1. Region
  2. Mosel, Wittlich & Hunsrück

Gegen Windkraftpläne der Nachbarn

Gegen Windkraftpläne der Nachbarn

Die Verbandsgemeinde Rhaunen will auf den Höhen des Idarwaldes Flächen für mögliche Windräder ausweisen und neue Anlagen bauen. Der Morbacher Gemeinderat hat in seiner jüngsten Sitzung Pläne der Verbandsgemeinde Rhaunen kritisiert. Dabei entstand eine heftige Diskussion.

Morbach. Wie steht Morbach dazu, dass die Verbandsgemeinde (VG) Rhaunen an der Grenze zur Einheitsgemeinde Windräder baut? Damit hat sich der Morbacher Gemeinderat in seiner jüngsten Sitzung befasst. Denn die Nachbar-VG will neue Gebiete ausweisen, auf denen Windkraftanlagen errichtet werden können. Eine davon liegt in den Gemarkungen Hellershausen und Hottenbach, etwa 600 Meter von der Grenze zu Morbach und dem Höhenkamm entfernt, das andere in der Gemeinde Schauren, etwa 400 Meter von der Grenze zu Morbach entfernt.
Allerdings sei noch nicht gesagt, dass dort tatsächlich Windräder hinkommen, sagt der Morbacher Bürgermeister Andreas Hackethal. Wegen des dortigen Schutzgebiets sei mit vielen Hindernissen zu rechnen. Erst im Dezember 2014 hatten die Ratsmitglieder deshalb beschlossen, auf der Morbacher Seite in den Gemarkungen Hinzerath, Morbach und Morscheid auf Windräder zu verzichten.
Insofern steht die Verwaltung den Plänen Rhaunens kritisch gegenüber und regt in ihrer Stellungnahme zu den Plänen der Nachbar-VG an, die Gebietsvorschläge im Bereich Idarwald Vierherrenwald und bei Schauren "im Hinblick auf die besondere Schutzwürdigkeit und Empfindlichkeit der angrenzenden Flächen des Idarwald-Höhenrückens nochmals kritisch zu prüfen."
In die sonst eher sachlich geprägten Diskussionen des Gemeinderats mischt sich aber auch eine emotionale Note, als Uwe Andretta, Sprecher von Bündnis90/Die Grünen, auf den Jahrestag der Atomkatastrophe in Fukushima hinweist und die immer zahlreicher werdenden Ausschlusskriterien für Windkraftanlagen beklagt. Andretta sagt: "Wenn Rhaunen das prüfen lässt und Räder gebaut werden können, sollen sie bauen." Der CDU-Fraktionssprecher Jürgen Jakobs reagiert darauf sichtlich empört und weist auf den Soonwald mit seinen vielen Anlagen als abschreckendes Beispiel hin: "Wir haben gezielt geplant, um ein Konzentrationsgebot von Windanlagen zu erreichen. Wir möchten das gleiche in der Nachbar-VG."
Der SPD-Sprecher Theo Wagner beklagt, dass auf allen Seiten rund um Morbach Anlagen gebaut werden. "Es geht nicht um Ökologie. Die Windräder werden gebaut, weil sie Geld bringen", sagt er unter dem Beifall zahlreicher Ratsmitglieder. "Es werden Windräder gebaut, und der Strom wird nicht gebraucht", beklagt Willi Feilen von der Freie Wähler Gruppe Morbach (FWM). Mit einer Neinstimme und einer Enthaltung bestätigt der Rat die kritische Stellungnahme der Morbacher Verwaltung zu den Rhaunener Plänen.
Bereits im September hatte sich der Morbacher Gemeinderat kritisch mit den Windkraftplänen in der Nachbar-VG Thalfang auseinandergesetzt. Räder könnten dort demnach bis 800 Meter an Morbacher Orte herangebaut werden. In Morbach selbst gilt ein Mindestabstand von 1000 Metern von Windanlagen zur Wohnbebauung.Meinung

Inhaltsleere Energiewende
Dass ein Ratsmitglied in der Diskussion um lokale Windenergieanlagen auf den Jahrestag der Fukushima-Katastrophe hinweist, zeigt geradezu symptomatisch den Ist-Zustand der sogenannten "Energiewende". Bei näherer Betrachtung stellt sich die "Energiewende" nämlich als sehr dehnbarer, tendenziöser Begriff heraus, der im Grunde genommen inhaltslos ist. Dazu muss man ihn noch nicht einmal auf globaler Ebene betrachten und kann Fukushima ruhig außen vor lassen. Es reicht schon, in die "Euregio Saar Loor Lux" zu schauen: In nächster Nähe arbeitet an der französischen Grenze nämlich der betagte Pannen-Reaktor Cattenom vor sich hin. Seinem Betreiber, dem französischen Staat, ist es - mit Verlaub gesagt - schnurzpiepegal, wieviele Windkrafträder im Hunsrück oder an der Mosel stehen und ob Deutschland aus der Atomenergie aussteigt. Vor diesem Hintergrund sollte überdacht werden, was die nationale Energie-Wende überhaupt bringt. Kommt der Öko-Strom denn auch tatsächlich bei den Verbrauchern an, vor deren Haustür Windkraftanlagen stehen? Wir wissen es nicht, denn das Stromgeschäft läuft auf europäischer Ebene ab. Und an dieser Stelle kommt wieder der Pannen-Reaktor Cattenom ins Spiel, dessen Strom ja auch ins europäische Netz fließt. Eine Energiewende kann im Grunde genommen nur dann funktionieren, wenn zumindest alle europäischen Staaten mitziehen - und da sind wir noch lange nicht bei Fukushima im fernen Japan. Es bedarf eines großen Plans, der die Einführung alternativer Energieformen sinnvoll und wirtschaftlich auch darstellbar gebündelt koordiniert. Warum macht die Europäische Union genau das nicht? Warum schreibt sie uns stattdessen per Gesetz hässlich leuchtende Energiesparlampen vor? Wer jetzt entgegnet: "einer muss ja den Anfang machen" irrt. Alle müssen den Anfang machen! Übrigens: In Großbritannien, bekanntermaßen EU-Mitglied, werden zwei neue Atomkraftwerke gebaut. hp.linz@volksfreund.de