"Für Überraschungen immer gut"

WITTLICH. (gel) Er ist 51 Jahre alt, studierte Sozialwissenschaft und betreibt einen Einkaufs- und Bringdienst in Wittlich. Seit Sonntag ist Bernhard Hilgers Direktkandidat für die WASG im Bundestagswahlkreis 204, zu dem die Kreise Bitburg-Prüm, Daun und der Altkreis Wittlich gehören. Gewählt wurde er aber nicht von der WASG, sondern von der PDS.

WASG und PDS wollen sich zusammenschließen. Das hat aber in der Kürze der Zeit bis zur Bundestagswahl am 18. September nicht mehr geklappt. Und da zur Wahl nur eine der beiden Parteien antreten kann, hat man sich auf die PDS geeinigt, die unter dem Namen Linkspartei in den Wahlkampf zieht. Diese Vereinbarung führt dazu, dass die WASG-Kandidaten, ob auf den Landeslisten oder als Direktkandidaten, nur von PDS-Mitgliedern gewählt werden können. Im Wahlkreis 204 hat die WASG, erklärte der Kreisvorsitzende Hans Werner Jung, 45 Mitglieder, die PDS aber nach eigenen Angaben etwa fünf. Das führte am Sonntag zu der kuriosen Situation, dass unter 17 Anwesenden - davon acht von der PDS und neun von der WASG - nur drei PDS-Mitglieder den Direktkandidaten wählen durften. Denn nur sie hatten ihren ersten Wohnsitz im Wahlkreis 204. Zur Wahl stellten sich Andrea Emonts, WASG-Vorsitzende des Kreisverbands Bitburg-Prüm, Bernhard Hilgers, Kassierer im WASG-Kreisverband Bernkastel-Wittlich, und Mark-Bernhard Gleißner von der PDS aus Gerolstein. Im zweiten Wahlgang setzte sich Hilgers gegen Emonts durch. Wahlleiter war Albert Schtschepik, PDS-Kreisverbandsvorsitzender aus Trier. Bernhard Hilgers ist seit etwa einem Jahr Mitglied der WASG. Elf Jahre war er in der SPD. Als Schröder seine Regierungserklärung zur Agenda 2010 abgab, trat er aus. Als nationales Thema für die anstehende Wahl hat er sich die Stärkung der Sozialversicherung auf die Fahnen geschrieben. "Die Anzahl derer, die aufgenommen werden, soll um Politiker und Freiberufler erweitert werden, um so die Beiträge gering zu halten." Vor Ort will er "den Kriegsflughafen Spangdahlem in ein Konversionsprojekt überführen und so Arbeitsplätze für Menschen aus der Region schaffen". "Wir können im Wahlkreis 204 zwischen 6800 und 10 000 Erststimmen für den Direktkandidaten ziehen", sagt Hans Werner Jung, Vorsitzender des WASG-Kreisverbands Bernkastel-Wittlich. Dazu müsse allerdings flächendeckend ein intensiver Wahlkampf betrieben werden, sagte er. Bernhard Hilgers tritt im Wahlkreis 204 gegen prominente Kandidaten wie Elke Leonhard (SPD) oder Peter Rauen (CDU) an. Wie will er da bestehen? "Es wird schwierig, aber für Überraschungen sind wir immer gut."

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