Gefängnisgespräche - Zeuge: "Dass V-Mann mir Verbrechen empfohlen hat, war gelogen"

Gefängnisgespräche - Zeuge: "Dass V-Mann mir Verbrechen empfohlen hat, war gelogen"

Wer hat im Juli 2009 einen Mann in Aach in dessen Garage überfallen? Der Angeklagte Luis C. bestreitet die Tat. Nicht er, sondern ein V-Mann der Polizei habe seine Finger im Spiel gehabt.

Trier. Vier schwere Raubüberfälle und einen Einbruch soll der Angeklagte Luis C. begangen haben. Die Beihilfe bei zwei der Raubüberfälle hatte C. bei Prozessbeginn im Februar gestanden. Sein Mittäter ist dafür zu sieben Jahren Haft verurteilt worden (der TV berichtete).
Den Einbruch und die beiden weiteren Raubüberfälle - auf einen Mann in Aach im Juli 2009 und auf eine Frau in ihrem Haus in Kordel im August 2010 - bestreitet C. allerdings nicht nur vehement. Er behauptet, sein ehemaliger Kollege aus der Schrotthandelbranche, Uwe M., habe bei diesen Verbrechen die Finger selbst im Spiel gehabt. Das Pikante: Der selbst mehrfach vorbestrafte Uwe M. arbeitet offenbar seit Jahren mit der Polizei als verdeckter Informant bei der Aufklärung von Straftaten im Trierer Schrotthandelmilieu zusammen. In dem Prozess gegen Luis C. ist Uwe M. der Hauptbelastungszeuge. Am Mittwoch kam zu den Merkwürdigkeiten, die den Prozess seit Februar begleiten, eine weitere hinzu.
Geladen war Zeuge W., der zusammen mit dem Angeklagten Luis C. im Gefängnis sitzt.
Dort hatte W. zufällig mitgehört, wie Luis C. einem weiteren Mitgefangenen berichtete, dass er wegen eines Raubüberfalls auf einen Mann in Aach angeklagt sei, den er gar nicht begangen habe. W. erzählte daraufhin Luis C. von sich aus, dass V-Mann Uwe M. - lange bevor die Tat im Juli 2009 passiert ist - ihm diesen Raubüberfall quasi angedient habe. Schließlich sei bei dem Aacher "etwas zu holen" gewesen. W. habe es dann allerdings abgelehnt, die Tat zu begehen.
Das Gefängnisgespräch zwischen W. und Luis C. stützt dessen These, dass Uwe M., der gut informiert über die Vermögensverhältnisse von Leuten aus der Schrotthandelbranche sein soll, angeblich gegen Beteiligung gezielt Männer zu Verbrechen animiere. Vor Gericht bestätigte Zeuge W. gestern zwar, dass er Luis C. berichtet habe, Uwe M. habe ihm den Überfall auf den Aacher vorgeschlagen. Aber: "Das war eine Lüge, Uwe M. hat mich nie dazu animiert, ein Verbrechen zu begehen." Eine schlüssige Antwort darauf, warum er Luis C. im Gefängnis etwas anderes berichtet hat, blieb W. gestern schuldig.
Die Anklage wegen eines der Verbrechen, die Uwe M. seinem ehemaligen Kollegen Luis C. anhängt, hat die erste Kammer des Trierer Landgerichts am Mittwoch aufgehoben. Wegen eines Raubüberfalls auf eine Frau in ihrem Haus in Kordel, den die ZDF-Fernsehsendung "Aktenzeichen xy" in ihrer Sendung im Mai 2011 aufgegriffen hatte, wird nicht weiter gegen Luis C. verhandelt.
Nächster Verhandlungstermin im Trierer Landgericht ist am Donnerstag, 16. Oktober.

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