Kostenpflichtiger Inhalt: Justiz : Geldstrafe für Überdosis im Wittlicher Gefängniskrankenhaus

Ein falsch dosiertes Medikament hat im Wittlicher Gefängniskrankenhaus erst einen Patienten und dann zwei Krankenschwestern in Schwierigkeiten gebracht. Gestern war das Amtsgericht am Zuge.

Fünf Milligramm Polamidon statt fünf Milliliter mit etwas Wasser verrührt – und schon war es passiert. Im November 2018 stellte Krankenschwester G. (47) in der Krankenabteilung der Wittlicher Justizvollzugsanstalt (JVA) das irrtümlich von ihr zu hoch dosierte Mittel für schwer Suchtkranke zur Verabreichung bereit.

Da der Patient, ein Strafgefangener, einer besonderen Sicherungsmaßnahme unterlag, konnte G. es ihm nicht selbst verabreichen. Stattdessen stellte einige Zeit später die Kollegin R. (48) das Plastikdöschen mit gelbem Deckel – darin die klare Flüssigkeit – dem Patienten zur Einnahme hin. Die Folgen beschreibt gestern Staatsanwalt Dr. Volker Anton wie folgt: Es kam zur akuten Vergiftung des Patienten. Er sei benommen gewesen, seine Atmung habe sich verflacht. Erst nach notärztlicher Versorgung mit einem Gegenmittel habe sich der Zustand wieder gebessert. Der Vorfall vom 28. November 2018 brachte den beiden Kolleginnen einen gerichtlichen Strafbefehl ein. G. erhielt zusätzlich eine Abmahnung durch den Arbeitgeber. Sie ist seitdem nicht mehr in der Lage, in ihrem Beruf zu arbeiten, den sie seit 1994 ausgeübt hatte. Gegen den Strafbefehl legten beide Widerspruch ein, insbesondere weil die Kollegin R. gar nicht erkennen konnte, dass sie eine falsche Dosis verabreichte. Sie war schlicht ahnungslos. Nun sitzen beide mit ihren Verteidigern Marco Speth und Mario Wacker vor Amtsrichterin Silke Köhler, die den Fall in zweiter Instanz klären soll. Anwalt Wacker, Verteidiger von G., regt gleich zu Beginn an, das Verfahren gegen eine Geldauflage einzustellen. Zwei Zeugen, der Anstaltsarzt und eine weitere Krankenschwester, werden belehrt und zunächst auf den Gang geschickt. „Klar, Fehler können immer passieren“, sagt Richterin Köhler. „Aber dieser Fehler hätte ja auch tödlich enden können. Das soll nicht vergessen werden“, sagt Staatsanwalt Anton. „Naja, nun sind wir wohl im Bereich der Spekulationen“, meint Verteidiger Wacker.

Seine Mandantin G. nimmt dann den direkten Weg und sagt: „Drei Milligramm statt Milliliter ins Wasser gerührt. Einmal nicht aufgepasst. Das ist das Schlimmste, das einer Krankenschwester passieren kann. Ich hätte genau hinschauen müssen – aber eben... .“

Schnell erreicht die Verhandlung danach das Thema „Strafe und Strafmaß“. Für G., die den Mix fahrlässig falsch angerührt hatte, wird eine Zahlung von 600 Euro an den Sozialdienst Katholischer Männer Trier angeordnet, zahlbar in Monatsraten zu 100 Euro. Danach folge die Einstellung des Verfahrens. „Ich möchte alles sofort zahlen“, sagt G. Für ihre Kollegin R., die ahnungslos in die Sache hineingeschlittert war, wird das Verfahren gleich eingestellt. Die Frau bricht nach dieser Ankündigung heftig in Tränen aus – Tränen der Erleichterung.

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