Geheimnis der Geschichte ist ohne Geld nicht lösbar - Stadt streicht Grabungen aus dem Haushalt

Hermeskeil · Unter einem Feld in der Nähe des Waldstadions in Hermeskeil liegt Weltgeschichte verborgen. Und das wird sie auch weiterhin, wenn die Ausgrabungen dort nicht weitergehen. Die Stadt Hermeskeil hat kein Geld für die Forschungen der Mainzer Archäologin Sabine Hornung. Diese sucht seit fünf Jahren nach Beweisen für die älteste römische Garnison Deutschlands. Nun springen die Freunde des Nationalparks in die Bresche.

 Unter diesem Acker bei Hermeskeil liegen römische Funde verborgen. Archäologin Sabine Hornung von der Universität Mainz will sie ans Tageslicht befördern. Dafür braucht die Wissenschaftlerin aber finanzielle Unterstützung.TV-Foto: Herbert Thormeyer

Unter diesem Acker bei Hermeskeil liegen römische Funde verborgen. Archäologin Sabine Hornung von der Universität Mainz will sie ans Tageslicht befördern. Dafür braucht die Wissenschaftlerin aber finanzielle Unterstützung.TV-Foto: Herbert Thormeyer

Foto: Herbert Thormeyer (doth), Herbert Thormeyer ("TV-Upload Thormeyer"

Haben römische Legionäre wirklich für den Aufbau ihrer Garnison ein keltisches Gräberfeld "platt gemacht"? Das ist eine der drängenden Fragen, die Sabine Hornung, Archäologin der Universität Mainz, mit ihren Studenten auf dem Grabungsfeld in der Nähe des Hermeskeiler Waldstadions klären will.

"Dringend ist das deshalb, weil die Funde nur in geringer Tiefe liegen und durch Pflügen des Feldes vieles zerstört werden kann", sagt die Altertumsforscherin. Bisher dauern die Grabungsarbeiten fünf Jahre. Ermöglicht hat das auch die Stadt Hermeskeil, die 20 000 Euro dafür zur Verfügung stellte. Das Geld ist nun aber gestrichen.

"Wir haben einen stark defizitären Haushalt und müssen sparen. Deshalb konnten wir diesen Betrag in den jüngsten Haushalt nicht wieder einstellen", sagt Bürgermeister Mathias Queck. Er sehe aber auch das Land in der Pflicht, um die Forschungsarbeit zu unterstützen.

"Ich habe eine Förderung bei der Deutschen Forschungsgemeinschaft beantragt, aber die Bewilligung kann dauern", sagt die Mainzer Wissenschaftlerin. Jetzt seien 10 000, besser 20 000 Euro nötig, um die Grabung noch in diesem Jahr fortzusetzen. Das Geld werde einzig und allein für die Unterbringung und Verpflegung der Studierenden gebraucht, die hier ansonsten kostenlos arbeiten.

Jetzt will der Freundeskreis Nationalpark Hunsrück helfen und startet einen Spendenaufruf. "Mit unserer Fund-Raising-Aktion wollen wir gebietsübergreifend die Bedeutung dieser Fundstelle ins Bewusstsein der Menschen rücken", erklärt die stellvertretende Vorsitzende, Ulla Kolling.

Noch drei Jahre, so schätzt Hornung, seien nötig, um der Hermeskeiler Erde die Geheimnisse der römischen Garnison zu entlocken. Wichtige Fragen will die Archäologin geklärt wissen: Wie sind die römischen Legionäre mit ihren direkten Nachbarn, den Kelten, umgegangen? Was passierte mit dem vorhandenen Gräberfeld? Bestand die Garnison aus Holzbaracken oder waren es nur Zelte?

Ferner interessiert sich Hornung für die Torkonstruktion, die das Haupt- mit dem Nebenlager, dem sogenannten Annex, verband. Eine exakte Datierung könnten Holzfunde liefern, deren Alter mittels der Dendrochronologie genau bestimmt werden kann. Doch die Stämme liegen noch in der Erde.

Nach acht Jahren Forschungsarbeit will die Wissenschaftlerin dann ein klares Bild der antiken Kaserne aufzeigen können, für Touristen auch als 3-D-Animation auf dem Smartphone: "Das wäre toll, denn hier liegt Weltgeschichte in der Erde."

Informiert wird über den Spendenaufruf auf der Homepage www.freundeskreisnationalparkhunsrueck.de . doth

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