Gemeinde, Familiensitz und Gartenbaubetrieb: Dierfeld lädt am Wochenende zum Adventszauber ein
Dierfeld · Die zweitkleinste Gemeinde Deutschlands putzt sich heraus für ihren öffentlichen Auftritt: den ersten Adventszauber am Wochenende. Gerade mal elf Einwohner zählt der Ort, einst Jagdschloss der Grafen von Manderscheid, heute gleichzeitig Familiensitz und Unternehmen.
Birken und Obstbäume säumen den Weg: Wer den Ort Dierfeld besuchen will, muss schon gezielt dorthin fahren. Denn die Kreisstraße 28, die neben dem Gewerbegebiet von Laufeld abbiegt, ist eine Sackgasse. Sie endet nach rund einem Kilometer vor dem Gutshof der Familie von Greve-Dierfeld. Und der bildet mit seinem elf Einwohnern gleichzeitig die Gemeinde - die zweitkleinste in Deutschland.
Vorbei an der Kapelle und durch ein Tor mit Sandsteineinfassung geht es in den Innenhof. Dort stehen Holzbuden - zusammen mit den Tannenbäumen am Wegesrand die Vorzeichen für den ersten Adventszauber am Samstag und Sonntag, 12. und 13. Dezember, auf dem Landgut. Neben weihnachtlichen Speisen, Getränken und Dekorationen präsentieren Handwerker wie Schmied, Weber, Kerzenzieher sowie Künstler ihre Arbeiten.
"Ich möchte das Gut etwas mehr öffnen", sagt Besitzer Roderich von Greve-Dierfeld, etwa für Hochzeiten, Taufen, Familienfeiern. Dafür stehen ein Festsaal für bis zu 80 Gäste und die Kapelle zur Verfügung. "Ich möchte eine Plattform bieten für die Menschen, die hier leben. Für seinen Adventszauber erhalte er viel Unterstützung aus den Nachbargemeinden, sagt der 34-Jährige. So werden zwei Vereine musizieren, ein Nachbar bringt seine Esel vorbei, und die Buden stammen vom Manderscheider Burgenfest.
Roderich von Greve-Dierfeld hat den Familiensitz sowie den Betrieb, die Greve-Dierfeld'sche Gutsverwaltung, im Juli von seinem Vater Gerhard übernommen. Die Firma produziert seit 1985 Schmuckgrün von verschiedenen Nadelgehölzen, arbeitet in der Aufforstung sowie im Garten- und Landschaftsbau. Hinzu kommen eine Baumschule und der Verkauf von Brennholz. Sein Vater, Argaringenieur Gerhard von Greve-Dierfeld, übernahm den Hof 1967 und hatte bis in die 1990er eine Landwirtschaft mit einer Saatgutzucht und Schweinemast.
Roderich von Greve-Dierfeld lernte Garten- und Landschaftsbau. Die vergangenen zehn Jahre lebte er auf der Mittelmeerinsel Ibiza, zuerst als Vorarbeiter in einem Gartenbaubetrieb. "Nach einem Jahr habe ich mir eine Schubkarre und eine Schaufel gekauft, dann ging's los." Bis zu sieben Mitarbeiter beschäftigte er damals in seinem Betrieb, heute sind es drei Festangestellte und bis zu 17 Saisonarbeiter.
Die Liebe, so sagt von Greve-Dierfeld, habe ihn zurückgeholt in die Eifel - seine Lebensgefährtin kommt aus Trier. Zudem wollte sein Vater, inzwischen 74 Jahre alt, den Betrieb abgeben. Er habe sich mit seinen Eltern und den vier Geschwistern geeinigt. Denn der Besitz sollte nicht zerschlagen werden. "Ihn zu bewahren ist eine große Verantwortung." Doch Roderich von Greve-Dierfeld will nicht nur den Familiensitz erhalten, er will auch das Unternehmen ausbauen. An Ideen mangelt es ihm nicht. So will er etwa den Bereich Garten- und Landschaftsbau verstärken. "Bisher haben wir meist öffentliche Aufträge bearbeitet. Jetzt möchten wir auch Privatgärten gestalten." Und er könnte sich vorstellen, Kindern und Jugendlichen die Natur näherzubringen.
Von Greve-Dierfeld bewirtschaftet gut 180 Hektar Land. Das Gemeindegebiet umfasst rund 140 Hektar, davon rund 50 Hektar Wald. "Wir haben noch Land in Mückeln, Laufeld und Wallscheid." Zudem hat er weitere kleine Flächen in den Nachbargemeinden gepachtet.
Das Gut ist seit 1909 im Familienbesitz - der Großvater Hermann von Greve aus Münster hatte es erworben. Heute verwaltet der siebenköpfige Ortsgemeinderat - er besteht aus Familienmitgliedern und Mitarbeitern - den Ort. Ortsbürgermeister ist Gerhard von Greve-Dierfeld.
Um dessen Aufwandsentschädigung zahlen zu können, hat der Rat den Hebesatz für Grund- und Gewerbesteuer, die einzigen Einnahmen des Orts, auf 900 Prozent festgelegt - 2014 waren es im Landesdurchschnitt 313 Prozent. Auch die Gemeindestraßen unterhalten sie höchstselbst. Dafür ist die Gemeinde schuldenfrei - die Greve-Dierfelds lassen sich die Eigenständigkeit etwas kosten.Extra
Dierfeld entstand aus einem Jagdhaus mit markantem Treppenturm, das die Grafen von Manderscheid im Jahr 1546 errichtet haben. Zum Hofgut gehörte eine Mühle am Sammetbach. Sie war bis nach dem Zweiten Weltkkrieg bewohnt. Sie verfiel; von ihr sind heute nur noch Mauerreste zu sehen. mehiExtra
Samstag, 12. Dezember: 14 Uhr Eröffnung 16 Uhr Feuershow mit Magic Stixx 17.30 Uhr Achim Weinzen Sonntag, 13. Dezember: 12 Uhr Eröffnung 13 Uhr Musikverein Oberöfflingen 14.30 Uhr Zauber Hamid 15.30 Uhr Manderscheider Posaunenensemble An beiden Tagen gibt es eine Tombola zugunsten der Villa Kunderbunt in Trier. mehi