Gang durch die Heimat

MORBACH. (red) Vor 60 Jahren verstarb der Kunstmaler Wilhelm Terwei im Alter von 71 Jahren. Sein Enkel Wilhelm Gellenberg ist noch immer auf der Suche nach Gemälden und Zeichnungen.

Wilhelm Terwei stammte aus Letmathe in Westfalen, hatte eine Lehre als Kirchenmaler gemacht und sich an der Kunstakademie Dresden als Kunstmaler bei Professor Carl Bantzer weiter ausbilden lassen. Anfang des 20. Jahrhunderts kam er auf den Hunsrück zur Bildhauerwerkstatt Mettler in Morbach, wo er rasch Fuß fasste und heimisch wurde. Nach dem Ersten Weltkrieg trat er als freischaffender Künstler auf. Am 11. Juni 1946 starb Terwei. Als 1993 erstmals der umfangreicher Katalog "Wilhelm Terwei 1875-1946, Leben und Werk" mit Informationen zu Leben und Werk mit Abbildungen zahlreicher Werke veröffentlicht wurde, hielt das Werkverzeichnis 470 Arbeiten des Künstlers aus einem halben Jahrhundert künstlerischer Tätigkeit fest. Unter den Abbildungen sind Zeichnungen und Porträts, Studien und Gemälde aus den Jahren 1899 bis 1946, darunter beispielsweise das genau 100 Jahre alte Ölgemäde vom Morbacher Markt (1906). Terweis Werk ist ein Gang durch Heimat und Geschichte. Landschaftsbilder zeigen Mosel und Hunsrück in verschiedenen Jahreszeiten in bunter Vielfalt und Farbenpracht. Zahlreiche Ortsansichten der Region, Gemälde, die die die Landwirtschaft zum Thema haben oder die in Morbach lange praktizierte Tabakindustrie, Mühlen, Kapellen und Heiligenhäuschen, Burgruinen und Fachwerkbauten sowie Bilder vom Bau der Hunsrückhöhentraße und der Arbeit im Weinberg ergänzen das Werk. Stillleben, Porträts und Selbstportraits runden das Bild eines vielseitigen Künstlers ab. Überhaupt ist offensichtlich, dass Terwei sich traute, Gesichter zu malen - Gesichter von Kindern und jungen Menschen, aber auch Menschen mit Falten des Alters oder der Alltagssorgen - wie den "Millionär" von 1923, der die vielen Millionen auf dem Höhepunkt der Inflation zählt, wohl wissend, dass ihr Wert täglich, ja stündlich, sinkt. Noch beute steht Terweis Wohnhaus in Morbach in der Bahnhofstraße, wo er mit seiner Frau Maria und zwei Töchtern wohnte. Dort wohnt auch heute noch die jüngere Tochter, Felicitas Gellenberg. Vor 60 Jahren starb Terwei mitten im Schaffensprozess, wovon die letzte Abbildung im Katalog, die unvollendete und daher nicht signierte "Kirche in Hinzerath", kündet. Seit der Herausgabe des Kataloges sind weitere Gemälde vom unermüdlich suchenden Enkel des Malers, Wilhelm Gellenberg, erfasst worden. Dieser wünscht sich sehr, dass eine Ausstellung von Werken Terweis in naher Zukunft realisiert werden kann. Die Suche nach weiteren, bisher nicht erfassten Gemälden und Zeichnungen jedenfalls geht weiter. Es wäre nach Ansicht von Gellenberg schade, wenn so ansprechende Arbeiten wie die erst 2005 wieder aufgetauchten "Kornkästen" von 1916 im Verborgenen blieben.

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