Gastronomie, Jagdschule, Waffengeschäft: Target World

Target World Landscheid : Gastronomie, Jagdschule und Waffengeschäft: Target World in Landscheid wächst

Die Target World GmbH will auf dem Gelände des Schießstandes in Landscheid Gebäude abreißen und mehr als fünf Millionen Euro investieren.

Eine gespenstische Atmosphäre wie ein Geisterdorf strahlt das Gelände des Schießstandes in Landscheid aus. Um die seit Jahren leerstehenden Gebäude wie die Tennishalle und das ehemalige Gourmetrestaurant „Le Cristal“ sprießt das Unkraut. Das Moos auf dem Parkplatz wie auch die verwitterte Fassade lassen erkennen, dass hier schon lange kein reger Betrieb mehr herrscht und die letzte Tennispartie, die dort gespielt wurde,  schon Jahre zurückliegen muss. „Das Gourmetrestaurant hat vor 16 Jahren geschlossen, die Tennishalle vor etwa sechs Jahren“, erklärt Ortsbürgermeister Ewald Heck und ergänzt: „Der große Tennisboom zu Zeiten von Boris Becker und Steffi Graf ist lange vorbei.“

Konjunktur hingegen hat in Landscheid seit Jahren der Schießsport. Die Target World GmbH, die das Gelände samt Schießstand und Gebäuden vor drei Jahren gekauft hat, will die Bauruinen deshalb nun plattmachen und nach dem Abbruch dort 2019 neue Ideen verwirklichen. Der Ortsgemeinderat hat dazu am Donnerstagabend mit einem Aufstellungsbeschluss zur Änderung des Bebauungsplans grünes Licht gegeben.

Wie Bernd Bahr, Geschäftsführer der Target World Landscheid erklärt, will das Unternehmen mit dem Projekt mehr als fünf Millionen Euro in Landscheid investieren und damit auf dem Schießstand 15 bis 20 Arbeitsplätze schaffen. Auf dem 8000 Quadratmeter großen Baufenster sollen gleich mehrere Projekte umgesetzt werden, die mehr oder weniger mit der Jagd zusammenhängen. Doch von den Investitionen sollen nicht nur Jäger und Sportschützen, sondern auch die Bürger von  Landscheid und der umliegenden Ort­schaften profitieren, wie Bahr und Heck sagen.

Restaurant Gutbürgerliche und regionale Küche sowie Wildbret sollen die Gäste eines Restaurants mit 60 Sitzplätzen und einer Show-Küche hinter Glasscheiben  künftig auf dem Gelände des Schießstandes genießen können. Wie Bahr erklärt,  solle das Restaurant von der Bevölkerung, den Gästen des Schießstandes und der geplanten Jagdschule auf dem Gelände genutzt werden. Bürgermeister Heck ist begeistert: „Dann müssen die Einheimischen nicht mehr in die umliegenden Städte fahren, um etwas ordentliches auf den Teller zu bekommen.“

Jagdschule Um das Konzept der Jagd, an dem sich das gesamte Projekt orientiert, geht es auch bei den Seminarräumen, die dort entstehen sollen. Bahr: „Wir wollen mehrere multifunktionale Seminarräume bauen.“ Die Räumlichkeiten sollen hauptsächlich für die Aus- und Weiterbildung von Jägern und Sportschützen genutzt werden, könnten aber auch für andere Zwecke gemietet werden. Profis aus dem Jagdsektor sowie auch Biologen sollen dort eines Tages die Lehrgangsteilnehmer unterrichten.  Damit, erklärt Bahr, solle in Kooperation mit dem Landesjagdverband in Landscheid eine private Jagdschule entstehen.

Lodges Wer in Landscheid den Jagdschein machen will, der sollte dort auch nächtigen können. Neben dem Hotel Lamberty im Ortsteil Niederkail sollen den Teilnehmern der Aus- und Weiterbildungsmaßnahmen auch auf dem Gelände der Target World dafür demnächst Unterkünfte zur Verfügung stehen. Denn das Unternehmen will dort bis zu 16 Gästezimmer,  die im Architektenplan als „Lodges“ bezeichnet werden, errichten.

Waffengeschäft Wo geschossen wird, da braucht es Schießeisen und Munition: Auf 200 Quadratmetern Fläche soll in Landscheid deshalb ein „Jagd- und Waffenstore“ entstehen, der Waffen, Munition und Ausrüstung für die Jagd sowie für den Sportschützen anbieten soll. Zudem soll dort eines Tages ein Büchsenmacher arbeiten, der defekte Schießeisen in seiner Werkstatt wieder instand setzen kann.

Schießstand Wie Target World Geschäftsführer Bahr erklärt, solle auch der Schießstand in seinen bestehenden Abmessungen in  naher Zukunft umgebaut und modernisiert werden. Pläne dazu will die Target World aber erst in den nächsten Wochen präsentieren. Etwa 1,5 der insgesamt mehr als fünf Millionen Euro großen Investitionssumme soll in den Umbau und die Modernisierung der Schießanlage fließen. Wie Ortsbürgermeister Ewald Heck erklärt, hege die Target World GmbH aber darüber hinaus auch erneute Pläne für eine Erweiterung des Schießstandes. Heck: „Ein erster Planentwurf dazu liegt der Kreisverwaltung vor.“ Über den Sachstand dazu gibt die Target World derzeit jedoch noch keine Auskunft. Seit vielen Jahren erhitzt eine mögliche Erweiterung der Schießanlage wegen der möglichen Lärmbelästigung, der Beeinträchtigung der Tierwelt und der Sorge um den Verfall der Immobilienpreise die Gemüter.

Der Verbandsgemeinderat hatte sich deshalb erst im September des vergangenen Jahres für den Abbruch der Planungen zum Bau eines „Mega-Schießstandes“ ausgesprochen – obwohl der Investor die Planungen kurzfristig noch einmal korrigiert hatte.

Wer seitdem der Meinung ist, das wäre der Anfang vom Ende der großen Target World Landscheid gewesen, ist aber vermutlich auf dem Holzweg. Denn die Firma Target World scheint die Pläne dazu noch nicht begraben zu haben.

Der Schießstand wird vom Pächter der Anlage, dem Wurftaubenclub Landscheid betrieben. Wie Ortsbürgermeister Heck erklärt, habe sich der Schießbetrieb auf der Anlage innerhalb der vergangenen drei Jahre mehr als verdoppelt, deshalb seien auch die Öffnungszeiten des Schießstandes angepasst worden.

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