Gekeltert wird gleich im Wingert

REGION. (red) Weinmost direkt aus dem Wingert in die Gärtanks im Keller: Die neue Generation der Traubenvollernter soll es möglich machen und die Winzer zeitlich, wirtschaftlich und personell entlasten.

Für viele Winzer in Rheinhessen, an der Nahe und in der Pfalz sind Traubenvollernter als Zeit sparende und effektive Helfer in der Weinlese unverzichtbar geworden. In ihre Perfektionierung haben rheinland-pfälzische Unternehmen wie die Firma Ero aus Niederkumbd bei Simmern in den vergangenen Jahren investiert. Jetzt steht eine neue Generation dieser Erntemaschinen in den Startlöchern: der Vollernter, der nicht nur Trauben erntet, sondern sie gleich im Weinberg entsaftet und den Trester als Dünger zurücklässt. "Eine Entwicklung wie die von der Dreschmaschine zum Mähdrescher", strahlte Staatssekretär Günter Eymael im Mainzer Wirtschafts- und Weinbauministerium bei der Präsentation des Prototypen. Nicht nur er misst dem neuen "Vollernter plus Dekanterentsaftung" mit Blick auf die großen Weinbaugebiete Europas und in Übersee "weltweite Bedeutung" zu. Das Land Rheinland-Pfalz fördert das Projekt mit 500 000 Euro. Nach Ansicht der Experten hilft die neue Technik, eine sensible Lücke in der Traubenverarbeitung zu schließen. Günter Eymael: "Ernte, Entsaftung und die erste Stufe der Mostvorklärung laufen bereits im Weinberg ab. Durch die kurze Verweilzeit der Trauben und des Mostes in der Maschine werden für den Wein mikrobilogisch ungünstige Vorgänge ebenso reduziert wie die Belastung durch zu hohe mechanische Belastung." Testläufe - unter anderem in Kröv, Osann-Monzel und Bad Kreuznach - zeigten, dass gesundes Riesling- und Müller-Thurgau-Lesegut vom "Neuling" ohne die Zwischenstationen Traubentransport und Kelter direkt in die Gärtanks gebracht werden konnte. Serienreif soll die Maschine zur Lesezeit 2009 sein. Bis dahin müssen die Entwicklungsingenieure unter anderem noch die Wendigkeit, den Schwerpunkt des Fahrzeugs, die Größe des mitgeführten Mosttanks und die Geländegängigkeit - 25 Prozent Steigung sollen im Ernteeinsatz zu bewältigen sein - optimieren. Ersten Kalkulationen zufolge, sieht Ero in Deutschland zunächst einen Bedarf von etwa 20 Maschinen, die pro Stück rund 350 000 Euro kosten sollen. Ein "normaler" Vollernter ist für etwa 220 000 Euro zu haben.

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