Gasleitung führt künftig unter der Mosel durch

Gasleitung führt künftig unter der Mosel durch

Seit vielen Jahren läuft die Debatte über Versorgung von Bernkastel mit Gas. Im kommenden Jahr soll es endlich so weit sein: Der Stadtteil wird ans Gasnetz angeschlossen. Besitzer von Privat- und Geschäftshäusern müssen sich aber noch gedulden.

Bernkastel-Kues. Die Zeichen für das Gas stehen auf Grün: Im kommenden Jahr soll Bernkastel an das Gasnetz der Stadtwerke Trier (SWT) in Kues angeschlossen werden. Das Gas soll von dort aus durch einen sogenannten Düker (siehe Extra), also einer Unterführung unter der Mosel, in die Stadt geleitet werden.
Stephanie Ludwig von der SWT bestätigte entsprechende Verhandlungen zwischen SWT, Stadt und Verbandsgemeinde (VG) Bernkastel-Kues. Wenn es zu einer Einigung kommt, wird die Bernkasteler Seite 2013 in der Höhe der Gemeindeverwaltung an das Netz in Kues angeschlossen, sagt Ludwig.
Die Rohrleitung unter der Mosel werde etwa 170 000 Euro kosten. Die Kosten teilen sich Stadt, VG und SWT. Der Hauptausschuss der Stadt hat bereits entschieden, dass sich die Stadt an der Investition mit 35 105 Euro beteiligt. Auch der Stadtrat sagt Ja zur Gasversorgung. Die Verbandsgemeinde gibt nach Auskunft von Leo Wächter, erster Beigeordneter der VG, etwa 50 000 Euro dazu.
In der Vergangenheit war bereits mehrfach ausgelotet worden, ob Bernkastel an das Gasnetz angeschlossen werden kann, berichtet Heiner Nilles, Büroleiter der VG. Doch waren der Stadt seinerzeit die Kosten für den Anschluss Bernkastels, die auf 500 000 Mark geschätzt worden waren, zu hoch.
Verbandsgemeinde zahlt mit



Jetzt ist die VG als zusätzlicher Finanzier mit im Boot. Grund ist die anstehende Sanierung der Gemeindeverwaltung im kommenden Jahr. Nachdem alle Möglichkeiten untersucht worden sind, wie das Gebäude künftig geheizt werden soll, habe sich Gas schließlich als wirtschaftlichste Alternative herausgestellt. Öl sei wegen der hochwassergefährdeten Keller problematisch, erklärt Nilles.
Vorläufig ist nur der Anschluss des Verwaltungsgebäudes an das Gasnetz vorgesehen, sagt Ludwig. "Eine Erweiterung erfolgt nur dort, wo sie wirtschaftlich darstellbar ist." Grundsätzlich sei die weitere Erschließung des Stadtteils Bernkastel aufgrund der Topographie und der teilweise hochwertigen Oberflächen - also vor allem des Kopfsteinpflasters - technisch anspruchsvoll und teuer.
Anlieger sind interessiert


Für die Anschlussleitungen könnten aber statt der gepflasterten Straßen bestehende Durchlässe in der Stadt wie der Tiefenbach genutzt werden, sagt Büroleiter Nilles. "Dort können wir Leitungen verlegen, ohne die Straßen aufzureißen." Wenn der Parkplatz umgestaltet wird, könnte gleichzeitig die bestehende Gasleitung vom VG-Gebäude bis an den Tiefenbach verlängert werden.
"Die Möglichkeiten sind gut, aber es dauert", sagt Nilles. Wächter sieht darin ein Infrastrukturvorhaben für die hochwassergefährdete Stadt. Zwölf Hausbesitzer, darunter Eigentümer von gastronomischen Betrieben, die ihr Gebäude energetisch sanieren wollen, hätten bereits Interesse signalisiert.
Anliegerversammlung geplant


Wenn die SWT die Kosten für den einzelnen Anschlussnehmer berechnet haben, sollen die Bernkasteler Bürger auf einer Einwohnerversammlung informiert werden, sagt Wächter. Ein Termin stehe noch nicht fest.
Einer der Interessenten ist Wolfgang Pastor, Beigeordneter der Stadt. Auch sein Haus befindet sich im Hochwassergebiet. Trotzdem ist weiter Geduld gefragt.Extra

Ein Düker ist eine unterirdisch verlegte Leitung, bei der Flüssigkeit durchfließen kann, ohne dass Pumpen eingesetzt werden. Dabei macht man sich das Prinzip zunutze, wonach sich Flüssigkeiten in Röhren, die miteinander verbunden sind, stets auf das gleiche Niveau einpegeln. Fließt auf einer Seite neue Flüssigkeit hinzu, so erreicht sie auf der anderen Seite das gleiche Höhenniveau und kann von dort weitergeleitet werden. cst

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