Gefüllte Regale für Oberkail

Während sich der Einzelhandel aus den Dörfern des Eifelkreises bereits seit Jahrzehnten kontinuierlich zurückzieht, wagt ein Unternehmer in der knapp 600 Einwohner zählenden Gemeinde Oberkail nun einen Schritt in die entgegengesetzte Richtung. Nachdem dort im vergangenen Sommer der letzte Laden seine Türen geschlossen hatte, ist jetzt am gleichen Standort ein neuer Markt eröffnet worden.

Oberkail. "Also verhungern muss man hier ganz sicher nicht", sagt ein älterer Mann, als er mit seinem Korb den Laden betritt und mit dem umfassenden Sortiment konfrontiert wird. Zu diesem Zeitpunkt steht die Ortsbürgermeisterin, Petra Fischer, bereits an der Kasse, zahlt dort ihren Einkauf und bekommt von der Kassiererin als Dankeschön noch eine Rose in die Hand gedrückt. Sichtlich freut sie sich über die nette Geste. Sie ist eine der ersten Kundinnen. Nicht nur an diesem Morgen, sondern überhaupt.
Denn der neue Lebensmittelladen in Oberkail, Eifelkreis Bitburg-Prüm, hat an diesem Tag zum ersten Mal geöffnet. Lange haben die Oberkailer auf diesen Moment gewartet. Nun ist er endlich da. Und zufrieden ist die Ortsbürgermeisterin mit ihrem Einkauf allemal. "Ich habe hier nichts vermisst und alles bekommen, was ich brauche", sagt sie. Viel Zeit bleibt ihr aber nicht. Denn eigentlich müsste sie schon längst am Arbeiten sein, sagt sie. Doch die Eröffnung des neuen Geschäfts wollte sich Fischer natürlich nicht entgehen lassen.
Sie sei erleichtert, sagt sie, dass das geklappt hat. Damit habe noch vor einem Dreivierteljahr kaum einer gerechnet. Denn Mitte 2015 wurde in Oberkail das letzte Geschäft geschlossen. Die Gemeinde wollte das aber nicht hinnehmen und hatte deshalb zu einer Einwohnerversammlung eingeladen, um sich gemeinsam mit den Bürgern Gedanken über die zukünftige Nahversorgung zu machen. Die Idee, einen eigenen Dorfladen einzurichten, wurde aufgrund der damit verbundenen Investitionen und des finanziellen Risikos schnell wieder verworfen. Sodass es dann die Überlegung gab, es doch zunächst einmal gezielt mit Rollenden Märkten zu versuchen. Ins Rollen kam die Sache dann tatsächlich. Allerdings anders als erwartet.
Statt Heiko und Co. kommt jetzt Thomas. Thomas Plattner. Und er kommt, um zu bleiben. Der Fleischermeister betreibt in Badem eine Metzgerei und einen Supermarkt. Und er möchte das, was 1998 schon in Badem funktioniert hat, nun auch in Oberkail ausprobieren.
Doch warum ausgerechnet in Oberkail? "Dafür gibt es mehrere Gründe", erklärt Plattner. "Auf der einen Seite ist der Laden in Oberkail so weit entfernt, dass wir nicht mit einer Schädigung unseres Hauptstandorts in Badem rechnen müssen", erklärt er. Auf der anderen Seite sei Oberkail aber auch nah genug, um es von Badem aus mitzuversorgen. Und aufgrund dieser Gegebenheiten könne man in Oberkail auch ein recht großes Sortiment anbieten: 2500 Produkte auf 250 Quadratmetern. Inklusive Backwaren sowie Fleisch- und Wurstwaren aus eigener Schlachtung. Für Plattner gibt es aber noch einen weiteren Grund, es in Oberkail zu versuchen. Und das ist schlichtweg "der Reiz des Neuen". Man müsse nun sehen, wie das neue Angebot in Oberkail angenommen werde, sagt er. "Das Ganze muss natürlich wirtschaftlich sein, aber auch attraktiv für die Kunden", betont der Fleischermeister. Momentan habe das Geschäft montags bis samstags von 8 bis 13.30 Uhr sowie montags bis freitags von 15 bis 18 Uhr geöffnet. "Wir wollen jetzt beobachten, wie sich das Geschäft entwickelt, und die Öffnungszeiten anpassen", erklärt Plattner. "Wir hätten auf jeden Fall noch etwas Puffer nach oben."
An Motivation fehlt es dem Unternehmer also nicht.