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Gefängnisausbau geht in die zweite Phase

Wittlich. Die Vorbereitungen für den Bau einer neuen Gärtnerei und zweier Wirtschaftsgebäude auf dem Gelände des Wittlicher Gefängnises sind so gut wie abgeschlossen. Das Land investiert dafür rund 23 Millionen Euro. Mit den Arbeiten beginnt nun der zweite Bauabschnitt zur Erweiterung der Justizvollzugsanstalt. Von unserem Redaktionsmitglied Christa Weber

In Wittlich steht die größte Justizvollzugsanstalt (JVA) des Landes Rheinland-Pfalz - und sie soll in den kommenden zwölf Jahren noch weiter wachsen. Im ersten Bauabschnitt sind im vergangenen Jahr für rund 70 Millionen Euro ein neues Haftgebäude - belegt mit Häftlingen der JVA und der Jugendhaftanstalt - , ein Verwaltungsgebäude, ein Pfortengebäude, ein Blockheizkraftwerk und ein Krankenhaus mit 48 Betten entstanden. Damit verfügt die Haftanstalt jetzt über 533 Haftplätze, von denen derzeit 529 belegt sind.

Brot und Brötchen für Gefangene im ganzen Land



Seit Dezember laufen nun die Vorbereitungen für Phase zwei der JVA-Erweiterung. Bis 2013 sollen für 23 Millionen Euro zwei neue Wirtschaftsgebäude mit Großküche, Bäckerei und Wäscherei direkt neben dem Blockheizkraftwerk entstehen. Während in der Küche künftig die Häftlinge vor Ort versorgt werden sollen, sind Brot und Brötchen aus der Bäckerei für Gefangene im ganzen Land bestimmt. Parallel zum Bau der Wirtschaftsgebäude entsteht neben dem JVA-Gelände in der Trierer Straße für 565 000 Euro eine neue Gärtnerei. Sie soll den bisherigen Betrieb im Fallerweg ersetzen.

Laut des Landesbetriebs für Liegenschaftsbetreuung (LBB), zuständig für den JVA-Ausbau, sind mittlerweile alle bauvorbereitenden Arbeiten abgeschlossen. Um einen Ausbruch zu verhindern, musste beispielsweise die Baustelle für die neuen Wirtschaftsgebäude mit einer Betonmauer gesichert werden. Bereits im Dezember wurde in diesem Bereich mit dem Abbruch von Koksbunker und altem Lazarett begonnen. Die Fundamente der Gewächshäuser in der Trierer Straße stehen fast vollständig, die Ver- und Entsorgungsleitungen sind größtenteils verlegt. Wegen des frühen Wintereinbruchs hat es "leichte Verzögerungen" gegeben, teilt LBB-Pressesprecher Markus Ramp mit. Bei besserem Wetter würden die Gewächshäuser mit einer Größe von zehn mal 26 Metern jedoch zügig fertiggestellt. "Das geht jetzt relativ schnell", sagt auch der kommissarische JVA-Leiter Robert Haase. Etwas länger dauere der Bau des neuen Verkaufsraums. "Aber es liegt in unserem Interesse, den Verkauf möglichst bald vom Fallerweg nach vorn in die Trierer Straße zu verlegen."

In der neuen Gärtnerei werden ein Meister, zwei Angestellte und acht Häftlinge arbeiten. In drei zusätzlichen Bauphasen sollen bis spätestens 2024 auch alle weiteren Bauprojekte abgeschlossen sein. Bis dahin sind noch ein Neubau der Werkbetriebe, ein neues berufspädagogisches Zentrum und der Umbau des alten Haftgebäudes für die Jugendstrafanstalt geplant. Die Umsetzung hängt laut LBB jedoch noch von der Bewilligung entsprechender Haushaltsmittel ab.

Neuigkeiten gibt es auch vom Kunst-am-Bau-Wettbewerb, den das Land im August 2010 ausgeschrieben hatte. Künstler und Kunsthandwerker waren aufgerufen, ein Konzept zur Neugestaltung der Mauer im Eingangsbereich einzureichen. Wo derzeit Rot und Grau dominieren, erhofft sich der LBB "mehr Individualität". Laut LBB-Sprecher Ramp gab es 67 Beiträge, darunter meist Vorschläge für eine farbige oder graphische Gestaltung der Wände, weniger plastische Arbeiten. Für ein Honorar von je 1000 Euro sollen sechs Künstler ihre Konzepte ausarbeiten. Den Sieger kürt eine Jury aus Vertretern verschiedener Landesministerien, LBB und Kunstexperten voraussichtlich Ende des Monats. Die Neugestaltung darf nach rechtlichen Vorgaben 40 000 Euro kosten.

Extra

Neuer Chef fürs Gefängnis? Seit Monaten kursieren in Wittlich Gerüchte, dass der langjährige Leiter der Justizvollzugsanstalt (JVA) Wittlich, Franz Kohlhaas, seinen Posten bald räumen muss. Jüngstes Signal für einen Wechsel auf dem Chefsessel: Oberpsychologierat Robert Haase hat die kommissarische Leitung übernommen. Das Mainzer Justizministerium will das Aus für Kohlhaas, der das Gefängnis seit dem 1. Juni 1998 leitet, offiziell noch nicht bestätigen. Es heißt: "Das nach dem Landesbeamtengesetz vorgesehene Verfahren zur Feststellung der Dienstunfähigkeit wurde eingeleitet." Weil das Verfahren nicht abgeschlossen sei, stelle sich "die Frage einer Stellenausschreibung derzeit nicht". (cweb)