Geldgeber gesucht

Das Casino-Gebäude mit seinem wunderschönen Barocksaal ist ein ganz besonderes Schmuckstück in Traben-Trarbach. Doch es muss dringend saniert werden. Dafür ist viel Geld nötig — Geld, das die mit 90 000 Euro verschuldete Casino-Gesellschaft nicht hat. Mit einer noch zu gründenden Stiftung sollen Fördermittel akquiriert werden.

Traben-Trarbach. Der 20. Januar ist ein wichtiger Tag für die ehrwürdige Gesellschaft Casino zu Trarbach. Das Direktorium, Stadtbürgermeisterin Heide Pönnighaus und VG-Chef Ulrich K. Weisgerber werden an diesem Tag nach Trier fahren, um mit dem Präsidenten der Aufsichts- und Dienstleistungsdirektion (ADD), Josef Peter Mertes, über die Zukunft des Casino-Gebäudes zu sprechen. Der Wunsch der Casino-Gesellschaft und der Stadtpolitiker: Mit einer noch zu gründenden Stiftung soll das um 1830 errichtete Gebäude vor dem Verfall gerettet werden. Die Idee: Die Gesellschaft bringt die Immobilie in die Stiftung ein, die Stadt Fördergeld aus der Stadtsanierung. Die Gesellschaft selbst kann kaum auf Fördermittel hoffen, wohl aber eine Stiftung, die das Gebäude der Öffentlichkeit zugänglich macht. 80 Prozent beträgt die Höchstförderquote aus dem Städtebau-Programm des Landes.

Ewald Hannesen, einer der drei Direktoren der Casino-Gesellschaft, schätzt, dass mindestens eine Million Euro investiert werden muss, um das unter Denkmalschutz stehende Haus wieder in Schuss zu bringen. Sollte tatsächlich das Land 80 Prozent dieser Summe zahlen, blieben immer noch 200 000 Euro übrig. Geld, das, so Hannesen, durch Eigenleistungen während der Sanierung und durch Vermögenszuwendungen an die Stiftung von Privatpersonen zusammenkommen könnte. Hannesen kennt den einen oder anderen Traben-Trarbacher, der Geld in das Projekt investieren würde, allerdings erst nach der Stiftungsgründung, wenn die Sanierungspläne vorliegen und die Finanzierung steht. Hannesen: "Wenn in den kommenden Jahren nichts passiert, ist das Casino-Gebäude bald eine Bauruine."

Vor fünf Jahren wurde die Casino-Gesellschaft als gemeinnütziger Verein anerkannt und hat seitdem im Barocksaal mit seinen rund 200 Plätzen zahlreiche kulturelle Veranstaltungen organisiert und den Saal auch an Privatpersonen vermietet. Mit den Einnahmen können die laufenden Kosten wie Heizung, Strom und Wasser sowie notdürftige Reparaturen bezahlt werden. Die Zins- und Tilgungsraten überweist der Verein ebenfalls pünktlich an die Bank. Die Schulden wurden von 100 000 auf 90 000 Euro reduziert. Weitere Einnahmen sind die Beiträge der 60 Mitglieder in Höhe von 110 Euro pro Jahr.

Anfang 2010 feierte die Casino-Gesellschaft ihren 200. Geburtstag (der TV berichtete). ADD-Präsident Josef Peter Mertes war auch zugegen. Den Direktoren teilte er damals mit: "Wir sind Stiftungsbehörde für Rheinland-Pfalz. Da helfen wir Ihnen gerne."EXTRA

Casino-Gesellschaft: 1810 gründeten Honoratioren der Stadt Traben-Trarbach und französische Offiziere die Gesellschaft Casino zu Trarbach. Laut Satzung soll die Vereinigung der Freundschaft und der Geselligkeit sowie dem Austausch gegenseitigen Gedankengutes auf kulturellen, wirtschaftlichen und politischen Bereichen dienen. 1834 bezog die Gesellschaft ein eigenes Heim - das Casino-Gebäude am Moselufer. Es verfügt über einen großen Festsaal, einen Clubraum, ein Restaurant, eine Kegelbahn und einen kleinen Festraum, genannt "Fauste Sälchen". Bis 1980 bewirtschaftete die Casino-Gesellschaft selbst ihr Haus. Danach wurden die Räume für größere Feiern an einen Gastronomen verpachtet. Anfang der 80er Jahre zählte die Gesellschaft noch 150 Mitglieder, heute gehören ihr 60 Männer und Frauen an. Knapp 90 000 Euro Schulden hat die Gesellschaft - größtenteils entstanden nach dem Jahrhundert-Hochwasser 1993, als die unteren Räume überflutet wurden. Kurz zuvor hatte die Gesellschaft den Saal und die Sanitäranlagen erneuert. Geführt wird die Casino-Gesellschaft von den drei Direktoren Konrad Weinzheimer, Kurt Heuser und Ewald Hannesen. (sim)