Ganz im Zeichen von St. Martin

DREIS. Martinskirmes in Dreis: Das bedeutete wie stets reges Markttreiben rund um die Kirche des Ortes. Höhepunkt der diesjährigen Kirmes war das Kinder-Musical "Jericho", das der Jugendchor aufführte.

Strahlender Sonnenschein lud am Wochenende mehr als nur die Einheimischen selbst zu einem Bummel über den traditionellen Martinsmarkt ein. Ein breit gefächertes Angebot an alter Handwerkskunst verlockte zum genaueren Hinsehen, und sicherlich auch zu den ersten Weihnachtseinkäufen. Zwischen Holz- und Töpferware, Dinkel- und Kirschkernkissen, selbst gestrickten Socken und herbstlichen Gestecken fanden sich auch solche, die bereits mit kleinen Putten und Christbaumkugeln vom anstehenden Fest kündeten. Gedränge herrschte im Schulgebäude gleich neben dem Kinderkarussell: Hier konnten selbst gebaute Weihnachtskrippen besichtigt werden. Viele Besucher fotografierten die Ställe aus Holz, Steinen und Stroh oder die zur Grotte umfunktionierten Baumwurzeln, die als Kulisse für eine kleine heilige Familie dienten. Anregungen für die Krippe unter dem eigenen Christbaum fanden sich reichlich. Kirche platzte aus allen Nähten

Mehr als 500 Zuschauer hatten bereits am Freitag die dritte Aufführung des Dreiser Martinsspiels verfolgt. Besonders still wurde es, als Martin - der zudem Schutzpatron der Gemeinde Dreis ist - seinen Mantel mit dem Schwert teilte und ihn gegen alle Ratschläge seines Knappen Sabo dem Bettler um die Schultern legte. Bis vor die Tore Jerichos entführte der Dreiser Jugendchor am Sonntag seine Zuhörer. Die Kirche St. Martin platzte aus allen Nähten: Jeder sicherte sich einen möglichst guten Platz, um Söhne und Töchter, Enkel, Nichten und Neffen genau im Blick zu haben. 29 junge Menschen zwischen sechs und 15 Jahren hatten wochenlang das Kinder-Mini-Musical "Jericho" eingeprobt. "Gar nicht so einfach, wenn man bedenkt, dass wir zwischendurch noch einen Familiengottesdienst zu betreuen hatten", meinte Chorleiter Michael Burg nach der gelungenen Aufführung, als er wieder entspannter sein konnte. Auch seien die präsentierten Gesangsstücke "gar nicht so ohne" gewesen: Teilweise hätten die Sänger ganz respektable Höhen und Tiefen bewältigen müssen. Er sei in der glücklichen Lage, an die über viele Jahre vorbildliche Jugendarbeit des verstorbenen Heinz Thieltges anknüpfen zu können, der in der gesamten Gemeinde Dreis die Lust am Singen gesät habe. St. Martin persönlich kam in die Kirche und teilte nach der Aufführung seine Brezeln im Altarraum aus. Die zehnjährige Franziska Loos, Darstellerin des Anführers der israelitischen Armee Josua, gestand mit noch immer vor Lampenfieber geröteten Wangen: "Doch, ich würde noch einmal diese Rolle übernehmen." Ebenso reagierten Vanessa Thieltges, 7, die als Priester mit langem Gewand, Turban und Bart überzeugte, und der achtjährige Dominik Kreisberg, einer von drei Soldaten im Stück. Farbenprächtiges Bühnenbild

Pastor Holschbach sprach nach dem Musical "vom zweifellosen Höhepunkt unserer diesjährigen Kirmes", und auch Bürgermeister Paul Lütticken brachte seine Bewunderung für die Arbeit des Jugendchores der Pfarrei zum Ausdruck. Der besondere Dank Beider ging an Guido Hansen, der binnen kürzester Zeit für ein herrliches Bühnenbild gesorgt hatte: Hinter dem Chor erhob sich die farbenprächtige Ansicht des alten Jericho.