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Irmenacher Markt: Geglückte „Umstands“-Premiere (Fotos)

Irmenacher Markt : Geglückte „Umstands“-Premiere (Fotos)

Wenn der Umzug steht statt fährt: Besucher kritisieren beim traditionsreichen Irmenacher Markt die Behörden für die neue Regelung.

Kein Gedränge, keine Menschenmassen. Und das dort, wo es sich sonst knubbelt beim Festumzug des traditionsreichen Irmenacher Marktes. Die geschmückten Festwagen fuhren frühzeitig im großen Bogen ums Dorf, um vom Ortsrand aus in die Burgstraße abzubiegen. Dort ging es im Schritttempo zu den Standplätzen am rechten Fahrbahnrand, gegenüber der Marktstände.

Währenddessen machten sich auf Höhe der Kirche die Fußgruppen auf den Weg. Wie gewohnt zogen sie über die Hauptstraße Richtung Burgstraße. Ungewohnt war nur, dass die Wagen-Teams sie begleiteten, um in der Burgstraße auf die dort geparkten Wagen zu klettern. Die Fußgänger gruppierten sich drum herum oder spazierten wie die Besucher die Burgstraße rauf und runter.

Wegen verschärfter behördlicher Sicherheitsauflagen waren die Wagen notgedrungen ohne Besatzungen unterwegs (der Trierische Volksfreund berichtete). Laut Ortsbürgermeister Martin Kirst wird nicht nur für die Zugmaschinen eine allgemeine Betriebserlaubnis verlangt, sondern auch für die Wagen, für die es eine solche aber nicht gibt. Sie wurden samt Technik vom früheren Dorf-Schmied gebaut, erklärt Kirst. Eine Betriebserlaubnis gebe es dafür nicht – und die sei auch seit 1950 nie gebraucht worden. Denn so lange fahren die Irmenacher bereits mit ihren kleinen Wagen beim Umzug mit. Kirst ärgert bei all dem am meisten, dass Umzüge wie ihrer nun mit anderen wie Fahrten mit alkoholisierten Gästen über einen Kamm geschoren würden.

Da zwölf Wagen schon gebaut waren, als es die Auflagen gab, entschieden sich die Veranstalter, aus dem Um-„Zug“ einen Um-„Stand“ zu machen. Schließlich investierten die Wagenbauer viele Freizeitstunden teils auch viel eigenes Geld dafür. Vielleicht bewege sich ja doch noch was, hofft Kirst auf eine differenziertere Betrachtung der Behörden. Es könne doch nicht sein, dass mal eben so Erlasse ergingen, die mit weitreichenden und mitunter existenziellen Folgen eine „Absage“ an den ländlichen Raum bedeuteten: „Damit macht man das Ehrenamt kaputt.“

Karl-Heinz Molz aus Kleinich findet es schade für die Leute, die sich all die Arbeit machten. Enttäuscht vom Gesetzgeber ist Kurt Kreyß aus Sohren: „Die machen die ganzen Feste kaputt.“ Für Edelgard Bahn aus Sohren ist der Markt „verschandelt“. Ein solcher Umzug sei doch gar nicht vergleichbar mit den in großen Städten: „Hier fahren kleine Bulldogs mit kleinen Wagen und Leuten, die daneben gehen.“