Ganzer Ort wird Freilichtbühne

KLÜSSERATH. Eine jahrhundertealte Tradition hat das Passionsspiel in vorösterlicher Zeit. Meist werden die aus dem Neuen Testament bekannten Szenen im Saal oder in einer Kirche nachgestellt. Selten ist das Passionsspiel als große Aufführung unter freiem Himmel, etwa in seiner bekanntesten Fassung im Südtiroler Erl. Inzwischen hat sich auch die Mittelmoselgemeinde Klüsserath in die Reihe der Aufführungsorte eingereiht – in diesem Jahr zum dritten Mal seit 2000.

Trotz kühlen Wetters waren am Sonntag über 1000 Besucher gekommen, um das Leiden und Sterben Jesu - eindrucksvoll dargestellt von Hermann Lex - fühlend nachzuvollziehen. Für ein authentisches Erleben der biblischen Geschichte sorgten über 150 Darsteller. Der musikalische Part lag beim Passionschor - einem eigens aus mehreren Kirchenchören zusammengestellten Klangkörper. Noch weitaus mehr Zuschauer erhofft der "Arbeitskreis Passionsspiel" der Pfarrgemeinde Rosenkönigin Klüsserath am kommenden Palmsonntag, wenn sich die etwa zweistündige Inszenierung erneut von der Pfarrkirche aus auf den Weg durch den 1300 Jahre alten Winzerort macht. Seit Monaten haben die Darsteller einmal wöchentlich für die zwei Aufführungen geprobt. Die Kostüme schneiderten die Frauen vom Klüsserather Paramentenverein, und um die Technik und den Aufbau der über den Ort verteilten Bühnen sorgen sich nochmals rund 70 Helfer. Akteure und Helfer kommen nicht nur aus dem Aufführungsort, sondern auch aus den Nachbardörfern. Bereits die Generalprobe fand vor großem einheimischem Publikum statt. Zum letzten Mal Gelegenheit für die künstlerische Leitung, der Aufführung den letzten Feinschliff zu geben. Passionsspiel - das bedeutet in den Augen der Aufführenden: Den Gläubigen Schmerz und Qual der Folter Jesu, seine Demütigung und den Kreuzestod nachempfindbar zu machen. Auch das Empfinden seiner Mutter, der Verwandten und Freunde muss nachvollziehbar werden. Die Idee kam bei einem Krippenspiel

Ein hoher Anspruch, der ein einfühlsames Herangehen an das Thema erfordert. Dies ist Aufgabe des Regieteams, zusammengesetzt aus Michael Friedrich, Achim Durwen und "Hauptdarsteller" Hermann Lex. Eine besondere Bedeutung kommt dabei Michael Friedrich zu - er ist der Verfasser des im Jahr 2000 erstmals aufgeführten Passionsspiels. Doch wie kam Klüsserath zu einem eigenen großen Passionsspiel? Dazu Heinz Thielen vom Arbeitskreis "Passionsspiel": "Nach einem weihnachtlichen Krippenspiel des Klüsserather Krippenbauvereins wurde über ähnliche Aufführungen zu anderen Anlässen nachgedacht." Zur 1300-Jahr-Feier des Ortes sei dann nach der Idee des Historikers Michael Friedrich ein Stück zur Entstehungsgeschichte Klüsseraths einstudiert und aufgeführt worden. "Und so kam der Gedanke an ein Passionsspiel in der Vorosterzeit", sagt Thielen, der den Hohenpriester Kaiphas mimt. Willi Rock vom Arbeitskreis erinnert an das unerwartete Publikumsinteresse in den Jahren 2000 und 2003. Rund 2000 Besucher kamen nach Klüsserath - auch aus der Schweiz, Luxemburg, Belgien und Holland. Das Klüsserather Passionsspiel habe sich inzwischen "herumgesprochen". Die Wirkung auf das Publikum umreißt Johannes-Darsteller Michael Merten: "Die meisten kommen als Zuschauer und gehen als Mitwirkende. Sie sind zum Volk Jerusalems geworden, da s vor 2000 Jahren diesen Leidensweg begleitete." Die nächste Aufführung ist am Palmsonntag, 20. März. Beginn ist um 15 Uhr mit der Abendmahlsszene in der Pfarrkirche. Das Passionsspiel findet bei jedem Wetter statt - bei Regen bitte keine störenden Schirme, sondern wetterfeste Kleidung mitbringen. Während der Szenen bitte nicht fotografieren. Der Eintritt ist frei - um eine Spende für die Pfarrkirche wird gebeten.