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Geheischnis, spezielle Beratungsstelle für Senioren, in Morbach läuft gut an

Projekt : Seniorenprojekt in Morbach: „Manche möchten einfach nur reden“

Seit vier Monaten hat das Geheischnis, eine Beratungsstelle für Senioren, in Morbach geöffnet. Das Angebot wird gut nachgefragt.

Als die 83-jährige Gundi Meilen dringend eine möblierte Wohnung suchte, war sie verzweifelt. Denn sie wusste zunächst nicht, wer ihr weiterhelfen könnte. Ganz zufällig fiel ihr ein Flyer des Morbacher Geheischnisses in die Hände. Der Name soll auf den ersten Blick sagen, worum es geht: um sensible fachkundige Beratung „mit Wohlfühlcharakter“ (der TV berichtete). Denn dafür steht auch der Name in Hunsrücker Mundart. Senioren soll sich dort gut aufgehoben und beraten fühlen.

Gundi Meilen rief dort an. Und tatsächlich, kurze Zeit später konnte sie mit der Hilfe von Bekannten dank Tipps von Julia Kimmling und Birgit Wilbert sowie der Hilfe von Bekannten ihr neues Domizil beziehen. Doch das ist nicht die einzige Hilfestellung, die sie aus der Beratungseinrichtung in der Birkenfelder Straße 30f bekam. Unterstützung gab es auch beispielsweise beim Ummelden im Rathaus, beim Anmelden für einen Impftermin und  für einen regelmäßigen Mittagstisch. „Manche Menschen brauchen einfach jemanden zum Reden“, sagt Birgit Wilbert (58) gelernte Krankenschwester, gerade in Zeiten der Pandemie, wo viele ältere Menschen kaum noch Besuch bekommen. Und auch diesem Bedürfnis wollen die beiden Geheischnis-Mitarbeiter gerecht werden. „Manchmal nehme ich mir auch Zeit für einen Hausbesuch, und wenn es nur für zehn Minuten ist.“

Hausbesuch während Corona? Ja, die beiden besuchen auch Senioren in ihre Wohnung, „falls gewünscht und natürlich vollkommen corona-konform“, versichern sie. Gleiches gilt natürlich auch für Gespräche im Geheischnis-Büro, das erst seit vier Monaten geöffnet ist.

Das Konzept Herzstück des Geheischnisses ist das Projekt Gemeindeschwester plus, das das Land Rheinland-Pfalz aufgelegt hat. Ziel ist es, die Selbstständigkeit von hochbetagten Menschen so lange wie möglich zu erhalten und Pflegebedürftigkeit durch gezielte Interventionen zu vermeiden oder hinauszuzögern. Doch in Morbach hat man die Gemeindeschwester plus in ein eigenes Konzept integriert. Der Vorteil: Die Zielgruppe ist deutlich weiter gefasst. Weder ist man in Morbach, anders als in anderen rheinland-pfälzischen Kommunen, an ein Mindestalter der Klientel von 80 Jahren gebunden, noch an die ansonsten übliche Bedingung, dass die unterstützten Menschen keinen Pflegegrad haben dürfen. Das macht Bürgermeister Andreas Hackethal deutlich.

Erste Bilanz Bei einer neuen Einrichtung dauert es üblicherweise, bis sie bei der Klientel überhaupt bekannt ist. Nicht so beim Geheischnis. Die zwei haben sich sehr ins Zeug gelegt. Nach vier Monaten haben die beiden sich bereits ein beachtliches Netzwerk geschaffen, das noch weiter ausgebaut wird. Und auch die Zahl der „Kunden“ ist beeindruckend. Mit rund 60 älteren Männern und Frauen haben sie wöchentlich auf die eine oder andere Weise Kontakt.

Die Aufgaben Mit ihrer Arbeit richten sich die beiden komplett nach den Bedürfnissen der Klientel. Sie informieren über Pflege- und Essensangebote, über Schwerbehindertenausweise, Angebote von Sportvereinen für Senioren und sind auch zur Stelle, wenn Nachbarschaftshilfe wie etwa beim Schneeschippen organisiert werden müssen. „Wir suchen auch Zeitspender“, sagt  die 34-jährige Julia Kimmling, Absolventin eines Master-Studiengangs Pflege- und Gesundheitsmanagement. Das bedeutet: Wer Zeit und Lust hat, kann Senioren auch beim Einkaufen helfen, mit ihnen spazierengehen oder auch einfach mal zum Telefonhörer greifen und sich erkundigen, wie es dem oder der anderen geht.

Die Angebote Wer jetzt denkt, dass Kimmling und Wilbert sich in Corona-Zeiten etwas zurückhalten und mit Aktionen warten, bis die Situation wieder besser ist, der irrt. Sie sprudeln über vor Ideen. Sie bieten kostenlose Notfalldosen und Notfallmappen an. Die einen sollen bei Notfällen den Rettungskräften in der Wohnung helfen, rasch wichtige Informationen über Vorerkrankungen zu bekommen, die anderen kann man mit ins Krankenhaus nehmen und hat, einmal ausgefüllt, dann die wichtigsten Infos direkt zur Hand. Die jüngste Aktion: Die beiden informieren über  Alltagshilfen für Senioren. Diese Utensilien kann man sich im Geheischnis selbst anschauen und erklären lassen. Kaufen kann man sie dort nicht. Da verweisen die Fachkräfte auf die Sanitätsgeschäfte.

Die Finanzierung Finanziert wird das Angebot über das Programm Gemeindeschwester plus des Landes Rheinland-Pfalz und die Gemeinde Morbach. Über möglicherweise auslaufende Finanzierungen müssen sich trotz des befristeten Landesprogrammes weder die Senioren, noch die beiden Mitarbeiterinnen Gedanken machen. „Es ist der ausdrückliche Wunsch der Gemeinde und des Gemeinderates Morbach, dass das Angebot unbefristet ist“, sagt Bürgermeister Andreas Hackethal.

Die Mitarbeiterinnen Der Erfolg der Beratungseinrichtung steht und fällt mit den handelnden Personen, ist sich Morbacher Bürgermeister sicher. Er ist überzeugt, dass man mit Kimmling und Wilbert die !ideale Besetzung“ für das Projekt gefunden hat, und macht das an einem Beispiel fest: „Als wir das Rathaus zwischen Weihnachten und Neujahr geschlossen hatten, bestanden die beiden darauf, das Geheischnis offenzuhalten. „Gerade in dieser für viele Senioren schwierigen Zeit wollten wir ansprechbar bleiben“, sagen Birgit Wilbert und Julia Kimmling unisono. Und das gilt natürlich auch weit über diese Zeit hinaus.

Kontakt:  Birgit Wilbert,Telefon 06533/9582834 oder 0162/1045633, Julia Kimmling, Telefon 06533/9582835 oder 0162/1043619. Die gemeinsame Mailadresse lautet geheischnis@morbach.de. Die barrierefreien Räume des Geheischnisses liegen in der Morbacher Ortsmitte, Birkenfelder Straße 30f. Sprechstunden sind in der Beratungsstelle montags und mittwochs zwischen 9 und 12 Uhr oder nach vorheriger telefonischer Vereinbarung.