Gegen die Planung eines Gewerbe- und Industrieparks bei Maring-Noviand formiert sich der Widerstand

Kommunales : Anwohner wollen kein Industriegebiet

Gegen die Planung eines Gewerbe- und Industrieparks bei Maring-Noviand formiert sich der Widerstand. Deshalb hat sich die Interessengemeinschaft „Pro Weinjuwel Maring-Noviand“ gegründet. Sie plant Infoveranstaltungen und eine Online-Petition. Die benachbarte Verbandsgemeinde Wittlich Land hingegen begrüßt das Projekt.

 Die Verbandsgemeinde Bernkastel-Kues plant bei Maring-Noviand einen Gewerbepark mit einer maximalen Fläche von 75 Hektar, von denen circa 50 Hektar bebaut werden können. Über die   L 47 sind es von dem Gebiet nur etwa zehn  Kilometer bis zur  A 1.  Im Sommer vergangenen Jahres wurde das Projekt an zwei Terminen in Maring-Noviand vorgestellt, an denen insgesamt rund 250 Bürger teilgenommen haben.  

Das Projekt: Diese Fläche  zwischen dem Brauneberg und der Landesstraße 47 soll im Flächennutzungsplan (FNP) der Verbandsgemeinde Bernkastel-Kues ausgewiesen werden. Das ist der erste Schritt, um einer möglichen Bebauung den Weg zu ebnen.  Über den FNP stimmen dann alle 22 Ortsgemeinden und die Stadt Bernkastel-Kues ab.  Außerdem müssen auch die Gremien der umliegenden Kommunen darüber beschließen, wie zum Beispiel in Morbach, wo der Gemeinderat das Verfahren unlängst gebilligt hat (der TV berichtete).

Anschließend stimmt der Gemeinderat von Maring-Noviand im  Rahmen der Bauleitplanung darüber ab.

Leo Wächter, Erster Beigeordneter der VG, wies bereits bei den ersten Bürgerbeteiligungen auf die Bedeutung dieses Areals   hin. Man habe   nach potenziellen Flächen für einen solchen Park gesucht und nach allen Umweltverträglichkeitsprüfungen seien nur noch zwei mögliche Flächen  in der Verbandsgemeinde übriggeblieben. Eines am Rand zur Verbandsgemeinde Traben-Trarbach bei Irmenach und eines bei Maring-Noviand, das man als erstes Gebiet entwickeln wolle. Für Wächter eine „historische Chance.“

Die Kritik der Anwohner:

Das Thema wurde schon damals kontrovers diskutiert. Viele Anwohner befürchteten eine stärkere Verkehrsbelastung und vor allem eine optische Beeinträchtigung der Gebietskulisse und tiefgreifende Folgen für die Natur.

Inzwischen haben sich die Kritiker zu der neu gegründeten Interessengemeinschaft „Pro Weinjuwel Maring-Noviand“ zusammengeschlossen, die sich für den Erhalt der Kulturlandschaft einsetzen will. „Wir haben den Eindruck, dass viele Bürger die Ausmaße dieses Gebietes noch gar nicht abwägen können,“ sagt Markus Fries, Sprecher der Interessengemeinschaft.

Bereits bei der ersten Vorstellung der Pläne  sei die  Skepsis der Bevölkerung groß gewesen, erinnert er sich. In einer Pressemitteilung informiert die Interessengemeinschaft nun  über ihre Ziele.

„Viele Bewohner empfinden den Bau eines neuen Industrie- und Gewerbegebietes als unverhältnismäßigen Eingriff in das Landschaftsschutzgebiet im Liesertal und lehnen das Projekt ab,“ heißt es darin. Die IG erinnert daran, dass das Gelände im   Landschaftsschutzgebiet (LSG) liegt, für das  besondere Bestimmungen gelten.   Viele Anwohner kritisieren, so die IG,  vor allem die Größe des Gebietes   im Verhältnis zur bewohnten Dorffläche,   nachteilige Konsequenzen für Natur und Umwelt und negativen Einfluss auf die touristische Entwicklung.  

