Gänseblümchen und Heavy Metal

Mona Lisa lächelt von der Hauswand eines Einfamilienhauses in Landscheid-Niederkail. Die Ikone großer Kunst verrät Entscheidendes über den Mann, der sie in Öl kopiert und am Treppenaufgang platziert hat: Michael Heck ist Kunstmaler, Bewunderer der Alten Meister und versteht sich auf Porträtmalerei.

Landscheid-Niederkail. Erst vor drei Jahren hat der 47-jährige gelernte Autoschlosser zur Malerei gefunden und sein Talent entdeckt. In der kurzen Zeit hat er so viel technisches Geschick erworben, dass er die Alten Meister kopieren kann, ohne dass der Laie einen Unterschied erkennt.
Sein Haus ist seine Galerie. Wer seinen Blick umherschweifen lässt, fängt die verschiedensten Stilrichtungen und Motive auf den Bildern ein, die die Wände schmücken. Stillleben, fotografisch genaue Tierporträts, Blumenbilder, impressionistische Naturszenerien, romantische Landschaften, poppige Porträts, moderne Akte, Bildnisse aus der altniederländischen Malerei.
Optimistischer Melancholiker


Die Farben sind warm, erdig, gedeckt. Michael Heck malt Gegenständliches in Öl, in der Regel naturalistisch, detailverliebt. Am liebsten sind ihm Indianer. Die Porträts sind besonders dunkel gehalten und haben alle eins gemeinsam: die Melancholie.
Sie steckt auch in ihm selber. Bevor Heck vom Maurerberuf zur Malerei fand, zwang ihn eine chronische Erkrankung in die Arbeitslosigkeit. Nach 25 Jahren auf dem Bau war er plötzlich Hausmann. Sein Selbstwertgefühl sank, erzählt er. Bis er sein Talent entdeckte. Drei Jahre lang besuchte Heck die Malschule von Rolf Hölter in Monzelfeld, wurde sein bester Schüler und fand seinen Weg zur naturalistischen Malerei in Öl. 2008 machte er sich als freischaffender Künstler selbstständig. Seitdem nimmt er Auftragsarbeiten an. Meist sind es Landschaften und Porträts.
Nun steht er an einem Wendepunkt, der Loslösung von Vorlagen, die er abmalt. "Ich bin jetzt so weit in meiner Technik gereift, dass ich umsetzen kann, was mir selber als Bild im Geist vorschwebt." Der Prozess steht noch am Anfang. Aber Heck merkt, dass die ständige Rückversicherung der handwerklichen Korrektheit im Malprozess langsam der Intuition, dem Gefühl und der Inspiration Platz macht.
"Wenn ich mein fertiges Werk betrachte, bin ich glücklich." Sein Können gibt ihm Zuversicht und innere Stärke. Sogar seine Schmerzen vergisst er, wenn er malt. Sieben bis acht Stunden arbeitet er täglich, dabei hört er Heavy Metal, auch wenn er Gänseblümchen malt. Heck ist ein Mann der Widersprüche. Ein "optimistischer Melancholiker", dem es guttut, traurige Bilder zu malen.
Kontakt: Michael Heck, Gustenmännchen 3, 54526 Landscheid-Niederkail, Telefon: 06575/1529, E-Mail: info@mickheck.de, Homepage: www.mickheck.de Atelierbesuche täglich nach telefonischer Vereinbarung möglich. Diesjährige Ausstellungen: Wittlich, Galerie im Alten Bahnhof; Brauneberg, Höfefest; Stadtpark Wittlich, Kunst an Hecken und Zäunen; Manderscheid, Kurhaus Vom 10 bis 11. September stellt Michael Heck zur 800-Jahrfeier in Niederkail aus und bei den Kulturtagen der VG Wittlich-Land in Rivenich vom 4. bis 11. November. sys