Gefängnis blüht zum Advent auf

Wer sich mit Weihnachtssternen, Kartoffeln oder Eiern eindecken will, der wird künftig auch in der Trierer Landstraße fündig. Dort betreibt die Justizvollzugsanstalt ihre neuen Gewächshäuser mit Verkaufsraum.

Wittlich. Es duftet nach Stiefmütterchen und Lavendel. Kein Geruch, den man in einem Gefängnis vermuten würde. Die beiden Gewächshäuser befinden sich zwar außerhalb der dicken Mauern, aber auf dem Gefängnisgelände. Sie sind eine Kontaktstelle zwischen Häftlingen und Wittlichern. Denn hier im neuen Gewächshaus der Justizvollzugsanstalt (JVA) können sie Blumen und Gemüse kaufen, das mit Hilfe der Inhaftierten angebaut wird.
Blumen, Gemüse, Kaminholz


Die zehn mal 26 Meter großen Glasgebäude sind ein Baustein des Ausbaus des größten Gefängnisses im Land. Für rund 70 Millionen Euro wurden bereits ein neues Haftgebäude, ein Verwaltungsgebäude, ein Krankenhaus, ein Pfortengebäude und ein Blockheizkraftwerk gebaut sowie die Gefängnismauer erweitert. Wegen der Bauarbeiten musste das alte Gewächshaus am Fallerweg schon vor Jahren weichen, während der Verkauf dort weiterging. Die Blumen wachsen nun übergangsweise auf dem Gelände von St. Paul - aber nicht mehr lange.
Weihnachtssternen, Lavendel, Efeu und Stiefmütterchen dienen die beiden neuen Gewächshäuser an der Trierer Straße schon als neues Dach über dem Kopf. Blumen, Obst, Gemüse, Eier, Kaminholz und mehr geht dort ab Ende November über den Ladentisch. Eröffnet wird die Gärtnerei mit einem Adventsbasar, bei dem sich die Wittlicher am kommenden Freitag und Samstag, 18., und 19. November, von 11 bis 18 Uhr mit Dekorationen für den Dezember eindecken können.
Nun hofft die JVA, wieder so viele Einnahmen zu erwirtschaften wie vor Beginn der Bauarbeiten: rund 200 000 Euro jährlich. Von den Baukosten in Höhe von 565 000 Euro hat die JVA 100 000 Euro mit Eigenleistungen gestemmt. Vor genau einem Jahr hatten die Bauarbeiten begonnen. Geld einbringen soll auch ein neues Angebot: die Grabpflege. Das Gefängnis möchte die Nähe zum Friedhof nutzen, um Leistungen wie das Gießen der Gräber anzubieten. Zudem sollen Produkte aus der Schreinerei und der Schlosserei im Verkaufsraum ausgestellt werden.
Lediglich Häftlinge im offenen Vollzug, die also die Anstalt verlassen können und abends zurückkehren, werden in der Gärtnerei aushelfen. Gießen, pflanzen, düngen - all das zählt zu ihren Aufgaben, erzählt Anstaltsleiter Robert Haase. Einige von ihnen arbeiten auch im landwirtschaftlichen Betrieb St. Paul mit.
Die Bauarbeiten am neuen, 23 Millionen Euro teuren Wirtschaftsgebäude mit Großküche, Bäckerei und Wäscherei sind währenddessen noch im Gang. Haase geht davon aus, dass sie Mitte 2013 abgeschlossen werden können. Geplant sind außerdem der Bau neuer Werkstätten, einer Sporthalle und Freigängerflächen auf dem Gelände. Zudem soll die Jugendstrafanstalt ein neues Verwaltungs- und Pfortengebäude sowie das alte Haftgebäude Anbauten erhalten. Ob und wann der Bund wirklich Geld dafür bereitstellt, ist aber noch unklar.Extra

Zu den Eigenbetrieben der JVA zählen auch die Rinderzucht und Hühnerhaltung auf dem Gelände von St. Paul sowie die Metzgerei. Eier werden ebenso verkauft wie selbst gemachte Wurst. Die Bäckerei in Wittlich versorgt alle Gefängnisse des Landes, jeden Monat werden 32 Tonnen Brot und 8000 Brötchen gebacken. Von der Schreinerei können sich Kunden beispielsweise Möbel anfertigen lassen, zudem gibt es eine Schlosserei, eine Polsterei und eine Wäscherei. In den Produktionsbetrieben des Gefängnisses wird wiederum für Firmen Fremdmaterial weiter verarbeitet. Von den derzeit 582 Häftlingen in der Männeranstalt sind 58 im offenen Vollzug. 350 Gefangene arbeiten in den Betrieben der JVA.