Geht doch! Alwin sorgt für Aufschwung in Wittlich

Geht doch! Alwin sorgt für Aufschwung in Wittlich

Gute Zwischenbilanz für das Wittlicher Leerstandsprojekt Alwin nach zehn Monaten: Statt 29 aufgegebener Geschäfte sind es jetzt noch 18. Ab Oktober kümmert sich zudem ein neuer Kopf um das Projekt: Verena Kartz löst Katrin Schade ab. Die Erfolgsgeschichte soll weiter gehen.

Der Kronleuchter glitzert, die Stimmung ist gut, es gibt Sekt. Aber es ist weder Vernissage noch gibt es ein Konzert in der Casa Tony M. am Marktplatz. Überraschung: Das Thema ist die Wittlicher Innenstadt! Die hat Probleme, wie andere Städte auch, was den Einzelhandel angeht. Aber die Wittlicher haben neuerdings ein Rezept, das offensichtlich wirkt. Keiner trägt Beschwerden vor. Das ist eine gute Besserung. Und die zeigt sich nicht in warmen Worten, sondern auch in Zahlen (siehe Info). Das ist Ergebnis und Verdienst des Gemeinschaftsprojekts Alwin (Aktives Leerstandsmanagement Wittlicher Innenstadt, der TV berichtete).
Das Besondere: Es ist gelungen, Verwaltung, Stadtmarketing, Immobilienbesitzer, Einzelhändler, Menschen mit einer Geschäftsidee, Banken, Institutionen zu vernetzen. Neu für Wittlich gibt es dazu die Leerstandslotsen, aber eben auch Alwin-Bausteine wie das Konzept Pop-up-Laden am Pariser Platz. Und über all das noch einmal zu sprechen, sich auszutauschen und die Nachfolgerin von Katrin Schade, die Alwin bei der Stadtverwaltung ins Leben gerufen und betreut hat, vorzustellen, hat man sich in der Casa versammelt.? Das sagen die Beteiligten: Henrike Kammerer, Reisebüro am Pariser Platz und Alwin-Lotsin: "Ich habe durch Alwin gemerkt, dass es sich lohnt, Engagement zu bringen. Es gibt tatsächlich einen Weg zurück in die Innenstadt. Unsere kleinen, inhabergeführten Geschäfte mit ausgefallenen, schönen Dingen und der persönliche Service: Diese Mischung und die Tatsache, dass man sich zusammentut, werden dazu führen, dass die Vision, die da ist, tatsächlich funktioniert. Die Grundstimmung ist absolut schön geworden."
Helga Teusch, neuer Blumenladen in der Burgstraße: "Ich mache jetzt weiterhin das Geschäft, aber mehr Kränze statt Schnittblumen. Das liegt auch an Stammkunden, die mich angerufen und gefragt haben, ob ich aufhören wolle. Es ist schön zu sehen, dass man Stammkunden hat oder Kunden, die meine Arbeit sehen und sagen. ,Oh wie schön.'"
Guido Kön, der am Pariser Platz ein Geschäft für Modelleisenbahnen- und Landschaftsbau eröffnen wird: "Wir machen das seit 18 Jahren und jetzt gehen wir in die Stadt, um präsent zu werden. Das wird definitiv besser im neuen Geschäft. Wir haben schon viele Stammkunden, meist 40 Jahre aufwärts. Aber bei meinen Landschaftsbauseminaren freue ich mich, dass es auch wieder junge Menschen gibt, die sich dafür interessieren."
Verena Kartz, die als noch stellvertretende Leiterin der Touristinformation aus Morbach in Wittlich Katrin Schades Stelle übernimmt: "Ich freue mich auf Wittlich. Die Säubrennerkirmes kenne ich als absoluten Festhöhepunkt der Region, und der Lieserpfad ist mein Lieblingswanderweg. Wittlich liegt strategisch super und hat viel Potenzial. Und klimatisch ist es auch anders als der Hunsrück."
Helmut Erz, Immobilienmakler, Lotse und Inhaber des Pop-up-Ladens: "Dem Männerladen trauere ich wirklich nach: Endlich mal 90 Quadratmeter nur für uns. Aber auf C. Cigars freue ich mich richtig. Das macht ein junger, dynamischer Mann, der sich eine Existenz aufbaut. Eine neue Zielgruppe sind ganz stark die Amerikaner."Sebastian Keck, IHK Trier: "Der Pop-up-Laden ist ein interessantes Projekt, um Läden zu füllen, die ja das Lebensumfeld der Menschen positiv beeinflussen."
Joachim Rodenkirch, Bürgermeister: "Es wird beobachtet, dass wir uns gegen den Trend stemmen. Der Oberbürgermeister Triers hat sich jetzt zum Besuch angekündigt." Für den Innenstadtbereich sind laut Stadtverwaltung 225 Gewerbeflächen erfasst. Im Jahr 2016 (Startschuss für Alwin war im Oktober 2016) gab es vier Neueröffnungen und sechs Schließungen (Bilanz: minus zwei Geschäfte). Für das laufende Jahr 2017 seien es 15 Neueröffnungen, sechs temporäre Konzepte, vier Schließungen - also eine Bilanz von plus elf neuen Geschäften. So sei die Leerstandsquote von 12,8 Prozent auf acht Prozent gesunken. Angekündigte noch kommende Neueröffnungen sind: Ein Pizza-Lieferservice in der Burgstraße nahe St. Markus, ein Modelleisenbahn- und Landschaftsbau am Pariser Platz und ebenfalls dort im jetzigen Pop-up-Laden dann dauerhaft ein Geschäft für exklusive Zigarren mit Loungebereich. Als neuer Alwin-Baustein sollen spezielle Produkte in den Alwin-Farben rot, weiß, schwarz folgen.