Was die IG plant: Deshalb plant die Interessengemeinschaft in den nächsten Monaten verschiedene Aktivitäten, darunter eine  Unterschriftenliste,  eine Onlinepetition,   Infoveranstaltungen rund um das geplante Gebiet und  Fachvorträge. Dabei könnten, so Fries, für heimische Gewerbetreibende, die Erweiterungsgrundstücke suchen, unter Umständen auch individuelle, kleine Lösungen gefunden werden können.

 „Alle sprechen von einer Kulturlandschaft und von einer einzigartigen Region mit hohem Erholungswert“, sagt Michael Strecker, ebenfalls Mitglied in der Interessengemeinschaft. Es gebe Dachmarkenbetriebe, Weinkulturbotschafter und selbst eine Beantragung zur Aufnahme in das Unesco Welterbe werde in Betracht gezogen. „Ist sich die Verbandsgemeinde eigentlich bewusst, inwieweit sie mit diesen Ausmaßen von Bodenversiegelung wertvoller Flächen, Zerschneidungen durch Straßen und sichtbare Beeinträchtigungen des Landschaftsbildes ihre eigenen touristischen Ziele und Botschaften untergraben wird? “ kritisiert der Geograph Strecker die Pläne der Verbandsgemeinde Bernkastel-Kues .

 Wilhelm Haag,  Winzer in Brauneberg, hebt die negativen Folgen des Vorhabens der Verbandsgemeinde hervor: „Ein Industriegebiet diesen Ausmaßes wird einen großen, negativen Einfluss auf die Wasserverhältnisse des Braunebergs (Juffer und Juffer Sonnenuhr) und die erhöhten Emissionen haben. Deshalb wird eine externe Untersuchung in Form eines anerkannten ‚Hydrologischen Gutachtens‘ gefordert.“

Leo Wächter, Erster Beigeordneter der Verbandsgemeinde Bernkastel-Kues, verteidigt das Projekt: „Das Landesentwicklungsprogramm IV sieht keine „klein-klein-Lösungen für Gewerbegebiete vor. es fordert im Gegenteil große, zusammenhängende Gewerbeflächen, um eine Zersiedlung des Raums zu verhindern.“ Was den Aspekt des Landschaftsschutzgebietes betrifft, verweist Wächter auf mögliche Ausnahmeregelungen. Ein Beispiel sei die Ausweisung des Windkraftparks Ranzenkopf. Außerdem gebe es in dem Gebiet bereits einen zehn Hektar großen Kiesabbaubereich, für den ebenfalls eine Ausnahmegenehmigung vorliege.

Die Sicht der Nachbarn: Das  geplante Gewerbe- und Industriegebiet wird  in den Nachbarkommunen hingegen positiv gesehen. Armin Kohnz, Bürgermeister der benachbarten Gemeinde Osann-Monzel (Verbandsgemeinde Wittlich-Land) sagt: „Wir haben das Thema im Gemeinderat besprochen und unsere Stellungnahme abgegeben. Der Rat hat sogar eine Forderung als Beschluss formuliert,  um eine Beteiligung der Ortsgemeinde Osann-Monzel an dem Gewerbe- und Industriepark zu ermöglichen. Das hat mich positiv überrascht.“

Dennis Junk, Bürgermeister der VG Wittlich Land sagt: „Wir sehen das positiv, wir sind ja selbst in der Situation, dass wir Gewerbeflächen suchen und es muss jeder schauen, dass er nach vorne kommt.“

Ob das geplante Gebiet möglicherweise  eine Konkurrenz für das derzeit boomende Wittlich  darstellt, in dem die Nachfrage nach Gewerbeflächen groß ist? Rainer Stöckicht, Leiter im Zentralbereich am  Rathaus, winkt ab: „Seitens der Stadt Wittlich betrachten wir diese Entwicklung nicht mit Sorge, im Gegenteil. Von einer positiven wirtschaftlichen Entwicklung profitiert die gesamte Region und kommunale Familie im Umkreis. Kirchturmdenken gibt es bei uns nicht.“

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