Fusion rückt in greifbare Nähe

ZELL. (pie) Die Generalversammlung der Raiffeisenbank Zeller Land war auch Stimmungsbarometer für die geplante Verschmelzung. Hat ein Stimmungswandel für die Fusion eingesetzt? Diesen Eindruck konnte man bei der Generalversammlung der Raiffeisenbank Zeller Land gewinnen. Unter den 320 Mitgliedern gab es keinen ernst zu nehmenden Widerstand gegen eine Verschmelzung mit der Raiffeisenbank Bernkastel-Wittlich.

Nach dem Debakel im September 2002, als die Mitglieder die Fusion platzen ließen, hat der Vorstand viel Überzeugungsarbeit geleistet. Und er hat, was noch wichtiger ist, viele Ängste genommen. Die 74 Mitarbeiter haben eine Arbeitsplatzgarantie bis Ende 2006. "Alle stehen jetzt geschlossen hinter der Fusion", so Vorstandssprecher Walter Hoff. Und die Mitglieder? "Wir haben gelernt, dass wir gegen ihre Interesse keine Fusion machen können", gestand Hoff Fehler ein. "Wir haben Sie überfordert mit unserem Vorhaben." Doch er machte auch klar, dass der Vorstand bei seiner Linie bleibt. Im Klartext: Die Raiffeisenbank Zeller Land muss fusionieren, um mittel- und langfristig konkurrenzfähig bleiben zu können. Eine Mindestbilanzsumme von 500 Millionen Euro im Jahr gilt unter Experten als Maßstab für eine zukunftsfähige Bank. Die erreicht die Raiba Zeller Land (2003: 187 Millionen Euro Bilanzsumme) nur gemeinsam mit den Kollegen aus Bernkastel-Wittlich (382 Millionen Euro). "Die Gründe für eine Fusion sind nicht neu. Synergie-Effekte nutzen, heißt die Devise. Durch das Zusammenlegen von Verwaltungsabteilungen wie Planung und Controlling, Bilanzerstellung oder Marketing kann effizienter, sprich kostengünstiger gearbeitet werden. Gleichzeitig sollen Beratung, Betreuung und andere Dienstleistungen intensiviert werden. "Bis dahin gehen uns Tag für Tag gute Geschäfte verloren", mahnte Walter Hoff eindringlich, und fügte hinzu: "Noch sprechen wir ins gleicher Augenhöhe mit unserem Fusionspartner." Das bestätigte auch Manfred Günter, Vorstandsprecher der Raiffeisenbank Bernkastel-Wittlich: " Es ist eine Fusion unter Gleichen." Sitz der neuen Raiffeisenbank Mittelmosel wird Wittlich sein. Dem Vorstand werden fünf Mitglieder angehören, darunter Walter Hoff und Peter-Josef Götten (Raiba Zeller Land). Sie wird 214 Mitarbeiter und 16 522 Mitglieder haben und insgesamt 33 Geschäftsstellen unterhalten. "Unabhängig von einer Fusion" (Hoff) werden die Filialen in Neef, St. Aldegund, Merl, Kaimt, Pünderich, Löffelscheid und Mittelstrimmig zum 31. Dezember 2004 geschlossen. Betriebswirtschaftliche Gründe sprächen dafür.Abstimmung am 21. Juni

"Kundennähe trotz Rückzug aus der Fläche zu verwirklichen, wird die große Herausforderung der Bank sein. Das bleibt ein zentraler Erfolgsfaktor", machte Herbert Kranz, ehemaliger Verbandsdirektor und Urgestein im Bankgeschäft, deutlich. Und was sagten die Kritiker der Fusion? Sie meldeten sich eher verhalten zu Wort. Hans-Joachim Mons aus Bullay kündigte allerdings an, dass er am 21. Juni "ausgiebig" diskutieren will. Dann müssen die Mitglieder in einer außerordentlichen Generalversammlung erneut über die Fusion abstimmen.

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