Gefährliche Raupen im Wittlicher Tal

Gefahren : Gefährliche Raupen im Wittlicher Tal

Der Eichenprozessionsspinner ist im Vorjahr erstmals vereinzelt rund um die Kreisstadt aufgetaucht. In diesem Jahr sind bereits mehrere alleinstehende Eichen befallen, beispielsweise in Klausen, Sehlem, Platten und auch im Stadtgebiet Wittlich.

Im ersten Moment wirken die Raupen auf dem Foto, das der Klausener Revierförster und Ortsbürgermeister Alois Meyer in dem sozialen Netzwerk Facebook gepostet hat, wie ein Wunder der Natur: In einer langen Reihe erstrecken sie sich über einen Baumstamm. Unter das Foto schreibt Meyer das Wort „Eichenprozessionsspinner“. Und aus der Faszination wird schnell Sorge, weil die Raupen des Nachtfalters nicht ungefährlich sind. Die Haare können bei Menschen Atembeschwerden, Augenreizungen und Hautirritationen wie Pusteln und Quaddeln hervorrufen, verbunden mit starkem Juckreiz.

Da der befallene Baum auf dem Klausener Friedhof steht, einem Ort, der von zahlreichen Angehörigen besucht wird, ist Meyer schnell aktiv geworden und hat die Raupen mit Hilfe eines speziellen Saugers entfernen lassen, der auch Haare wegsaugt. Doch ist der Baum auf dem Klausener Friedhof nicht der einzige, auf dem sich die Raupen breit gemacht haben. Auch auf dem Spielplatz und bei der Grillhütte seien Eichen befallen, sagt er. Hinzu kommen Bäume auf dem Friedhof in Platten und an der Grundschule Sehlem, wo er ebenfalls schon Gelege abgesaugt hat. Und laufend kommen weitere Anrufe und Meldungen, sagt er. „Der breitet sich hier aus“, glaubt Meyer.

Normalerweise ist der Eichenprozessionsspinner in wärmeren Regionen heimisch. Berichte über die Raupen, aus denen Schmetterlinge werden, gibt es etwa aus dem Raum Trier. Die Raupe sei im Vorjahr erstmals auch hier aufgetaucht, woraufhin Meyer sich den speziellen Sauger angeschafft hat. „Der Eichenprozessionsspinner befällt bisher nur Eichen, die alleine und in der Sonne stehen, beispielswiese in Gärten oder in öffentlichen Anlagen“, erklärt der Klausener Ortsbürgermeister. In seinem Forstrevier untersucht Meyer mit Hilfe eines Baumkatasters alle möglichen Eichen, die für einen Befall in Frage kommen. Auch Thomas Wagner, stellvertretender Leiter des Forstamts Wittlich, berichtet über zahlreiche Nester. Mitte vergangener Woche hatte er noch keine Kenntnisse über Vorkommen des gesundheitsgefährdenden Schädlings. Doch am Freitagnachmittag seien erste Anrufe gekommen, mit denen Bürger Vorkommen von Eichenprozessionsspinnern gemeldet haben. Und über Pfingsten hat sich das Problem offensichtlich verschärft, sagt er. Besonders betroffen ist der Raum Wittlich. Ein Schwerpunkt sei der Bereich um Bruch. Inzwischen seien auch Vorkommen in der Stadt Wittlich bekannt. So habe ein Kind in  Lüxem ein Nest berührt und zeige die typischen Symptome wie Ausschlag, sagt Wagner. Aus Wäldern sind ihm bisher keine Vorkommen gemeldet worden. Die Anrufe beträfen Eichen bei Kindergärten, Hausgärten und Friedhöfen.

Die Raupen des Eichenprozessionsspinners an einem Baum auf dem Klausener Friedhof. Foto: Christoph Strouvelle

Außerhalb des Großraumes Wittlich hat sich der Schädling offensichtlich noch nicht verbreitet. „Bei uns sind keine Vorkommen bekannt“, sagt Thomas Vanck, Leiter des Forstamts Dhronecken. Auch in Traben-Trarbach hat der dortige Förster Joachim Clemens keine Meldungen über einen Befall von Eichen. Ob in Thalfang Eichenprozessionsspinner existieren, wird derzeit untersucht. Melanie Wery-Sims aus Breit, die für die Partei die Linke politisch aktiv ist, hat beim Abhängen ihrer Wahlplakate für die Kommunalwahl ein eingesponnenes und mit Raupen übersätes Exemplar entdeckt. Fotos der Nester und der Raupen hat sie an den Nabu geschickt, von dem sie jetzt auf eine Antwort wartet.

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