Gefahr vor dem Kindergarten Wittlich-Neuerburg: Raser sind nicht zu stoppen

Gefahr vor dem Kindergarten Wittlich-Neuerburg: Raser sind nicht zu stoppen

Die Stadt Wittlich hat vergangene Woche einen weiteren Versuch gestartet, Auto- und Lastwagenfahrer, die den Kindergarten Wittlich-Neuerburg passieren, zu langsamerem Fahren zu zwingen. Nach wenigen Tagen wurden die Fahrbahnteiler wieder abgebaut. Der Grund: Sie brachten keine Sicherheit, sondern noch mehr Gefahr.

Gestern früh rückten Mitarbeiter der Straßenmeisterei am Ahornweg in Neuerburg mit schwerem Gerät an. Der Verkehr aus Richtung Bausendorf wurde zuvor durch den Wittlicher Stadtteil Dorf geleitet. Die Arbeiter montierten die erst am vergangenen Donnerstag auf der Straße in Höhe des Kindergartens Neuerburg montierten Fahrbahnteiler wieder ab. Es war bereits der dritte Versuch, die Auto- und Lastwagenfahrer an dieser Stelle der L54 zu langsamerem Fahren zu bewegen. Drei Monate sollte dieses verkehrsberuhigende Vorhaben getestet werden. Nach wenigen Tagen stellte sich bereits heraus, dass sie nichts bringt. Im Gegenteil: Es kam nach Auskunft von Ralf Schmitz, Leiter der Masterstraßenmeisterei Wittlich, zu gefährlichen Situationen an der dort befindlichen Bushaltestelle. Schmitz: "Die Autos sind schnell und sehr nah an der Bushaltestelle vorbeigefahren, Last´wagen haben teilweise den Gehsteig benutzt." Eine Mutter hatte auf die Gefahr hingewiesen, worauf sich am Montag vor Ort Vertreter der Straßenmeisterei, der Polizei und ein Mitarbeiter des Ordnungsamtes der Stadt Wittlich trafen. Die Experten teilten die Einschätzung der Mutter und entschieden, diesen Versuch sofort zu beenden. Vor mehr als vier Jahren hatte die Stadt in Rücksprache mit der Polizei und dem Landesbetrieb Mobilität (LBM) mit Barrieren dort die Fahrbahn verschwenkt, um die Raser zu entschleunigen. Doch das hatte nicht geklappt. Im Gegenteil: Beobachtet wurde, dass die Verschwenkung eher zu riskanten Fahrmanövern animierte. Vor Weihnachten 2015 wurde die Verschwenkung wieder abgebaut und Tempo 30 zu den Kita-Öffnungszeiten von 6 bis 18 Uhr ausgeschildert. Aber auch dieser Versuch scheiterte, viele Verkehrsteilnehmer fuhren deutlich schneller als die erlaubten 30 Kilometer pro Stunde. Die Polizei hatte bei Tempokontrollen zahlreiche Fahrverbote erteilt. Die von der Polizeiinspektion geführte Statistik lässt aufhorchen: Von Januar bis zur vergangenen Großkontrolle am 5. September stellten die Beamten an dieser Stelle mehr als 1000 Verkehrsverstöße fest. 838 Verwarnungen wurden ausgesprochen, 262 Anzeigen geschrieben und 24 Fahrverbote erteilt. Der schnellste Fahrer war in dem 30-Stundenkilometer-Bereich mit 80 km/h unterwegs. In diesem Jahr wurde insgesamt 15-mal kontrolliert. Anke Zimmermann, Leiterin der Polizeiinspektion Wittlich: "Die Tempo-30-Regelung bleibt weiterhin bestehen, wir werden auch regelmäßig kontrollieren." Wie geht es jetzt weiter? Die Experten sind sich einig, dass mehr Parkraum für die Eltern der Kindergartenkinder geschaffen werden muss. Zwar gibt es vor der Kita einen Parkplatz, dieser ist aber zu klein und wird bereits von Mitarbeiterinnen genutzt. Viele Eltern parken daher kurzfristig am Straßenrand und überqueren dann mit ihren Kindern die viel befahrene Straße. Täglich rollen dort über 5000 Fahrzeuge vorbei. Nach dem Ortstermin am Montag hat der Landesbetrieb Mobilität (LBM) Trier nun die Genehmigung erteilt, eine weitere Einfahrt zu einem städtischen Grundstück, das an das Außenspielgelände der Kita angrenzt, zu schaffen. Die Stadt will nun schnell handeln und teilt auf Anfrage mit: "Die konkrete Umsetzungsmöglichkeit sowie die Finanzierung wird kurzfristig durch die Verwaltung geprüft und den städtischen Gremien zur Entscheidung vorgelegt."

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