Ganz frei und doch geborgen

Ernst J. Fischer war Arzt aus Überzeugung, Forschungsreisender in Südamerika und organisierte Ausstellungen über vorkolumbianische Medizin. Doch vor alledem war er Kind in Wittlich. In der Stadtbücherei las er am Freitag aus seiner Autobiografie "Im Zeitraffer".

Urgesteine unter sich: Autor Ernst J. Fischer (rechts) überreicht seinem Zeitgenossen, Wittlichs Ehrenbürger Willi Schrot, sein Buch „Im Zeitraffer“. TV-Foto: Christian Kraus

Wittlich. (chk) "Im Grunde waren die Wittlicher Jahre meine Flegeljahre", sagt Ernst J. Fischer rückblickend. Dass der feine Herr mit schlohweißem Haar und Rotary-Abzeichen am Revers mal ein richtiger "Flegel" gewesen sein soll, ist eigentlich nur schwer vorstellbar. Der Begriff verliert denn auch merklich an Schärfe, je länger er aus seinen autobiografischen Anekdoten vorliest. Und das nicht nur wegen seiner Vorliebe für feierliche Formulierungen, die immer wieder hörbar wird. Sondern vor allem weil Fischers Flegeleien nicht annähernd so boshaft waren wie etwa die Streiche der Musterlausbuben Max und Moritz.Mit sechs Schwestern in der Theatergruppe

Als Sohn des in Wittlich ansässigen Verlegers Georg Fischer wuchs der 1919 geborene Ernst mit Wilhelm Busch und Thomas Mann genauso auf wie mit den vom Vater unter die Leute gebrachten Werken Clara Viebigs. Gemeinsam mit seinen sechs Schwestern war er in der familiären Theatergruppe schon früh Spielmeister der eigenen kindlichen Fantasie. Wenn die "EMGEBIA" auftrat, strömten die Kinder der benachbarten Anwesen ins Fischer-Haus in der Marienstraße.Gut 5000 Einwohner zählte die Stadt Wittlich in den 20er- und 30er-Jahren. "Damals gab es in der Koblenzer Straße noch zwei Bauernhöfe.Eishockey-Partien auf der zugefrorenen Lieser

Und von unserem Haus blickten wir auf weite Felder", erinnert sich Fischer. Von den Eishockey-Partien auf der zugefrorenen Lieser und den Flugexperimenten mit selbstgebauten Modellen zehrte er vor allem während seiner Internatsjahre und der fremdbestimmten Soldatenzeit.Um seine Schwester und ein paar alte Freunde zu sehen, ist der seit knapp 50 Jahren in Geldern lebende Fischer noch zweimal im Jahr zu Besuch in Wittlich.Wer das im Selbstverlag erschienene Buch erwerben möchte, kann sich an die Stadtbücherei Wittlich wenden oder anrufen unter der Telefonnummer 06571/27036.