Geistliches aus verschiedenen Epochen

Auch die geistliche Musik war mit einem Konzert in der Pfarrkirche St. Markus, präsentiert vom TV, bei den Wittlicher Kulturtagen vertreten. Das angekündigte hohe Niveau konnten die Ausführenden nicht erreichen.

Zu Gast bei den Wittlicher Kulturtagen: der Kammerchor Neuwied. TV-Foto: Gerhard W. Kluth

Wittlich. (gkl) Mit einem geistlichen Konzert beteiligten sich die Orgelfreunde St. Markus an den Kulturtagen. Eingeladen hatten sie den Kammerchor Neuwied unter der Leitung von Bernd Kämpf und Sabine Paganetti. Ein Konzert, das Fragen aufwarf.Zunächst einmal war nicht erkennbar, was dieses Konzert mit dem Titel der Kulturtage "Cross-Over der Künste" zu tun hat. Wenngleich mit Kompositionen von Leonhard Lechner, Johann Sebastian Bach, Girolamo Frescobaldi und Antonin Dvoák Werke aus unterschiedlichen Epochen auf dem Programm standen, so gehörten sie doch alle ins Genre der geistlichen Musik. Von einer Überschneidung konnte also nicht wirklich die Rede sein.Inhaltlich hatte der Kammerchor den Abend zwei geteilt. An den Anfang setzte er mit sechs Motetten zum hohen Lied Salomons von Lechner und kurzen Orgelversetten über das "Ave maris stella" und das Magnificat Maria in den Mittelpunkt. Im Mittelalter wurde die in diesen Gedichten gepriesene Frau oft mit der Gottesmutter gleich gesetzt. Lechner zählt zu den ganz großen Komponisten des späten 16. Jahrhunderts, er war wegen seines kunstvollen Umgangs mit der Polyphonie berühmt. Aber die hier verborgenen Feinheiten, die den sechs Motetten bei aller Schlichtheit inne wohnen, konnte der Kammerchor nicht deutlich machen. Da nutzten auch alle Bemühungen im Dirigat von Kämpf nichts. Wie auch, wenn die meisten der Choristen mit den Augen im Notentext kleben.Den zweiten Teil des Abends gestalteten die Musiker von der Orgelempore aus mit der Messe in D-Dur von Dvoák, diesmal unter dem Dirigat Paganettis, und zwei Choralvorspielen von Bach. Dvoáks Opus 86 ist im Ursprung ein Werk für vier Solisten, vierstimmigen Chor und Orgel, die bekanntere Orchesterfassung ist erst später erschienen. Auf die Solisten hatte das Ensemble verzichtet und deren Partien chorisch besetzt, was den starken dynamischen Kontrasten, die der Komponist vorgesehen hat, nicht dienlich war. Überhaupt konnte der Chor hier mit einem sehr scharfen Sopran und einem Tenor, der in den Höhen Mühen hatte, nicht überzeugen. Fraglich blieb auch, warum Kämpf als Organist nach dem Gloria der Messe noch ein Gloria und ein Glaubensbekenntnis nach dem Credo einfügte. Herzlicher Applaus dankte den Akteuren, die dem angekündigten Niveau ihrer Darbietungen kaum gerecht wurden.