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Geburtstagslied für die Siegeslinde

Geburtstagslied für die Siegeslinde

Vor 140 Jahren wurde sie gepflanzt. Die Siegeslinde in Osann hat die Zeiten überdauert und erfreut die Menschen nach wie vor. Zum Geburtstag haben die Bewohner der "Träf" ein Gedicht und ein Lied verfasst.

Osann-Monzel. "Der Baum ist einmalig", sagt Marianne Hammes voller Freude. Sie ist in einem Haus in der Nähe der Osanner Siegeslinde geboren, aufgewachsen und dort seit 84 Jahren beheimatet. Hammes hat ein Gedicht verfasst, das die Verbundenheit der Osanner mit der Linde beschreibt. Am Samstagspätnachmittag wird es am Platz bei der Linde vorgetragen. Dann nämlich feiern die Bewohner der "Träf" den 140. Geburtstag des imposanten Baumes. Die "Träf" ist das Wohngebiet bei der Linde an der Straßengabelung Trierer-/Wittlicher-/Bernkastelerstraße und weiter Richtung Ortsausgang nach Klausen.
DORF GESCHICHTE(N)


"Träf" steht für Viehtrift, weil die heutige Wohngegend in früheren Jahrhunderten der tägliche Weg für die Kühe zu den Wäldern und Wiesen war. Die etwa 18 Meter hohe und rund 55 Meter Baumkronenumfang messende Linde mit einem Stammunfang von 2,90 Meter wurde 1871 gepflanzt. Damals endete der deutsch-französische Krieg mit einem Sieg Deutschlands, in dessen Folge das deutsche Kaiserreich ausgerufen wurde. Daher stammt der Name Siegeslinde.
Unabhängig vom kriegerischen Anlass ihrer Pflanzung ist die Linde den Osannern ans Herz gewachsen. Auch Durchreisenden fällt sie wegen ihrer exponierten Lage an der Gabelung dreier Straßen auf.
Im Herbst bringen die vom Wind herumgewirbelten Blätter viel Arbeit beim Reinigen der Straßen und Höfe mit sich. Es gab Jahre, da waren die Kellereingänge mancher Häuser halb hoch mit den gefallenen Blättern der Linde zugeweht. Das macht den Anwohnern nichts aus. Angelika Heinisch kennt von ihrer Mutter den Ausspruch: "Was der Baum uns im Sommer Gutes tut als Schattenspender, da kann man das Laub im Herbst ertragen." Es gab Zeiten, da war der Platz unter der Linde allabendlicher Treffpunkt. Es wurden Geschichten aus dem Dorfleben erzählt, manchmal auch erfundene Geschichten. Aber die Lügenbank, wie die Osanner sie genannt haben, gibt es unter der Linde längst nicht mehr. Neben dem Baum wurde ein Denkmal für die Gefallenen der beiden Weltkriege errichtet, so dass der Platz jetzt Am Denkmal genannt wird. Bei der Pflanzung 1871 gab es das Denkmal noch nicht.
Der Krieg von 1870/71 forderte weit weniger gefallene Soldaten als die Weltkriege, im gesamten Landkreis Wittlich 36, darunter auch der Osanner Lion Cahn.
Den Grund, warum die Linde ein solch hohes Alter erreicht hat, kennen die Osanner und meinen scherzhaft: "Die hat sich so gut gehalten, weil rund um die Linde immer viel gefeiert wurde." Die "Träfer" bezeichnen sich als Wohngebiet, "wo die Geselligkeit gepflegt wird". Sie strahlen vor Begeisterung, wenn sie vom anstehenden Jubiläum der Linde sprechen. Thekla Berres hat sogar ein Lied geschrieben, das am späten Samstagnachmittag unter der Linde gesungen wird.