach Knoblauch duftet. „Das ist der langstielige Knoblauchschwindling. Doch den kann man trotz des Geruchs nicht essen. Weder vom Geruch noch vom Aussehen lässt sich auf die Essbarkeit schließen“, so der begeisterte Pilzfreund.

Rödder sichtet einen weiteren beliebten Speisepilz – das Stockschwämmchen. Doch hier muss er eine Warnung aussprechen: „Es gibt eine giftige Verwechslungsart, den Gifthäubling. Der wächst mit dem Stockschwämmchen zusammen und man sollte daher jeden Pilz einzeln betrachten.“ Die beiden Arten unterscheiden sich durch den Stiel. Während die giftige Variante einen hell gefaserten Stiel besitzt, erkennt man am Stockschwämmchen einen schuppigen Stiel. Doch die Hüte der Pilze seien fast identisch.

Ganz zum Schluss entdeckt Rödder noch im Gras versteckt den bekannten Pfifferling. Dieser hat ebenfalls eine Verwechslungsart, den falschen Pfifferling. Den könne man theoretisch auch essen, doch sei er kein ausgesprochener Speisepilz. Unterscheiden könne man die beiden Sorten durch die Unterseite des Hutes. Der Pfifferling besitzt dort Leisten, die wie Adern verlaufen. „Wenn man den Pilz umdreht, kann man ihn eindeutig bestimmen!“

Unkundigen rät Rödder, sich einem Pilzverein anzuschließen oder sich bei der deutschen Gesellschaft für Mykologie zu informieren. Er rät Anfängern: „Keine  kleinen weißen oder braunen Pilze mitnehmen. „Die lassen sich nur schwer bestimmen.“ Sein Tipp: „Einfach stehenlassen!“

Die Mitglieder der Arbeitsgemeinschaft für Pilzkunde Vulkaneifel gehen jeden dritten Samstag im Monat auf Exkursion. Zudem bieten sie Seminare an, wo Anfänger viel zum Thema lernen können. „Im Zweifelsfall sollte man einen Pilzsachverständigen kontaktieren“, meint Rödder. Dieser könne dann anhand von Fotos versuchen, den Pilz zu identifizieren. „Aber ich darf keine Essensfreigabe geben, nur wenn ich den Pilz selbst in der Hand hatte. Ich kann jedoch warnen, wenn der Pilz auf jeden Fall giftig ist.“ Bei Fotos sei es wichtig, jedes Merkmal des Pilzes auf der Kamera festzuhalten.

Auffallend sei, dass die Exkursionen in diesem Jahr mehr nachgefragt werden als in den Jahren zuvor. Das liege wohl an Corona, da die Menschen mehr im Freien unterwegs seien.

Wie lange die Saison noch dauert, kann Rödder pauschal nicht sagen. „Das kommt auf die Witterung, Feuchtigkeit und Wärme an. Es kann noch bis spät ins Jahr gehen, bis sich der erste Frost bildet. Eigentlich kann man das ganze Jahr über Pilze finden.“