Gegen Gewalt und Verachtung

BERNKASTEL-KUES. (mbl) Unter Roman Herzog wurde der Tag der Befreiung des KZ Auschwitz 1945 durch die Rote Armee zum Gedenktag erklärt. In der Hauptschule Bernkastel-Kues nutzte Günter Rösch (MdL) die Chance des Gedenktages, um mit den Zehntklässlern zum Thema "Wider das Vergessen und für die Demokratie" ins Gespräch zu kommen.

Nur durch Aufarbeiten kann Erinnerung gelingen: So wurde das Thema im Fach Religion bei Renate Kirchen und im Fach Geschichte/Sozialkunde mit Rita Pecina umfassend erarbeitet. Anhand von Plakaten zeigten die jungen Leute dem Politiker ihre Gedanken gegen das Vergessen und für das Erinnern. Grundlage für ihre Auseinandersetzung mit dem Thema aus ethischer Sicht waren das Buch und der Film "Schindlers Liste", die bei den Jugendlichen tiefe Eindrücke hinterlassen hatten. Ganz verschieden setzten sich einzelne Gruppen mit dem Thema auseinander. Das Gedicht von Erich Fried "Man muss was tun" formten Schüler um auf Schindlers Tun. Diese Worte waren zentrales Thema: "Man müsste was tun, einer hat was getan, Schindler hat was getan, nicht viele haben was getan ". "Fall ins Wort, wann immer auf der Welt Unrecht geschieht", heißt ein anderes Gedicht des jüdischen Dichters. Was sagt uns das heute? Was können wir tun, damit Rechtsradikalismus und Rassenhass sich nicht ausbreiten? Haben wir Mut, solchen Menschen ins Wort zu fallen?"Mut und Zivilcourage sind notwendig ­ die ganze Gesellschaft überlebt nur, wenn wir einschreiten für die Demokratie." Mit diesem Satz beantwortete Günter Rösch die Fragen. Wie es zur damaligen Diktatur mit all ihren Auswirkungen kommen konnte, zeigten die Mädchen und Jungen an einer im Geschichtsunterricht gestalteten vierseitigen Säule. Auf der einen Seite steht Hitler: Er hat seine Diktatur systematisch aufgebaut durch Ausschaltung von Parlament, Parteien, Gewerkschaften und Presse. Die drei anderen Seiten stellen dar, wie der heutige demokratische Staat mit seinen Verfassungsorganen eine solche absolute Macht in einer Hand verhindert.Nicht resignieren, Mut beweisen

Hat Demokratie denn das Recht, bestimmte rechtsgerichtete Parteien zu verbieten?, fragte ein Schüler. In der angeregten Diskussion wurde deutlich, dass ein Verbot alleine keine Lösung auf Dauer ist. Die Demokratie müsse vielmehr den Widerspruch dulden, "wichtig aber ist es, in der Diskussion das Volk zu überzeugen, dass sie bei diesen Rattenfängern auf die Falschen hören", so Rösch. "Denn in welches diktatorische Chaos das führt, zeigt uns ja die jüngste Geschichte". Der Politiker zeigte sich erfreut und erstaunt über die gute schulische Aufarbeitung und das Wissen um das Thema. Entsprechend rege gestaltete sich die Diskussion mit den Mädchen und Jungen. Gegen Gewalt müsse man aufstehen, nicht resignieren und Angst zeigen, sondern vielmehr Mut beweisen, gab Rösch den Schülern als Ratschlag mit auf den Weg. "Euer Wissen und eure Meinung hat mich beeindruckt", sagte der Politiker. Er habe große Zuversicht, dass die jungen Leute Mut zeigen und aufstehen, wenn es um Menschen verachtende Parolen und Aktionen geht. "Diese lebendige und lehrreiche Geschichtsstunde fanden wir sehr interessant", war auch von den Zehntklässlern zu hören.