Fusion mit ungewissem Ausgang

Die Kirche schnallt den Gürtel enger. Weniger Priester und weniger Gottesdienste gehören auch im Kreis Bernkastel-Wittlich zu den Folgen. Gleichzeitig müssen die Geistlichen den Menschen die Angst vor den Veränderungen nehmen.

Bernkastel-Wittlich. Die Kirche kommt den Kommunen zuvor: Bevor sich die politische Landkarte ändert, hat sie schon lange Nägel mit Köpfen gemacht. Gestern haben sich die Grenzen innerhalb des Bistums Trier verschoben - es gibt nur noch halb so viele pastorale Einheiten wie zuvor. Im Dekanat Wittlich werden 45 300 Katholiken in sechs statt zuvor 14 Pfarreiengemeinschaften (PG) betreut. 36 842 Katholiken leben im Dekanat Bernkastel, das nun aus sechs statt zwölf pastoralen Einheiten besteht.
Thalfang ist mit 150 Quadratkilometern die größte PG im Kreis Bernkastel-Wittlich, Neumagen-Piesport mit 51 Quadratkilometern die kleinste. Blickt man auf die Anzahl der Gläubigen, ist Wittlich mit 13 585 Katholiken die größte Einheit, gefolgt von Bernkastel-Kues mit 9356.
Das Zusammenwachsen hat aber bereits vor Jahren begonnen: Die PG Morbach gibt es seit 2007, die PG Mittlere Mosel seit 2008, Monzelfeld, Alftal und "Rechts und links der Mosel" seit 2009. Einen Namen hat sie noch nicht, da der künftige Dienstsitz noch nicht feststeht. Eine der vielen offene Fragen, die noch im Raum stehen.
Vor allem für die PG, die gestern sozusagen ihren Geburtstag hatten: Manderscheid, Wittlich, Landscheid, Neumagen-Piesport und Salmtal. In letzterer wurden die pastoralen Einheiten Klausen, Salmtal/Heckenmünster, Hetzerath/Sehlem/Rivenich und das Heckenland und damit 10 100 Katholiken zusammengefasst. Erst seit Mai ist dort das Team um die Pfarrer Patrick Ringhausen (Hetzerath), Albert Seul (Klausen) und Johannes Jaax (Dreis), die Diakone Klemens Hofer und Hans-Josef Schäfer sowie Gemeindereferentin Beate von Wiecki-Wiertz komplett. "Wir haben das Beste rausgeholt", sagt Ringhausen mit Blick auf das Personal und die Verhandlungen mit Trier - drei statt bislang vier Pfarrer für zehn Pfarrkirchen. Wie genau es jetzt weitergeht, wissen sie noch nicht.
Noch sind es mit Erich Fuchs weiterhin vier Pfarrer, doch er wechselt im November von Salmtal nach Burgbrohl. In Salmtal und Heckenmünster werden daher wahrscheinlich die drei Pastöre abwechselnd Messen halten, denn ihre Dienstsitze wollen sie nicht aufgeben. "Wir müssen die Kräfte bündeln und notfalls auf Gottesdienste verzichten", erklärt Ringhausen. Gleichzeitig gelte es, den Menschen die Ängste vor den Reformen zu nehmen, die ja auch eine Konsequenz des demografischen Wandels seien. Immerhin gibt es noch vier Ruhestandspfarrer, die aushelfen.
Eine weitere Änderung: Die Zahlungen des Bistums aus der Kirchensteuer fließen nicht mehr direkt in die Pfarreien, sondern das zentrale Gremium, der Kirchengemeindeverband, bestimmt über deren Verwendung. "Innerhalb von vier oder fünf Jahren wird unser Etat so um ein Viertel gekürzt", sagt Jaax.
Eine spürbare Folge ist auch die Bündelung der Feiern der ersten heiligen Kommunion: Künftig erhalten die Kinder aus mehreren Orten zusammen das Sakrament. "Unsere Pakete werden groß", sagt Ringhausen. "Aber wir haben nicht viel Spielraum. Wir müssen diesen Weg gehen." Der Start der neuen Pfarreiengemeinschaften wird in den kommenden Tagen vielerorts gefeiert. Eine feierliche Messe beginnt am Sonntag, 4. September, um 14.30 Uhr in der Pfarrkirche St. Martin Salmrohr, wo Ex-Dechant Rudolf Halffmann das Pastoralteam vorstellt. Danach gibt es einen Umtrunk im Bürgerhaus. In Wittlich starten die Feierlichkeiten am Samstag, 3. September, um 15 Uhr in St. Bernhard mit einer Andacht, um 17.30 Uhr ist der Gottesdienst. Die Pfarreiengemeinschaft Manderscheid feiert am Sonntag, 18. September, um 14.30 Uhr in der Lebensbaumkirche in Manderscheid einen Festgottesdienst und anschließend ein Fest der Begegnung. Am gleichen Tag feiert die PG Landscheid ab 10 Uhr einen Gottesdienst in Großlittgen. Die PG Bernkastel-Kues besteht ebenso wie Thalfang für eine Übergangsfrist von maximal drei Jahren aus je zwei seelsorgerischen Räumen, stellen finanziell aber einen Kirchengemeindeverband dar. uq